Rems-Murr-Sport

Keine Schiedsrichter – keine Spiele

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Schiedsrichter stehen im Mittelpunkt und zuweilen auch im Regen wie hier Michael Karle. Ohne sie aber ist Fußball nicht möglich. © Steinemann / ZVW

Ohne Schiedsrichter geht es nicht. Ein uralter Spruch, über den sich allerdings niemand Gedanken macht. Wenn zwei Teams gegeneinander kicken wollen, dann steht ein Schiedsrichter wie selbstverständlich auf dem Platz. Aber wie lange noch? Die Lage ist, so Schiedsrichter-Obmann Markus Seidl, „erschreckend“. Womöglich wird der alte Spruch bald bittere Realität. Kein Schiri – kein Spiel.

130 Schiedsrichter hat die Gruppe Waiblingen. Auf dem Papier. „Trotzdem können Jugendspiele oder Spiele der Aktiven oft nicht besetzt werden“, sagt Markus Seidl, Obmann der Schiedsrichtergruppe Waiblingen und auch für die Schiris im ganzen Bezirk zuständig.

"Ohne diese Mehrfachbesetzung müssten noch mehr Spiele ausfallen"

Rund 20 Schiedsrichter seiner Gruppe haben allein in dieser Saison schon über 50 Spiele gepfiffen. Da kommt es vor, dass ein Schiedsrichter samstags zwei, drei Spiele der Jugend leitet, sonntags ein B-Juniorenspiel und danach noch das Aktivenspiel. Mehrere Spiele an einem Wochenende! Für einen Kicker ein Unding, bei den Schiedsrichtern mittlerweile aber notwendig. Helmut Koslowski, in Waiblingen für die Besetzung der Jugendspiele zuständig: „Ohne diese Mehrfachbesetzung müssten noch mehr Spiele ausfallen.“

Aber warum fehlen so viele Schiedsrichter? Für Markus Seidl liegt das vor allem an den Vereinen. „Ich habe vor Wochen alle Vereine angeschrieben und um Mithilfe gebeten, Freiwillige in den Vereinen zu suchen, die einen Neulingskurs besuchen.“ Mitgeschickt hatte er einen Flyer. Das Resultat: „Mir ist nicht bekannt, dass irgendwo ein Flyer aufgehängt wurde“, sagt Seidl. Bei ihm gemeldet hat sich ebenfalls niemand.

Immer weniger Schiedsrichter, immer mehr Spielausfälle

Im vergangenen Jahr war es ähnlich gewesen: 17 Interessenten hatten sich für den Kurs angemeldet, darunter fünf, die ihn lediglich für ihre Trainerausbildung brauchten, und sieben aus anderen Gruppen. Fünf Teilnehmer blieben letztlich für die Gruppe Waiblingen übrig.

Die Konsequenz daraus könnte sein: immer weniger Schiedsrichter, immer mehr Spielausfälle. Schiris zu stellen, so Seidl, liege also im ureigensten Interesse der Vereine. Und wer Schiedsrichter werde, finde sich nicht nur in einer Funktion wieder, die meist ohne Lob auskommen, dafür aber Kritik ertragen muss, sondern habe auch Vorteile.

Wer Schiedsrichter wird, profitiert davon

Seidl: „Jeder ausgebildete Schiedsrichter hat freien Eintritt in alle Stadien, auch in der Fußball-Bundesliga.“ Die Arbeit als Schiedsrichter ist zudem eine Schulung der Persönlichkeit, für die andernorts viel Geld ausgegeben wird. Wer auf dem Sportplatz in Sekundenschnelle Entscheidungen treffen und die auch gegen Widerstände vertreten muss, der kann das ins normale Leben übertragen. Gerade für junge Menschen ist dies wertvoll, hilft im Berufsleben und eröffnet zusätzliche Karrieremöglichkeiten.

Die Gruppe Waiblingen kümmert sich gerade um die Jungschiedsrichter intensiv. „Wir bieten eine Neulingsbetreuung, sogenannte Patenschaften, an, und zwar so lange, wie diese gebraucht werden,“ sagt Seidl. Zur Fort- und Weiterbildung gibt es Lehrgänge und Kurse, die Gruppe hat mit Giuseppe Iorfida (Trainer des SV Unterweissach) einen eigenen Fitnesstrainer.

Jeder Verein ist verpflichtet, Schiedsrichter zu melden

Mitglieder der Gruppe Waiblingen können lernen von Fifa-Schiedsrichter Marco Fritz, Robert Kampka (Bundesliga), Timo Lämmle (Regionalliga), Marc-Philipp Eckermann (Oberliga) sowie Dennis Bauer und Markus Seidl (jeweils Verbandsliga). Und schließlich kommt auch der gesellige Teil nicht zu kurz: Es gibt Wasenbesuche, Familienfeste und Ausflüge zum Skifahren.

Die Vereine profitieren davon ebenfalls. Denn jeder Verein ist verpflichtet, Schiedsrichter zu melden. Ansonsten drohen Strafen. Die können vermieden werden, oder der Betrag wird sogar zur Schiedsrichterförderung eingesetzt. Es gebe Vereine, berichtet Seidl, „die den Freiwilligen die nicht zu zahlende Strafe ausbezahlen“. Auf diese Weise profitieren Verein und Schiedsrichter. Viel wichtiger jedoch: Von jedem zusätzlichen Schiedsrichter profitiert der Fußball. Denn immer noch gilt: Ohne Schiedsrichter geht es nicht.

Neulingskurs

  • Der nächste Neulingskurs der Schiedsrichtergruppe Waiblingen beginnt am Dienstag, 22. November, um 18.30 Uhr bei der Spvgg Rommelshausen. Acht Abende dauert der Kurs und dauert jeweils zweieinhalb Stunden.
  • Anmeldungen über die Homepage der Gruppe www.srg-waiblingen.de