Fußball in Rems-Murr

Interview mit Patrick Gölz vom SSV Steinach-Reichenbach

IaquintaM
Patrick Gölz © Gisbert Niederführ

Patrick bei „Jetzt mal ehrlich...“ stellt der Interviewte sich selber kurz vor. Was sollten wir über dich wissen?

Ich bin mittlerweile 34 Jahre alt und spiele seit meinem dritten Lebensjahr Fußball im Verein, was gefühlt eine halbe Ewigkeit ist. Seitdem bin ich eigentlich jeden Sonntag auf dem Sportplatz anzutreffen.

Der goldene Jahrgang des SSV

Du hast schon einiges erlebt im Rems-Murr-Fußball. Gespielt hast du für den SV Breuningsweiler, den TSV Nellmersbach und den SSV Steinach. In Steinach wurdest du letztendlich sesshaft. Wie kam es dazu?

Begonnen hat alles bei meinem Heimatverein, dem TSV Nellmersbach, bei dem ich alle Jugendmannschaften durchlief und meine ersten Schritte im aktiven Bereich machte. Da jedoch der Sprung von der Jugend zur ersten Mannschaft (damals Landesliga) für mich zu groß war, wechselte ich nach Breuningsweiler: zwei super Jahre mit dem Aufstieg in die Kreisliga A und vielen neuen Freundschaften, die das Kapitel Steinach später noch prägen sollten. Da ich jedoch ziemlich ehrgeizig bin, zog es mich danach doch wieder nach Nellmersbach, wodurch ich letztendlich mein Häkchen dahinter setzen konnte.

Nach Steinach bin ich über meine Jungs, mit denen ich zuvor in Breuningsweiler zusammengespielt habe, gekommen. In den ersten Jahren entwickelte sich eine sehr geile Truppe, die auch sportlich betrachtet Erfolg haben konnte. Das hat sich, seitdem ich beim SSV bin, nicht verändert: Abgänge gab es eigentlich nur, wenn jemand seine Karriere beendet hatte, neue überragende Kicker und Charaktere kamen stetig hinzu.

Der Aufstieg - eine Frage der Zeit

Der Aufstieg in die Kreisliga A war folglich nur eine Frage der Zeit und gelang vor acht Jahren. Wie du gesagt hast, waren einige gute Freunde von dir mit dabei, die im ähnlichen Alter sind wie du. Von diesem „goldenen Jahrgang“ sind mittlerweile nur noch du und SSV-Spielertrainer Jan Demmler übrig. Was verbindet euch beide?

Jan ist ein Jahr, nachdem ich nach Steinach gekommen war, als „Jungspund“ von der TSG Backnang zu uns gewechselt und wurde Spielertrainer. Mit ihm entwickelte sich, wie du es nennst, der „goldene Jahrgang“. Den Meistertitel hatte sich jeder einzelne der Jungs verdient. Eigentlich sollte das Meisterschaftsbild heute noch im Vereinsheim hängen, wurde jedoch abgehängt (verdreht die Augen).

Zwischen Jan und mir hat sich eine echte Freundschaft entwickelt. Mittlerweile sind wir auch familiär verbunden, da er mit der Zwillingsschwester meiner Freundin verheiratet ist.

Doppelaufstieg acht Jahre später

In der letzten Saison ist dir mit dem SSV der zweite Aufstieg geglückt - von der Kreisliga A in die Bezirksliga. Davor hatte es der SSV schon etliche Male versucht. Was denkst du, warum es genau jetzt geklappt hat?

Letztes Jahr hat einfach alles zusammengepasst: Wir haben erfahrene Spieler dazubekommen und unsere jungen Spieler, die vor zwei, drei Jahren aus der BSB-Jugend hochgerückt waren, haben noch mal einen großen Sprung gemacht. Wir haben es endlich geschafft, eine konstante Saison zu spielen.

Neben der ersten Mannschaft ist gleichzeitig auch die zweite Mannschaft aus der Kreisliga B in die Kreisliga A aufgestiegen. Wie war die Meisterfeier nach diesem Doppelaufstieg?

Die Meisterfeier war natürlich überragend, zumal unsere zweite Mannschaft völlig überraschend am letzten Spieltag auch noch die Meisterschaft klar gemacht hatte. Der anschließende Trip auf die Insel hat die Party abgerundet, wobei man in meinem Alter dann irgendwann an seine Grenzen stößt (lacht).

Bezirksliga: „Jeder kann jeden schlagen“

Nach einer schwierigen Phase hat der SSV zuletzt zwei Siege in Folge in der Bezirksliga eingefahren und den Rückstand aufs rettende Ufer verkürzt. Bleibt der SSV auch über die Saison hinaus bezirksklassig?

Ich glaube daran, da die Jungs die Qualität dazu haben. Leider konnten wir diese nicht in allen Spielen in dieser Saison zeigen. Völlig normal aber, dass die Truppe sich erst einmal an die neue Liga gewöhnen muss. Jede Mannschaft in der Bezirksliga hat ihre Qualitäten, das zeigen jede Woche die Ergebnisse, jeder kann jeden schlagen.

