Rems-Murr-Sport

Interview mit Labinot Collaku vom SSV Steinach-Reichenbach

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Labinot Collaku schießt gelegentlich entscheidende Tore und modelt nebenher. © Gisbert Niederführ
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Labinot Collaku, das Model

Labi, bei „Jetzt mal ehrlich...“ stellt der Interviewte sich selber kurz vor. Was sollten wir über dich wissen?

Hallo Maxi, vielen Dank für die Einladung zum Interview. Ich werde dieses Jahr 30 Jahre alt und zähle somit zu den erfahrenen Spielern in unserem Hobby. Neben meiner Leidenschaft zum Fußball verreise ich sehr gerne. Privatleben, Familie, Freunde und Sport unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach, aber gelingt mir ganz gut. Mir ist eine gesunde Work-Life-Balance wichtig.

Was aus dem geplanten Ägypten-Urlaub mit Marcel Goncalves wurde ...

Dein Kumpel, Marcel Goncalves (SV Steinbach), hat uns hier bei "Jetzt mal ehrlich..." erzählt, dass ihr beide jährlich im Februar nach Ägypten reist, um euch für die Rückrunde fit zu machen. Wie war's denn in diesem Jahr?

Wie schon kurz angedeutet, zählen wir beide zur älteren Garde. Damit das nicht auffällt, müssen wir ein bisschen mehr tun (zwinkert). Wenn die Rückrunde beginnt, kommen wir meistens topfit aus unserem eigenen kleinen „Ägypten-Trainingslager“ zurück.

Auch jetzt im Februar waren wir natürlich wieder: Morgens um halb neun machten wir einen 8-Kilometer-Lauf, mittags ging's meistens an den Strand und abends rundeten wir die Tage mit einer kleinen Partie Uno am Pool ab - wobei Marcel mich immer gewinnen ließ ...

Und habt ihr auch eine spezielle „Sommer-Vorbereitung"?

Die gibt es definitiv! Ich habe für diesen Sommer Ibiza vorgeschlagen. Jetzt kommt es darauf an, ob Marcel sich zu Hause durchsetzt und mit darf (lacht).

Machst du dir bei deinen Reisen um die ganze Welt manchmal Sorgen aufgrund der negativen Meldungen, die ständig durch die Medien gehen?

Grundsätzlich versuche ich, negative Berichterstattungen zu vermeiden, was natürlich nicht immer klappt. Ich mache mir dann natürlich auch meine Gedanken und bin vorsichtig, denke aber auch, dass einem überall etwas zustoßen kann. Deshalb versuche ich, mir keine zu großen Sorgen zu machen. Jetzt freue ich mich erst mal auf meinen nächsten Spanien-Trip.

Schwitzen im Bergparadies

Neben deinem eigenen „Trainingslager" geht es mit dem SSV Steinach im Sommer immer ins Trainingslager nach Vorderhornbach (Tirol). Mehr Qual oder Spaß?

Das macht der SSV wirklich sehr gut. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an unsere Verantwortlichen, Udo Wonschick und Thomas Hug, die uns dieses Trainingslager jährlich ermöglichen.

Es ist eine gute Mischung aus Qual und Spaß. Die beiden Male, bei denen ich bisher dabei war, hatten wir anstrengendes aber abwechslungsreiches Training. Bei unserem letzten Trainingslager beispielsweise war mein Trainingshighlight eine „Sprint-Wanderung" in Wettbewerbsformat: Drei Teams, wobei das Team, das als erstes die Hütte auf dem Berg erreicht, gewinnt. Eine verdammt anstrengende, aber Teambuilding fördernde Einheit zugleich. Sich danach in die Strömung der eiskalten „Lech" [Fluss in Tirol] zu werfen, tat dann besonders gut.

Labinot rechnet mit Bezirksligaverbleib seines SSV

Mit dem SSV stehst du aktuell auf dem drittletzten Platz (Relegationsplatz) in der Bezirksliga. Wie ist die Lage, glaubst du, der Klassenerhalt wird erreicht?

Ich bin sehr ehrgeizig und glaube stets ans Positive. Wir sind eine sehr junge Mannschaft mit vielen talentierten Spielern, die im Laufe der Rückrunde noch mal einen Schritt nach vorne machen werden. Ich glaube fest daran, dass wir unser Ziel, den Klassenerhalt, erreichen werden.

Während eure Ligakonkurrenten bereits in die Rückrunde gestartet sind, seid ihr drei Spieltage zum Zuschauen verdammt (spielfrei). Hat das negative Auswirkungen auf euch?

Fußball ist ein Wettbewerbssport: Wir trainieren unter der Woche, damit wir uns am Wochenende regelmäßig mit anderen Mannschaften messen können! Wenn das mehrere Wochen nicht gegeben ist, leidet bei uns im Amateurbereich auch die Spannung im Training darunter. Die Verteilung der Spieltage ist meiner Meinung nach etwas unglücklich verlaufen. Für die nächste Saison sollte man diese Entscheidung noch einmal überdenken.

