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Jürgen Krause verlässt FSG Waiblingen/Korb

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Mit dem SC Korb hatte Jürgen Krause der neugegründeten FSG Waiblingen/Korb (von Links Sinah Hagen, Nicole Roth, Simona Nikolovska) den Aufstieg in die 2. Bundesliga ermöglicht. © Ralph Steinemann

Das mit großer Euphorie gestartete Projekt mit Jürgen Krause und Kerstin Zimmermann als gleichberechtigtem Trainerduo bei den Zweitliga-Handballerinnen der FSG Waiblingen/Korb endet nach nur einer Saison. Aufgrund von Unstimmigkeiten mit der Vereinsführung des federführenden VfL Waiblingen wird sich Krause zum Rundenschluss zurückziehen.

Gerüchte, dass die vor der Saison ausgestrahlte Harmonie beim Aufsteiger verblasst ist, gab es schon länger. Bereits am 8. Januar beispielsweise, sportlich lief beim Team gerade wenig zusammen, war im Internet-Forum „handballecke.de“ zu lesen: „Man munkelt, dass die Hälfte der Mannschaft sich gegen Trainer Krause gestellt hat, weil das Training zu lasch ist.“ Das jedoch bestätigen weder Krause noch der VfL-Vorsitzende Karsten Reichmann und der Sportliche Leiter Nadir Arif.

Bilanz des Trainerteams stimmt

Dass sich Spielerinnen gegen den Trainer ausgesprochen hätten, „ist mir nicht bekannt“, sagt Reichmann. In jeder Mannschaft gebe es selbstverständlich welche, die mit einem Coach nicht zufrieden seien. Doch insgesamt funktioniere das Team der FSG: „Die sportliche Leistung und die Bilanz des Trainerteams stimmen. Wir haben bei weitem nicht erwartet, dass die Mannschaft so gut spielen würde.“

Sieben Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz

In der Tat hat Waiblingen/Korb seine kurze Krise überwunden. Krause verweist darauf, dass es zuletzt drei Siege in Folge gab. Sieben Punkte beträgt der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, allerdings hat der Tabellenvierzehnte BSV Sachsen Zwickau ein Spiel weniger absolviert als die FSG. Nicht vergessen werden darf aber auch, dass sie ohne den Drei-Punkte-Abzug wegen des in drei Partien falschen Spielerpasses von Kyra Teixeira da Silva noch deutlich besser dastünde. Dieser Abzug sei ohnehin nicht gerechtfertigt gewesen, kritisiert Reichmann: „Beim ersten Spiel war er okay, aber beim zweiten hätte dem Verband der Spielerpass sofort auffallen müssen.“ In einem vergleichbaren Fall sei deshalb die Bestrafung für einen Verein nachträglich abgemildert worden.

Neuverpflichtungen: Trainer uneinig mit der Vereinsführung

Mit der Arbeit der Trainer ist der VfL-Vorstand also zufrieden. Warum aber wirft Krause die Brocken trotzdem hin? Reichmann: „Wir haben verschiedene Auffassungen, was die sportlichen Ziele betrifft. Jürgen wollte kurzfristig in die erste Liga aufsteigen.“ Das lässt der Trainer so nicht ganz stehen – „mittelfristig“ sei richtig. „Ein kurzfristiger Aufstieg wäre für den Verein ein Supergau.“ Sein, Krauses, Ziel sei es gewesen, erst in zwei Jahren ins Oberhaus zu klettern. „Wenn man Spielerinnen holen will, muss man ihnen die Perspektive bieten, aufzusteigen.“ Aber: Die Vereinsführung „und ich sind uns nicht einig geworden, welche Spielerinnen neu hinzukommen sollen“. Dabei bestehe Handlungsbedarf, weil Sina Stumpp (Rückraummitte) in der kommenden Saison aufgrund eines Auslandsaufenthalts nicht mehr zur Verfügung stehe und der Vertrag der Außenspielerin Bianca Grigore auslaufe. Krause sagt, er habe sich mit seiner Trainerkollegin Zimmermann vor den Gesprächen mit der Vereinsführung wie gewohnt abgestimmt. „Unserem Team hätte vor allem eine erfahrene Spielerin in der Rückraummitte gutgetan. Doch das wollte der Verein nicht.“

Die Spielberichte der FSG II haben Krause nicht gefallen

Doch es gibt weitere Gründe, warum Krause sein Engagement nach der Saison beenden wird. Offenbar sauer aufgestoßen sind ihm die von Reichmann selbst verfassten Drittliga-Spielberichte der FSG II, die mit zwei Punkten abgeschlagen auf dem vorletzten Platz steht und, sollte es keine Relegation geben, in die Oberliga absteigen wird. „Die Vereinsführung wollte schon, dass wir die zweite Mannschaft mehr mit Spielerinnen unterstützen, das habe ich aus den Artikeln so herausgelesen. Aber wir haben gesagt, dass wir so viele Angeschlagene haben, dass das keinen Sinn macht.“