Als aktiver Spieler hast du dich in der bisherigen Saison weitestgehend rausgenommen, bist aber trotzdem immer präsent beim SSV. Wann sehen wir dich wieder auf dem Platz?

Momentan ist meine Position im zentralen Mittelfeld relativ dicht und vielseitig besetzt, da gelingt es mir nicht jede Woche einen Kaderplatz von den jungen, abgezockten Spielern zu ergattern. Ich bleibe jedoch dran und versuche mich, durch gute Trainingsleistungen zu empfehlen. Ich bin in Kontakt mit unserem Trainerteam, das meine Verfassung ganz gut einschätzen kann (zwinkert).

Neben dem Versuch einen Kaderplatz zu erlangen, kümmere ich mich noch um die Belange der Mannschaft. Ich denke, wir haben mittlerweile ein super Funktionsteam um die Mannschaft herum aufgebaut und können den Jungs einiges bieten.

Patrick Gölz, Papa auf und neben dem Platz

Ich bin selber Spieler beim SSV und habe das Privileg, mittlerweile schon die vierte Saison mit dir zusammenzuspielen. Nicht nur, weil du der Dienstälteste bist, bist du in der Mannschaft so etwas wie der „Papa“. Würdest du dich auch so bezeichnen?

Nein, so nennen würde ich mich eher nicht. Ich habe aber schon gemerkt, dass ab einem gewissen Alter die jüngeren Spieler öfters auf einen hören, wenn man ihnen einen Ratschlag gibt. Ich versuche einfach, den Jungs gewisse Dinge mitzugeben oder besser gesagt, vorzuleben. Ich hatte früher selber das Glück, mit einigen älteren Haudegen zusammenzuspielen, als ich aus der Jugend kam. Da konnte ich sehr viel mitnehmen, auch neben dem Platz.

Nicht mal die eigene Familie bleibt verschont

Im Rems-Murr-Kreis bist du bekannt dafür, gerne mal deine Gegenspieler gnadenlos abzuräumen - nicht umsonst dein Spitzname „Panzer“. Im Training sieht es nicht anders aus: Dein Schwager, Jochen Schöllig (ehemaliger Spieler und Trainer beim SSV), meinte: „Patti steckt im Training nicht mal zurück, wenn’s gegen die eigene Familie geht.“

(Lacht). Kurios, wie viele Spitznamen ich hier aufgezählt bekomme...Ich bin körperlich ziemlich robust gebaut und konnte mich schon immer ganz gut im Mittelfeld durchsetzen, würde jedoch behaupten, auch am Ball nicht ganz blind zu sein (zwinkert). Zudem bin ich sehr ehrgeizig und möchte kein Trainingsspiel verlieren. Das bekommen meine Mitspieler hin und wieder zu spüren (lacht). Da ich mit Jochen nicht nur in Steinach, sondern auch Nellmersbach zusammengespielt habe, wusste er relativ schnell, damit umzugehen (lacht).

Die "größte Fichte im Gesicht"

Du hast vorhin bereits deine Zeit beim TSV Nellmersbach angesprochen. Jedes Jahr zum Saisonbeginn wird in Nellmersbach der „Ballapokal“ an denjenigen verliehen, der über die komplette Vorsaison gesehen die „größte Fichte im Gesicht“ hatte (also am betrunkensten war). Oliver Redelfs vom TSV Nellmersbach meinte, dass du den auch unbedingt mal gewinnen wolltest, was dir aber nie gelungen ist. Trauerst du dem nach?

Als Junger Spieler damals habe ich natürlich zu meinen Vorbildern aufgeschaut und versucht, jeden Titel mitzunehmen. Jedoch haben sich hierbei jedes Jahr andere in den Vordergrund gedrängt, was aber definitiv eine außerordentliche Leistung erfordert hat. Darum bin ich im Nachhinein auch nicht böse, diesen Titel nicht gewonnen zu haben.

Du bist einer der Rekordspieler der Kreisliga A1 der letzten Jahre (gemessen an den Einsatzminuten). Welche drei Gegenspieler sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Dann war das vielleicht meine Liga (lacht). Das ist relativ schwer, zu sagen, da immer wieder super Kicker, die höher spielen könnten, in der Kreisliga A vertreten waren. Explizit drei Spieler kann ich dir nicht nennen, vor allem würdest du die meisten vermutlich gar nicht mehr kennen...

Musikalische Körperverletzung 

Was hältst du von der modernen Kabinenmusik, die vom deutschen und amerikanischen Hip-Hop dominiert wird? Gefällt sie dir?

Was da teilweise abgespielt wird, grenzt an Körperverletzung. Ich bin aber anpassungsfähig und habe mich auch schon dabei ertappt, das eine oder andere Lied privat aufzulegen (lacht). Hier auch ein großes Lob an unseren Kabinen-DJ Niki, der ab und an auch die Schlager für das ältere Semester mit reinbringt.