Fußball in Rems-Murr

Jetzt mal ehrlich ... Interview mit Luca Kerner, Spielertrainer beim TSV Miedelsbach II

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Elfmetertöter: Luca Kerner. © TSV Miedeslbach

Luca, bei „Jetzt mal ehrlich...“ stellt der Interviewte sich selbst kurz vor. Was sollten wir über dich wissen?

 Ich heiße Luca Kerner, bin 22 Jahre alt und kicke seit 16 Jahren bei meinem Heimatverein, dem TSV Miedelsbach. Zusätzlich zu meiner Rolle als Torspieler bin ich seit dieser Saison auch noch Spielertrainer der „Zwoida“. Was man auch noch wissen sollte: Ich bin die einzige Person beim TSV, die kein Kristallweizen trinkt...

 16 Jahre beim gleichen Verein zu spielen, ist heutzutage aber nicht mehr üblich.

 Das Wichtigste ist für mich, einen geilen, eingeschworenen Haufen um mich herum zu haben. Genau diese Truppe habe ich in meinem Heimatort.

 Die Interviewanfrage für „Jetzt mal ehrlich" stellten wir, weil du uns beim Elfmeter-Turnier des SSV-Steinach (Juli 2020) aufgrund überragender Paraden aufgefallen bist. Zum Turniersieg hat's trotzdem nicht gereicht. Was war los?

 Am Ende fragt man sich immer, woran es gelegen hat. Durch die vier gehaltenen Elfmeter im  Halbfinale hätte ich die Schuld weitestgehend von mir weisen können, hätte ich nicht gleichzeitig selbst zwei verschossen (seufzt). Ein weiteres Manko war meine Kaderplanung mit zwei Leihspielern aus Haubersbronn...

 Elfmeter-Turniere: Action, lustige Gespräche und Hopfenkaltschale

 Es schien mir, als wäre das nicht dein erstes Elferturnier gewesen. Was gefällt dir an diesem Format?

 Die richtige Mischung aus Action, viele lustige Gespräche und die ein oder andere Hopfenkaltschale. Besonders Blut geleckt haben meine Truppe und ich nach unserem Sieg 2018 beim damaligen Turnier des SSV Steinach.

 Du hast an diesem Abend einige Elfmeter gehalten. Verrate uns Schützen doch bitte: Was ist dein Geheimrezept?

 Als Torspieler versuche ich, durch verwirrende Aktionen oder bewusst falsches Stellungsspiel den Schützen aus seiner Konzentration zu bringen beziehungsweise ihn zu verlocken, in eine bestimmte Ecke zu schießen. Wenn ich selbst schieße, agiere ich getreu dem Prinzip „Augen zu und durch“.

 Nach langer Pause rollt der Ball endlich wieder in den Rems-Murr-Ligen. Wie verlief die Saisonvorbereitung in Zeiten mit Corona?

 Der größte Einschnitt war die fehlende „Hocketse" nach dem Training. Ebenso musste das obligatorische „Saisonopening" leider erstmal verschoben werden.

Ansonsten verlief die Vorbereitung eigentlich wie gewohnt. Wobei hier erwähnt werden muss, dass mein Torspielertrainer sich nach zwei Wochen in den Urlaub verkrümelt hat. Dadurch wurde die Vorbereitung ungewohnt läuferisch.

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Mag kein Kristallweizen: Luca Kerner. © TSV Miedeslbach

 
Trainer mit erst 22 Jahren! 

 Wie du bereits erwähnt hast, trainierst du seit dieser Saison die zweite Mannschaft des TSV Miedelsbach. Wie kam es dazu?

 Kevin [Anm. d. Red.: Kevin Schwarz, Abteilungsleitung TSV Miedelsbach] fragte mich bereits vor geraumer Zeit, ob ich mir vorstellen kann, in dieser Hinsicht Verantwortung zu übernehmen. Da ich mich gerne auf neue Herausforderungen einlasse, hat sich nach anfänglicher Skepsis schnell Vorfreude entwickelt.

 Mit erst 22 Jahren bist du ein sehr junger Trainer. Wie sorgst du dafür, dass deine Spieler dich trotz deines jungen Alters respektieren?

 Selbstverständlich beschäftigte mich die Altersfrage anfänglich. Aufgrund meines lauten Organs sind es die Jungs vor mir aber bereits gewohnt, von mir gepusht zu werden. Zudem merken alle, auch die älteren Spieler, dass ich mit Herzblut diese Aufgabe angehe, und daher habe ich das Gefühl, direkt respektiert worden zu sein... Womöglich lag es aber auch an meiner Bestechung: Zum ersten gemeinsamen Training habe ich direkt eine Kiste Bier gesponsert, denn bekanntlich zählt ja der erste Eindruck (zwinkert).

 Von Spielgemeinschaften & Duellen mit der Nachbarschaft

 Neben deinen Jungs zählen auch noch Spieler des eigentlichen Konkurrenten TSG Buhlbronn zu deiner Mannschaft. Wie kam es dazu, dass ihr für die zweite Mannschaft eine Spielgemeinschaft mit der TSG Buhlbronn gebildet habt? Geographisch betrachtet, hätten ja genauso gut Schlechtbach oder Haubersbronn in Frage kommen können?

 Da wir in der Jugend eine Spielgemeinschaft mit dem TSV Haubersbronn und früher auch mit der TSG Buhlbronn haben beziehungsweise hatten, war es naheliegend bei diesen Vereinen anzufragen. Haubersbronn hatte kein Interesse, mit der TSG war man sich schnell einig. Nach dem ersten gemeinsamen Training stand für mich fest: Das passt!

 In der Liga trefft ihr auf die Vereine eben dieser Nachbardörfer (TSV) Haubersbronn und (TSV) Schlechtbach. Kracht es da?

 Wir Spieler kennen uns untereinander, haben ein gutes Verhältnis und sitzen nach den Spielen immer gemeinsam zusammen. Während den 90 Minuten davor vergessen wir die Freundschaft und gehen gerne auch mal etwas härter zur Sache.

Ein Highlight war das letztjährige gewonnene Haubersbronn-Derby mit der anschließenden legendären „Oldie Night" in Miedelsbach. Dort wurde das Ergebnis in regelmäßigen Abständen vom DJ durchgesagt. Ich hoffe, die anwesenden Verlierer aus Haubersbronn hatten trotzdem noch etwas Spaß (zwinkert).

 Profi-Fußball nach Corona: „Emotionen fehlen"

 Du bist eingefleischter Bayern-Fan und hattest daher in den letzten Tagen viel Grund zu jubeln. Aber mal ehrlich, ein „Triple“ unter diesen Umständen ist doch nicht das Gleiche?

 Ich gebe dir recht: Das Champions-League-Finale war für mich vermutlich das irrelevanteste Finale meines Fußballerlebens - naja, abgesehen vom Audi-Cup... Vielleicht lag es auch daran, dass ich die Kreisliga sehnlicher vermisst habe als den abgehobenen Profisport.

 Dann hast du sicherlich auch eine klare Meinung zu Profi-Spielen vor leeren Rängen?

 Seit dem „Restart“ habe ich nicht viele Spiele verfolgt, da mir persönlich viele Emotionen fehlen. Wirtschaftlich war es sicherlich notwendig, die Spiele zu absolvieren, allerdings ist es ein schmaler Grat, wenn es um öffentliche Akzeptanz geht. Wie schnell es in die falsche Richtung gehen kann, sieht man auch an der unsäglichen Einführung der „Nations League“...