Rems-Murr-Sport

Interview mit Luca Triffo, Spieler beim TSV Nellmersbach

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Luca Triffo in Aktion - momentan aber kann er nur warten © privat

Luca, bei „Jetzt mal ehrlich...“ stellt der Interviewte sich selber kurz vor. Was sollten wir über dich wissen?

Hi Maxi, mittlerweile spiele ich seit 19 Jahren Fußball im Verein. Mein erster Verein waren die Sportfreunde Höfen Baach. Viele Vereinsstationen durchlief ich seitdem nicht, was mir immer wieder tolle Freundschaften bescherte. Neben Höfen spielte ich für die SG Sonnenhof Großaspach, die TSG Backnang und schlussendlich landete ich beim TSV Nellmersbach.

Du wurdest am Dienstag 23 Jahre alt. Noch mal herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle. Konntest du trotz der aktuell schwierigen Situation ein wenig feiern?

Besten Dank!! Während der derzeitigen Situation fällt mir das Feiern schwer. Aber ich versuchte, das Beste aus der Situation zu machen. So schmeckten die Flaschen Wein zu Hause auch alleine ganz gut (lacht). Sobald sich die Lage beruhigen wird - hoffentlich bald - teile ich meinen Alkohol auch gerne wieder mit meinen Besten (zwinkert).

Morgenroutine gegen Corona-Langeweile

Wir alle müssen gerade viel Zeit zu Hause verbringen. Wie verbringst du deine Tage?

Meine Morgenroutine ist mir derzeit heilig: Nach dem Aufstehen und dem ersten Espresso jogge ich eine Weile um das Schmidener Feld. Der Rest des Tages spielt sich dann leider innerhalb der eigenen vier Wände ab. Die freie Zeit widme ich meiner persönlichen Weiterbildung, die mir sehr wichtig ist. Ansonsten spiele ich mit meiner kleinen Tochter, mache ein paar Home-Workout-Übungen oder entspanne einfach nur. Nichts tun zu müssen, ist auch manchmal ganz angenehm.

Wie genau sieht dein Home-Workout aus?

Je nach Lust und Laune variiere ich die Übungen zu Hause - aber nur für Brust und Arme versteht sich natürlich (lacht). Zudem war unser Coach so einfallsreich und stellte uns Spielern des TSV eine Challenge, in der wir in verschiedenen Gruppen unterschiedliche Fitnessübungen ausüben dürfen. Ansonsten ist auch ein guter Rotwein förderlich für meine Gesundheit (lacht).

Du hast bei der „Klopapier-Challenge“ auf Instagram mitgemacht. Ganz ehrlich: Wie oft hast du filmen müssen, bis es so geklappt hat wie in dem Video?

Ehrlich gesagt konnte ich die Klopapierrolle erst nach dem dritten Wurf meiner Freundin aus dem dritten Stockwerk kontrollieren und anschließend ein paar Mal jonglieren. Zugegeben lag es nicht an der Vorlagengeberin, dass ich die ersten beiden Male die Annahme vermasselt habe... Das Video gibt's hier

Was momentan so alles fehlt

Was fehlt dir momentan am meisten? Ich nehme mal an der Fußball, oder?

Natürlich fehlt mir der Fußball sehr. Vor allem jetzt, wenn das Wetter wieder besser wird und man sich einfach mal so mit Freunden zu einem Kick auf dem roten Platz treffen könnte. Generell fehlt mir der persönliche Kontakt zu Freunden, Bekannten und sogar der eigenen Familie. Außerdem vermisse ich das Reisen sehr, nicht zuletzt weil eine geplante Ägypten-Reise ins Wasser gefallen ist.

Die Bedeutung von sozialen Medien in Zeiten von Corona

In welcher Form stehst du gerade in Kontakt mit deinen Mannschaftskollegen?

Über die TSV-WhatsApp-Gruppe stehen wir fast täglich in Kontakt. Ansonsten halten mich einige meiner engsten Fußballkameraden mit witzigen Videos, unter anderem über Instagram, bei Laune.

Luca will auf die Eins!

Sollte die Saison nicht fortgesetzt werden, wäre es speziell für euch in Nellmersbach schade, nehme ich an. Immerhin habt ihr euch in den Monaten vor der Corona-Krise auf den zweiten Platz vorgekämpft.

Sollte die Saison annulliert werden, wäre das für uns - als gefühlt ewigen Zweiten - sehr bitter. Im Verein möchte es keiner aussprechen, aber das Ziel, das wir diese Saison anstreben, ist der erste Platz und der direkte Aufstieg. Zweiter will zumindest ich nicht mehr werden. Auch weil die Sommerpause wegen der Relegationsspiele dann auf ein paar Wochen beschränkt wäre.

Die bittere Last-Minute-Niederlage

In der letzten Saison wart ihr nahe am Aufstieg dran. Nachdem ihr die ersten beiden Relegationsspiele gewonnen hattet, habt ihr im großen Finale gegen Schornbach erst in der Nachspielzeit den Ausgleich hinnehmen müssen und in der Verlängerung dann auch noch verloren. Woran lag es, dass euch am Ende die Puste ausgegangen ist?

Ich bin der Meinung, dass hier keinem ein Vorwurf gemacht werden darf. Jeder einzelne Spieler, egal ob in der Startelf, eingewechselt oder 120 Minuten auf der Bank, war zu 100 Prozent fokussiert. Bei 30 Grad schwinden die Kräfte gegen Ende der Spielzeit, das ist normal. In der Verlängerung war es eine reine Kopfsache. Da wir kurz vor Abpfiff der regulären Spielzeit das 1:1 kassiert haben, hat unser Gegner hier noch mal frischen Wind in die Sportstiefel bekommen.