Bier- und Sektdusche nach goldenem Aufstiegstor

In deiner ersten Saison beim SSV (2018/2019) ist dir direkt der Aufstieg in die Bezirksliga geglückt, woran du maßgeblichen Anteil hattest: Im entscheidenden Spiel beim SV Hegnach hast du in der 77. Minute das 3:1 erzielt, womit die Meisterschaft und der Aufstieg besiegelt waren. Gib uns mal einen Einblick in deine Gefühlswelt nach diesem speziellen Tor.

Tatsächlich kann ich mich an kein Tor von mir erinnern, das noch emotionaler und schöner gefeiert wurde als dieses. Das gesamte Team war in Ekstase und ist mit mir zu unseren Fans gerannt, um gemeinsam den Aufstieg zu feiern. Dass wir mit Unmengen an Bier und Sekt übergossen wurden, hat in dem Moment niemanden gestört. Diese Bilder und Erinnerungen, und überhaupt die ganze Saison, die durchgehend positiv verlief, nimmt uns niemand mehr weg.

 "Professionalität in Großaspach hat mich beeindruckt"

Bevor deiner Zeit in Steinach hast du unter anderem in Backnang (TSG und Viktoria) und Großaspach in der Landesliga gespielt. Was waren deine Highlights dort?

In jedem Verein hatte ich meine Highlights. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber meine Zeit in Großaspach: Die dortige Professionalität hat mich beeindruckt. Außerdem habe ich mit meinen Freunden zusammengespielt und durfte meinen allerersten Malle-Ausflug erleben.

Warum später ausgerechnet der Wechsel nach Steinach (2018, damals noch Kreisliga A)?

Über meinen Bruder, Mergim [Collaku], kam der erste Kontakt zustande. Die Gespräche mit unserem Trainer, Jan Demmler, und unseren Verantwortlichen [Hug und Wonschick] waren positiv. Der Verein hat gleich einen sehr positiven Eindruck gemacht. Zudem haben die Zielsetzung, aufzusteigen, und die Idee, ein wichtiger Bestandteil dabei zu sein, meinem Bruder und mir sehr gut gefallen. Die Entscheidung fiel dann, weil wir uns zusammen mit dem Verein zugetraut haben, das Ziel Aufstieg zu erreichen. Letztendlich ist es dann auch genauso gekommen, wie wir’s uns vorgenommen hatten (zwinkert).

Collaku vs. Sylaj - Das Duell der Brüder-Trios in der Bezirksliga

Dein zweiter Bruder, Altin (Collaku), ist im Sommer nachgezogen. Wie ist es mit gleich zwei Brüdern zusammenzuspielen? Geht man sich da nicht manchmal auf die Nerven?

(Lacht) Da muss ich unterscheiden: Mergim ist 27 und Altin erst 19 Jahre alt. Ich spiele sehr gerne mit beiden Brüdern zusammen, weil ich auch sehr gerne meine Zeit mit ihnen verbringe. Altin ist noch sehr jung und möchte nicht immer alles sofort annehmen, was man ihm sagt. Passiert das auf dem Spielfeld, dann kann das schon mal nerven. Ich glaube aber, dass das ein grundsätzliches Problem im heutigen Amateurfußball ist: Junge Spieler erlauben sich mehr, als sie tatsächlich sollten.

Neben euch Collakus fällt mir ein weiteres Brüder-Trio ein, das im Rems-Murr-Kreis zusammen in einer Mannschaft spielt: die Sylaj-Brüder (KSTV Hößlinswart). Welches Trio ist denn das bessere?

Die Sylaj-Brüder sind im Rems-Murr-Kreis bei allen bekannt und teilweise auch gefürchtet. Ich kenne sie gut und halte - nicht nur - fußballerisch viel von Ihnen. Für mich sind sie das bessere Trio. Ich freue mich ganz besonders auf unser Duell im Berglen-Derby am 24. Mai.

Wenn Hugo Boss anklopft

Du modelst nebenberuflich. Wie kam es dazu?

Vor mehr als zehn Jahren, da war ich gerade mal 18 Jahre alt, bin ich angesprochen worden, ob ich mir das vorstellen könnte. Seitdem mache ich das immer wieder gerne. Mein bisheriges Highlight war Anfang des Jahres, als Hugo Boss angeklopft hat.

Beim SSV hast du im Sommer einen Instagram-Account eröffnet. Ist Fußball ohne Social Media überhaupt noch möglich?

Möglich bestimmt. Aber sind wir mal ehrlich, gibt es noch viele Menschen da draußen, die auf Social Media verzichten möchten? Wir haben uns bewusst für Social Media entschieden, um unseren Anhängern jederzeit die Möglichkeit zu geben, auf dem aktuellsten Stand zu sein.