Rems-Murr-Sport

Interview mit Justin Eisenmann vom SV Breuningsweiler

Fußball 5. Just Pack Sommer Cup 2019
Justin Eisenmann. © Gisbert Niederführ

Justin Eisenmann (19), Fußballer vom SV Breuningsweiler, fiebert seinem Fußballstipendium in den USA entgegen. Wie er sich einen der begehrten Stipendienplätze ergatterte und welche Sorge ihm dabei das Coronavirus bereitet, hat unser Mitarbeiter Maximilian Grau erfragt.

Justin, bei „Jetzt mal ehrlich...“ stellt der Interviewte sich selbst kurz vor. Was sollten wir über dich wissen?

Ich bin 19 Jahre alt und bin durch und durch fußballverrückt. Ich wohne in Breuningsweiler, wo ich momentan auch Fußball spiele.

Das „Werksteam“ beweist Humor

Auch dein Team hat bei der „Klopapier-Challenge“ mitgemacht. Nominiert wurdet ihr vom TSV Schwaikheim, wobei Simon Hieber euch als „Werksteam“ bezeichnet hat. Eure Reaktion im Video war äußerst amüsant. Könntest du uns das erläutern?

Wir wissen, wie wir von den anderen Vereinen im Umkreis angesehen werden und wollten uns damit quasi selbst auf die Schippe nehmen. Das Video sollte lustig und unterhaltsam werden. Das ist uns meiner Meinung nach auch sehr gut gelungen (lacht).

Das Video gibt’s auf der Facebook-Seite des SV Breuningsweiler zu sehen.

Die Ausgangseinschränkungen halten nach wie vor an. Was machst du gegen die „Corona-Langeweile“?

Ich versuche mich, in erster Linie mit „Home-Work-outs“ bestmöglich fit zu halten beziehungsweise fit zu bekommen. Zudem koche ich öfters für meine Familie und mich. Ansonsten zocke ich gerne „FIFA“, sodass ich wenigstens etwas vom Fußball habe.

Reha in der Corona-Pause

Fußballspielen könntest du im Moment sowieso (noch) nicht. In der Vorrunde hast du dir im Ligaspiel gegen Sindringen das Kreuzband gerissen. Wie geht’s deinem Knie mittlerweile?

Meinem Knie geht es mittlerweile wieder sehr gut. Die Reha verläuft problemlos und ich steigere mich Woche für Woche. Trotzdem ist noch Geduld und Ehrgeiz gefordert, um wieder 100 Prozent fit zu werden.

Sollte entgegen aller Erwartungen doch noch in der noch laufenden Saison Fußball gespielt werden, wäre es dann möglich, dass wir dich noch mal auf dem Platz sehen?

Ausgeschlossen wäre es nicht. Allerdings sollte man bei solch einer Verletzung, wie ich sie hatte, nicht zu voreilig sein, da sich das schnell rückwirkend auswirken kann. Daher ist es momentan schwierig, zu sagen.

Im Sommer geht's zu den „ONU Tigers“

Sollte es in dieser Saison nicht mehr mit einem Einsatz klappen, sehen wir dich (vorerst) nicht mehr im SVB-Trikot. Dass du wechselst, steht nämlich fest - und zwar in die USA... Wie kam es denn dazu?

Der Wunsch entstand im Winter 2018. Mein ehemaliger Trainer beim VfR Aalen ist US-Amerikaner. Er hat mir das Thema „College-Soccer“ nahegebracht und mich dafür begeistert. Nach und nach stieg das Interesse bei mir und ich fing an, mit einer Vermittlungsorganisation zu kooperieren, welche mir beim langen Weg in die USA geholfen hat.

Was waren die Gründe, in den USA zu studieren und gleichzeitig dort als Stipendiat Fußball zu spielen?

Das dortige Collegesystem hat einige Vorteile: Ich kann gleichzeitig studieren und meine Fußballkarriere vorantreiben. Das Programm bietet mir die Möglichkeit, beide Ziele miteinander zu kombinieren, ohne dass sie sich dabei gegenseitig im Weg stehen. In Deutschland gibt es etwas Vergleichbares einfach nicht. Da heißt es meistens entweder oder. Das war für mich der ausschlaggebende Punkt. Zudem bin ich sehr interessiert an der Sprache und offen, etwas Neues zu erleben.

Was sind die Voraussetzungen, um einen der begehrten Stipendienplätze zu bekommen?

Die Grundvoraussetzung ist, Abitur oder Fachabitur zu haben und den „SAT“ [US-amerikanischer Aufnahmetest für Studienplatzbewerber] zu bestehen. Zusätzlich musste ich aufzeigen, dass ich ein hohes fußballerisches Niveau habe. Für die „Division 1 Universities“ [die größten Universitäten mit den erfolgreichsten Sportmannschaften] sollte man Männer-Verbands- oder Jugend-Oberliga gespielt haben. Außerdem ist es wichtig, englischsprachig sehr fit zu sein. Dafür musste ich den „Toefl“-Sprachtest nachweisen.

Konntest du dir aussuchen, auf welches College du gehen wirst?

Insgesamt hatte ich Gespräche mit 14 Colleges, die mich gerne in ihrem Soccer-Team gehabt hätten. In den USA wird das Ansehen des College an der Größe gemessen: Je mehr Studenten es hat, umso besser ist sein Ansehen. Für mich spielten zudem das Niveau der Mannschaft und der „Conference“ [College-Liga], der Trainerstab, der Standort, das akademische Level und natürlich das Finanzielle eine entscheidende Rolle. Letztendlich habe ich mich für die „Olivet Nazarene University“ (ONU) in der Nähe von Chicago (Illinois) entschieden und werde ab Herbst für die „ONU Tigers“ auflaufen. Da die „ONU“ bei meinen Kriterien am besten abgeschnitten hat, fiel mir die Entscheidung nicht schwer.