Vier Wochen lang habe er, Krause, in der Übergangsphase des Trainerwechsels von Nadir Arif zu Rainer Bay parallel auch die FSG II trainiert. „Ich wollte dem Verein helfen.“ Das könne aber mit ein Grund dafür gewesen, dass es in dieser Zeit beim Zweitligateam nicht so gut lief. „Ich konnte mich nicht mehr so konzentrieren.“ Den aus dem Umfeld der FSG I zu hörenden Vorwurf, Krause habe Training und Spieltaktisches insgesamt an sich gerissen und Zimmermann nicht als gleichberechtigte Kollegin eingebunden, weist er zurück: „In der Vorbereitungsphase hatte sich Kerstin ein bisschen arg zurückgenommen, aber das ist schon lange nicht mehr so.“ Dazu sagt Zimmermann: „Ich habe mich während der Vorbereitung nicht bewusst zurückgehalten. Aber weil Jürgen das Spielsystem seiner vorigen Korber Mannschaft zu 90 Prozent weiterführen wollte, konnte ich mich in dieser Phase nicht so einbringen.“

Krause sieht mangelnde Kommunikation als Hauptproblem

Das Hauptproblem bei der FSG war aus Krauses Sicht die mangelnde Kommunikation mit der Vereinsführung. Das sei aber nicht als Vorwurf zu verstehen. Denn seit dem Brand in der Waiblinger Zentralklinik am 8. April 2017 seien Dr. Karsten Reichmann als einer von drei Geschäftsführer und dazu noch Arzt sowie der ebenfalls in der Klinik beschäftigte Arif eben sehr eingespannt. Dafür könne niemand was.

Leicht falle ihm die Entscheidung, nach der Saison aufzuhören, nicht, sagt Krause. Immerhin hatte er den SC Korb von der Oberliga zum Meistertitel in der 3. Liga Süd geführt und so den Aufstieg der FSG ermöglicht. Andererseits „habe ich vier Jahre lang durchtrainiert, eine schöpferische Pause ist da nicht so schlecht“. In der kommenden Saison will Krause aussetzen.

In welcher Funktion Zimmermann bleibt, ist unklar

Zunächst gilt es aber noch für ihn und Zimmermann, mit dem Zweitligisten den Klassenverbleib zu sichern. Derweil macht sich der VfL-Vorstand Gedanken, wie es im Trainerbereich weitergehen soll. „Wir haben alle Zeit der Welt“, betont Reichmann. Merkwürdig mutet trotzdem an, dass Kertin Zimmermann sagt: „Mit mir ist noch nicht geredet worden.“ Das bestätigt auch der Vorstand: Die Zeit habe dafür noch nicht gereicht. Immerhin unterstreicht Reichmann: „Kerstin Zimmermann hat einen Zwei-Jahres-Vertrag. Sie bleibt.“ Doch in welcher Funktion? Unklar.


Frauenspielgemeinschaft wird aufgelöst

Wie geplant wird nach der Saison die FSG Waiblingen/Korb aufgelöst. Der VfL Waiblingen übernimmt dann die Lizenzen der ersten (voraussichtlich weiterhin in der 2. Liga) und zweiten Mannschaft (voraussichtlich Absteiger in die Baden-Württemberg-Oberliga). Aus der FSG IV, derzeit Zweiter in der Kreisliga A, wird der VfL Waiblingen III. Der SC Korb tritt aller Voraussicht nach als Aufsteiger mit der derzeitigen FSG III in der Bezirksliga an.

Die Zusammenarbeit mit Korb war gut“, betont der Sportliche Leiter des VfL Waiblingen (FSG) Nadir Arif. Drei Heimspiele hat der Zweitligist in der Korber Ballspielhalle ausgetragen, ein viertes wird mit der Partie gegen den Tabellenführer HL Buchholz-Rosengarten am Sonntag, 25. Februar (15 Uhr), noch dazukommen. Gerne hätten die Verantwortlichen während der Sanierung der Waiblinger Rundsporthalle noch mehr Spiele in Korb veranstaltet. Das sei aber terminlich nicht möglich gewesen.

Arif und der VfL-Vorsitzende Karsten Reichmann hoffen, dass die Arbeiten in der Rundsporthalle Ende März endlich abgeschlossen sein werden. Dann könnte die FSG ihre letzten vier Heimspiele dort austragen statt in der Staufer-Halle.

Seit kurzem wird Arif bei der sportlichen Leitung der FSG von Peter Müller unterstützt. Zu früheren Bundesligazeiten war er für die Handballerinnen des Großvereins VfL zuständig gewesen. Einige Jahre später spaltete sich die Abteilung ab und gründete den Verein VfL Waiblingen Handball.