Rems-Murr-Sport

Jedermannturnen: Training für Muskeln und graue Zellen

bb40c60c-4d1f-4601-81ef-4491fd177cd2.jpg_0
Ein bisschen Gehirntraining gehört bei den Alfdorfer Jedermannturnern immer dazu. Gar nicht so leicht, jedes Mal den richtigen Stab zu erwischen. © Ralph Steinemann

Sie sind zwar zwischen 50 und 67 Jahren alt, Seniorenturner aber wollen sie nicht genannt werden. „Jedermann-Sportgruppe Best Ager 50 +“ heißt das Angebot der Alfdorfer Turner. Klingt fast schon wieder sexy. Hauptziel an jedem Freitagabend ist nicht das schweißnasse T-Shirt. „Hauptsache, es macht Spaß“, sagt Übungsleiter Gerhard Nothdurft.

Den haben die meisten der zehn bis 15 Männer der Stammbesetzung nun bereits seit 25 Jahren. Der Spaß ist derselbe, Ablauf und Art der Übungen sind es jedoch nicht. „Das hat sich total verändert“, sagt Nothdurft. „Früher ist man in die Halle gekommen, hat Fußball gespielt, dann noch ein bisschen Gymnastik und am Schluss Volleyball.“ Das mit dem Fußball funktioniere jedoch nicht mehr ganz so gut, „wenn man mal an die 60 rankommt“. Fußball gibt’s jetzt nur noch im Fernsehen.

Verändert hätten sich aber auch die Trainingsformen generell. „Früher hat man Hauruck-Gymnastik gemacht, heute macht man das sanfter.“ Nothdurft muss es wissen. Er besitzt die Übungsleiter-Lizenz C + 50, altersgerechtes Turnen.

Gehirntraining, die "Lieblingsübung"

Noch etwas ist neu. „Der Übungsleiter hat erkannt, dass wir stark demenzgefährdet sind“, witzelt Herbert Mattheis, Turnabteilungsleiter beim TSV und ebenfalls von Anfang an dabei. Er spielt auf etwas an, das Nothdurft von seinen Lehrgängen mitgebracht hat: Gehirntraining.

Kaum steht das Wort im Raum, kommt von irgendwoher der Kommentar: „Unsere Lieblingsübung.“ Und schnell erweist sich, warum das so ist.

Zirkeltraining oder: Body-Work-out

Drei bunte Bälle sind im Spiel. Jedem ist eine andere Art des Zuspiels zugeordnet (Werfen, Rollen, Prellen) und das auch noch zu einem jeweils anderen, allerdings fest zugeteilten Partner. Da schwirrt einem der Kopf. Von wem bekomme ich den grünen Ball, an wen muss ich den weiterleiten, und auf welche Weise? Wo ist nur mein Vordermann? Ach da, das muss er sein. Jetzt hat er den grünen Ball, warum prellt er mir den nicht zu? Oder ist der für den gelben Ball zuständig?

Und so geht’s durcheinander, bis Nothdurft irgendwann ruft: „Ich hab jetzt seit zwei Minuten keinen Ball mehr gekriegt, das kann nicht sein.“ Abbruch! Start des Krafttrainings. Zirkeltraining (Body-Work-out heißt die Sexy-Variante auf der Homepage des TSV).

Krafttraining mit Suzi Quatro

Sieben Stationen hat Nothdurft aufgebaut. Mit einfachen Mitteln (kleine Medizinbälle, Kurzhanteln, Kästen, Langbänke) werden die verschiedensten Muskeln trainiert. Jeweils 30 Sekunden lang, während Suzi Quatro „Can the can“ schmettert. „Wenn’s anstrengend ist, sieht man’s an der Platte“, kommentiert Herbert Mattheis. Gemeint ist die bei Belastung stark durchblutete freie Fläche dort, wo eigentlich das Haupthaar der Kollegen sein sollte.

Danach sind wieder die grauen Zellen an der Reihe. Die Truppe stellt sich im Kreis auf. Jeder hält einen Stab fest. Je nach Signal muss der Stab losgelassen und blitzschnell der des Partners links oder rechts gefasst werden. Das Signal lautet jedoch nicht links oder rechts, sondern beispielsweise drei oder acht. Wobei die ungerade Zahl links meint, die gerade rechts. Los geht’s. Gespannte Stille, Konzentration und dann: Ganz schön laut, wenn viele Holzstäbe auf einen Holzboden donnern.

Komplizierte Denkaufgaben klappen nicht immer

Aller Anfang ist schwer. Das wird bestimmt gleich besser, oder? Nächster Durchgang und – die Halle hat aber auch eine schlechte Akustik.

Nothdurft ändert die Regeln. Keine Zahlen mehr. Das Signal lautet nun eindeutig: links oder rechts. Jedoch mit der kleinen Gemeinheit, dass jeweils genau das Gegenteil gemeint ist. Das funktioniert zwar besser, Nothdurft aber ist trotzdem nicht zufrieden. „Das lassen wir besser weg im Bericht.“

In der dritten Halbzeit besonders stark

Viel besser läuft Durchgang zwei im Zirkeltraining. Jetzt im 45-Sekunden-Intervall, begleitet von den „Sultans of swing“ von den Dire Straits. Dann ist Schluss. Noch mehr Gehirntraining will Gerhard Nothdurft den Männern offenbar nicht zumuten. Obwohl der Spaßfaktor selbst im Misserfolg hoch ist.

Aufstellen zum Volleyball. Das flutscht gleich viel besser. Drei Durchgänge werden gespielt, dann sind die 90 Minuten vorbei.

Und wer jetzt noch nicht genügend Spaß hat, muss nicht verzweifeln. „Jetzt beginnt die dritte Halbzeit“, sagt Nothdurft. „Da sind wir besonders stark.“

Kein Wunder: bei 25 Jahren Erfahrung.