Ein Experte für Relegations-Tore

Das Spiel hatte aber auch positive Momente für euch - speziell für dich: In der 19. Minute gelang dir der 1:0-Führungstreffer. Gib uns mal einen kleinen Einblick. Wie war es, vor über 1.000 Zuschauern ein so wichtiges Tor zu erzielen?

Solche Erlebnisse sind für einen Amateurfußballer etwas ganz Besonderes. Im Moment, als das Spielgerät im Netz zappelte, spürte ich nichts außer Adrenalin und Glücksgefühlen. Die Zuschauer habe ich da gar nicht bemerkt, erst nach dem Spiel auf dem Video sind mir die Reaktionen der Zuschauer bewusst geworden. Ich hoffe sehr, dass ich noch ein paar dieser Momente erleben darf.

In Relegationsspielen zu treffen, ist für dich keine Seltenheit. Mit den A-Junioren der TSG Backnang hast du im entscheidenden Relegationsspiel im Elfmeterschießen Nervenstärke bewiesen. Was ist dein Geheimnis, in solchen Momenten so cool zu bleiben?

Noch so ein Moment, an den ich mich immer wieder gerne zurückerinnere. Ein Geheimnis habe ich nicht. Der Kopf muss einfach frei sein. Wenn man mental nicht frisch ist, dann nützt einem die beste Schusstechnik nichts. Das versuche ich immer, zu beherzigen.

Nach zwei weiteren Jahren in Backnang bist du beim TSV Nellmersbach gelandet. Wie kam’s dazu?

Ja, leider ist unser Jahrgang nach diesem Jahr fast komplett auseinandergefallen. Viele Spieler wechselten oder hörten ganz auf. Das war der einzige Grund für mich, mich auf die Suche nach einem neuen, attraktiven Verein nahe meinem damaligen Wohnsitz zu machen. Durch die ehemaligen TSG’ler Nik (Höschele) und Yannick (Urbitsch) kam der Kontakt zustande. Heute bin ich sehr froh, seitdem für den TSV zu spielen.

Stolzer Papa

Vor einigen Monaten bist du das erste Mal Vater geworden. Wie ist es, in einem relativ jungen Alter Vater zu sein?

Ich fühle mich wohl in meiner Vaterrolle und bin unglaublich stolz auf meine Kleine (strahlt). Es gibt Vor- und Nachteile im jüngeren beziehungsweise höheren Alter Vater zu werden. Ein großer Vorteil für mich ist, dass ich noch keine langwierigen Verpflichtungen wie beispielsweise große Finanzierungen eingegangen bin. Das ermöglicht mir, dass ich für 14 Monate in Elternzeit gehen und Elterngeld beziehen kann.

Wie hast du deine Elternzeit bisher verbracht?

Geplant war, dass meine kleine Familie viel durch die Welt reist. Das haben wir bis Februar noch geschafft. Unter anderem waren wir für einen Monat in Russland. Wenn uns die Corona-Krise verbieten sollte, während meiner Elternzeit noch weitere Reisen zu machen, genieße ich die Zeit mit meiner Tochter einfach zu Hause. Der Ort ist da völlig egal.

Mit Robert Pires am Ende der Welt

Bei einem Blick auf deinen Instagram-Account fällt direkt auf, dass du sehr gerne reist - vor allem auch an untypische Orte wie beispielsweise Miass (Russland) oder Anjuna (Indien). Wie kam es dazu und was hat dich am meisten beeindruckt?

Das stimmt. Ich bin nicht gerade der All-Inclusive-Urlauber. Nach Indien und Russland haben mich diverse Beziehungen gezogen. Es fasziniert mich, die Kulturen der einheimischen Menschen kennenzulernen. In Indien waren es die einheimischen Hippies und in Russland die unheimliche Gastfreundschaft.

Auch sehr spannend, wen man an den abgelegensten Orten der Welt alles so trifft: In Indien zum Beispiel hatte ich eine tolle Unterhaltung und einen lockeren Beach-Kick mit Robert Pires [ehemaliger französischer Nationalspieler, Welt- und Europameister].

Und was hatte Pires zu erzählen?

In der Saison 2014/15 spielte Robert Pires beim FC GOA, dem größten Club in der Nähe meines damaligen Reiseziels. Natürlich wollten wir von einem solchen Weltstar wissen - während wir uns gerade von dem anstrengenden Kick mit einer kalten Kokosnuss abkühlt haben - wie es denn war, Weltmeister zu werden und mit Fußballern wie Thierry Henry, Zinedine Zidane oder Dennis Bergkamp zusammen zu spielen. Er erzählte noch total begeistert von seinen glorreichen Zeiten. Wir haben aber zusammen eher Witze gemacht und rumgealbert, anstatt ihn auszufragen. Die eine oder andere Kabinengeschichte über seine ehemaligen Teamkameraden hat er uns aber nicht verschwiegen...

Zudem bist du sehr Musik begeistert. Zu welcher Musik kannst du besonders gut abfeiern?

Da könnte ich dir eine ganz schön lange Liste zusammenstellen... Meine Favoriten zum Feiern sind Reggaeton, Hip-Hop und R&B. Auch ein paar alte Klassiker höre ich immer wieder gerne.