Wann geht das Abenteuer los und worauf freust du dich am meisten?

Die Vorbereitung auf die Fußballsaison („Preseason“) beginnt am ersten August 2020, mein Studium, Sportmanagement, aber erst am ersten September. Daher habe ich einen ganzen Monat, um mich an das neue Umfeld zu gewöhnen. Ehrlich gesagt freue ich mich auf alles: natürlich insbesondere auf die neue Aufgabe bei den „ONU Tigers“, aber auch auf die vielen neuen Themenbereiche, die mir durch mein Studium näher gebracht werden.

Planungsunsicherheit wegen Corona

Bereitet dir das Coronavirus bei der Planung Sorgen?

Das Coronavirus ist momentan auf jeden Fall meine größte Sorge. Ich hoffe, dass alles termingerecht abläuft. Das kann aktuell aber leider niemand genau sagen. Zudem ist es auch schwierig, meine Familie und Freunde zu verlassen, aber mit „FaceTime“ können wir ja leicht in Kontakt bleiben.

Der Traum vom Profifußball lebt

Ist es dein Traum, nach dem Studienabschluss im Profifußball Fuß zu fassen?

Den Traum habe ich, seitdem ich ein kleiner Junge bin. Ich werde alles dafür tun, ihn noch zu erreichen. Die Grundsteine dafür sind mit dem Sportstipendium auf jeden Fall gelegt. Allerdings ist es trotzdem ein sehr harter und weiter Weg bis in den Profifußball, da sind wir uns, denke ich, alle einig.

Wie hoch sind die Chancen für europäische College-Absolventen, nach dem Studium bei einer Profimannschaft in den USA unterzukommen?

Das ist schwierig, zu sagen, da man abhängig vom Team, Trainerstab und Umfeld ist. Es gibt aber sehr viele Beispiele von jungen europäischen Spielern, die in den USA ihre Chance ergriffen haben und Profifußballer wurden.

Heimatverbundenheit verhinderte früheren Wechsel

Du galtest schon früh als sehr talentiert. Trotzdem hast du sehr lange bei den Beuningsweilermer Junioren gespielt. Warum kam der Wechsel zu einem größeren Verein [TSG Backnang und danach VfR Aalen] erst so spät?

Ich bin sehr an den SV Breuningsweiler gebunden. Ich bin in unserem Dorf aufgewachsen, habe zusammen mit meinen Freunden gespielt, und auch meine beiden Eltern haben früher beim SVB Fußball gespielt. Ich denke, ich habe mich schlichtweg nicht getraut, den Schritt zu wagen.

Wichtiges Jahr für die Weiterentwicklung beim VfR Aalen

Bei Aalen hast du ein Jahr in der U19 Oberliga Baden-Württemberg gespielt. Eine wichtige Erfahrung für dich?

Es war ein sehr tolles und auch erfolgreiches Jahr. Durch die sehr guten Trainingsbedingungen beim Verein, die zahlreichen Spiele gegen Top-Clubs, sowohl in der Liga als auch in Freundschaftsspielen (VfB Stuttgart, Red Bull Salzburg, Eintracht Frankfurt, ...), und den Leistungsdruck habe ich mich als Fußballer, aber auch als Person enorm weiterentwickelt, und das ist das Wichtigste.

Trotz guter Leistungen hast du dich nach dieser Saison (2018/19) für einen Rückwechsel zu deinem Heimatverein, SV Breuningsweiler, entschieden. Wollte der VfR Aalen dich für seine Regionalliga-Profimannschaft nicht behalten?

Mir war zur Winterpause bereits klar, dass ich eine Saison später in die USA wechseln werde und das habe ich auch offen an den VfR kommuniziert. Der SVB war mein erster Gedanke, da das Team ein hohes Niveau hat und ich eine realistische Chance auf einen Stammplatz für mich gesehen habe. Mir war wichtig, im ersten Jahr bei den Aktiven viel Spielzeit zu bekommen, um mich an das körperlichere Spiel zu gewöhnen.

Terrorisierung anderer Hotelgäste in Lloret de Mar

Du gehst regelmäßig gemeinsam mit Kumpels unterschiedlicher Rems-Murr-Vereine in den Urlaub. Ich habe mir sagen lassen, da entstehen hin und wieder lustige Fußball-Geschichten. Kannst du uns eine erzählen?

Das stimmt, ich habe viele Freunde aus gegnerischen Vereinen, mit denen ich sehr viele coole Erlebnisse teile. Der Höhepunkt war sicherlich der LLoret-Urlaub mit drei Freunden aus Nachbarvereinen vor ein paar Jahren. Neben der Feierei war der Urlaub sehr vom Fußball geprägt: Wir haben am Strand stundenlang den Ball jongliert und auf der hoteleigenen Dachterrasse bei einer atemberaubendem Aussicht gemütlich Flugbälle hin und her geschlagen. Wir waren sicherlich nicht die beliebtesten Hotelgäste. Andere Gäste, die sich eigentlich entspannt sonnen wollten, mussten sich vor unseren butterweichen Flugbällen, die nicht einmal Luka Modric [Spieler von Real Madrid] hätte besser schlagen können, in Acht nehmen (lacht).