Rems-Murr-Sport

Interview mit Patrick Haaf vom TSV Rudersberg

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Patrick Haaf vom TSV Rudersberg © Gisbert Niederführ

Patrick bei „Jetzt mal ehrlich...“ stellt der Interviewte sich selber kurz vor. Was sollten wir über dich wissen?

Mein Name ist Patrick Haaf, ich bin 31 Jahre jung und ledig, werde aber in diesem Jahr noch heiraten. Wohnhaft bin ich in Fellbach-Oeffingen, wobei man als Oeffinger das „Fellbach“ weglässt (lacht). Beruflich bin ich im Vertrieb als Vertriebsleiter tätig und glühender VfB-Anhänger.

Startschwierigkeiten beim TSV nach radikalem Umbruch

Vor der Saison wart ihr für einige Ligakonkurrenten einer der Top-Anwärter auf den Meisterschaftstitel. Nach der Vorrunde standet ihr allerdings nur auf einem ernüchternden achten Platz. Was lief schief?

Vor der Saison wurden wir von außerhalb zu einem der Mitfavoriten ernannt, wir selber hatten das Ziel „Aufstieg“, aber intern gar nicht ausgegeben. Natürlich wollten wir aber oben mit dabei sein. Es waren einige Dinge, die zusammenkamen: Nach der vergangenen Saison fand ein Umbruch statt. Erfahrene Spieler wie Dirk Seifert, Daniel Heck oder Sezgin Cimen hörten aus familiären oder beruflichen Gründen auf. Dirk schoss immer mindestens 25 Tore. Daniel und Sezgin fehlen uns in der Defensive mit ihrer Erfahrung. Unsere jungen Spieler haben sich den Druck gemacht, sofort diese Lücken füllen zu müssen. Die Anspannung, die dann entsteht, lässt sich mit 18, 19 oder 20 Jahren nicht einfach so abschütteln. Alleine das junge Alter lasse ich aber nicht gelten.

Dazu kam, dass nicht alle Neuzugänge so eingeschlagen haben, wie wir das erwartet haben. Außerdem mussten wir auf Spieler verzichten, die sich unnötige Sperren eingehandelt haben. Sicherlich war auch die eine oder andere Fehlentscheidung von mir persönlich mit dabei, da nehme ich mich nicht raus. Die Hinrunde haben wir aufgearbeitet und abgehakt. Unser Blick geht jetzt nach vorne.

Dirk Seifert: die Stürmer-Legende des TSV Rudersberg

Du hast eure TSV-Stürmer-Legende Dirk Seifert [über 100 Tore in den letzten fünf Jahren] angesprochen. Wie schwer wiegt sein Wegfall?

Dirk war jahrelang unsere Lebensversicherung. Neben seinen unzähligen Toren holte er ein bis zwei Freistöße am Sechszehner pro Spiel und circa sieben Elfmeter pro Saison heraus. Das konnte der „alte Hase“ unfassbar gut. Deshalb fehlt so ein Spieler natürlich und ist extrem schwer zu ersetzen.

Wir haben aber mit Fabian Keinath und vielen anderen überragenden Jungs bereits „junge Legenden“ im Team. Sie haben dasselbe Potenzial und können auch Tore wie am Fließband schießen. Was ihnen aktuell dazu noch fehlt, ist die Erfahrung und Reife, die Dirk hatte.

Was ist euer Ziel für die Rückrunde?

Anders als in der Vorsaison, wo wir mitten im Aufstiegsrennen gesteckt sind, können wir jetzt ohne Druck in die Rückrunde starten. Wir wollen zeigen, was wir können. Wenn jeder Spieler voll bei der Sache ist, sind wir schwer zu schlagen. Das hat man beim Rückrundenstart in Kirchberg gesehen, das Remis war schmeichelhaft für Kirchberg [Kirchberg ist aktuell Zweiter in der Kreisliga A2]. Intern haben wir uns ein Punkte-Ziel gesetzt, das wir angreifen wollen.

Im Sommer 2018 bist du beim TSV deine erste Station als Trainer angetreten. Warum gerade in Rudersberg?

Ich wollte bei meiner ersten Trainerstation eine Mannschaft trainieren, der ich völlig unvoreingenommen gegenüber treten kann. Ich fände es schwierig, in einem Verein Trainer zu sein, in dem ich selbst mehrere Jahre gekickt habe. Deshalb bin ich dem TSV sehr dankbar, die Chance bekommen zu haben.

Karriereaus beim AH-Turnier

Warum spielst du eigentlich nicht mehr selber? Immerhin bist du mit 31 Jahren noch im besten Fußballeralter...! Ein erfahrener Abwehrspieler, wie du es bist, würde euch sicherlich zugute stehen.

Das mag sicherlich sein, aber wir haben super Jungs, die alle kicken können. Ich halte nichts davon, zu sagen: „Jetzt spiel ich, ich kann's besser als du. Du bist nur noch Ersatz!“ Das geht zwangsläufig in die Hose. Die Jungs haben sicherlich noch nicht ihr komplettes Potenzial ausgeschöpft, haben deshalb alle Luft nach oben und werden das auch ohne mein Mitwirken zeigen.

Dass ich in der letzten Saison einzelne Einsätze hatte, war einer personellen Notsituation geschuldet. In dieser Saison wird das nicht möglich sein, da ich mir im vergangenen Sommer beim hochklassig besetzten AH-Turnier (zwinkert) in Rommelshausen die Achillessehne gerissen habe - mein erstes und letztes Spiel für die AH... (lacht)

Du hast mehrmals die Vielzahl an jungen Spielern bei euch im Kader angesprochen. Wie versuchst du, sie besser zu machen?

Wir haben eine Top-Jugendarbeit. Unsere A-Jugend spielt in der Bezirksstaffel gegen sehr gute Gegner. Die Jungs, die rauskommen, haben sehr viel Potenzial und sind lernwillig. In erster Linie muss die taktische Ausbildung noch verbessert werden. Das Wichtigste ist aber, dass junge Spieler das Vertrauen vom Trainer und Einsatzzeiten bekommen. Nur dann können sie sich entwickeln. Generell versuche ich Erfahrungswerte aus meiner Zeit mit einzubauen.

"Patrick Haaf on fire": Halbnackt durch Hegnach

Bevor du beim TSV als Trainer angefangen hast, hast du unter anderem beim SV Hegnach aktiv selber gespielt. Was war dein absolutes Highlight in deiner aktiven Laufbahn?

Ganz klar: die beiden Aufstiege mit Hegnach in die Bezirksliga! Die Partys danach waren legendär. Wir rannten halbnackt durch den Ort, sind auf einem Kreisverkehr zum Song „Will Grigg's on fire" eskaliert und machten den ganzen Ort unsicher. Wir hatten beide Male bomben Spieler und waren vor allem immer eins: ein tolles Team! Neben den Aufstiegen ist auch das Bezirkspokalfinale 2015 gegen Oeffingen zu nennen, auch wenn wir mit 0:3 verloren haben. Danach haben wir es sogar bis in die zweite Runde des WFV-Pokals geschafft und sind da nur knapp im Elfmeterschießen ausgeschieden. Definitiv coole und unvergessliche Erlebnisse.

In der Saison 2016/2017 bist du mit dem SV Hegnach aus der Bezirksliga abgestiegen. Wie bitter war dieses Erlebnis? Reichte Alkohol zur Kompensation?

Das Bittere war, dass der Abstieg absolut vermeidbar gewesen ist. Vier Spieltage vor Saisonende haben wir mit 3:2 beim SV Unterweissach gewonnen und sind dadurch eigentlich schon gerettet gewesen. Wir waren uns aber wohl zu früh zu sicher. Im Anschluss haben wir ein sicher geglaubtes Spiel gegen Oberrot zu Hause verloren und nichts mehr gewonnen. Das war enorm bitter. Im ersten Moment war ich innerlich komplett leer, danach aber rampenvoll (lacht). Ein trostloser Augenblick, der im Sport aber dazugehört und dich reifen lässt.

Zwei Spielzeiten später - wenn auch ohne dich - ging es für den SV Hegnach sogar noch eine Liga weiter runter. Was sind deiner Meinung nach die Hauptgründe für den Abwärtstrend des Vereins?

Das zu beurteilen, steht mir als Außenstehender nicht zu. Zumal von unserer damaligen Mannschaft lediglich noch zwei Spieler im aktuellen Kader sind und ich somit den Großteil gar nicht mehr kenne. Fakt ist aber, Hegnach gehört definitiv nicht in die Kreisliga B. Deshalb wünsche ich dem SV Hegnach nur das Beste.

"Der VfB Stuttgart gehört unter die Top 7 in Deutschland"

Von einem krisengebeutelten Verein zum nächsten: Du hast dich als "glühenden VfB-Anhänger" bezeichnet. Wo siehst du deinen Lieblingsverein in fünf Jahren?

Ich würde liebend gerne sagen vor dem FC Bayern (jetzt werden wieder eine Millionen Nachrichten von den ganzen Bayern-Kumpels kommen...) und in der Champions League (lacht).

Der VfB Stuttgart muss aber zumindest der Anspruch haben, in der 1. Bundesliga zu spielen - und dort auch unter den Top fünf bis sieben! Unbestritten ist die wirtschaftliche Kraft in unserer Region. Um dauerhaft Erfolg zu haben, wird jedoch mehr benötigt als nur gute Sponsoren und viel Geld. Wir brauchen ein Management, das es langfristig schafft, Dinge zu entwickeln und gezielt den Nachwuchs zu fördern, um den Verein auch wieder für junge Talente attraktiv zu machen. Wenn dem VfB das gelingen sollte, kann man realistisch sagen, dass er in fünf Jahren nichts mehr mit der 2. Bundesliga zu tun hat, sondern unter den Top sieben der 1. Bundesliga sein wird.

Schade für Mila Kunis...

Eine etwas andere Frage zum Abschluss: Wenn du unter allen Menschen auf der Welt wählen könntest, wen würdest du gerne mal zum Essen einladen?

Da ich bald heiraten werde, sage ich jetzt lieber Roger Federer und nicht Mila Kunis (zwinkert). Federer ist für mich der beeindruckendste Sportler, den es gibt: erfolgreich und bodenständig zugleich. Er hat enorm viel Erfahrung, bringt aber trotzdem noch den sportlichen Ehrgeiz auf, immer alles zu geben, um zu gewinnen. Von solchen Sportlern können wir viel lernen.