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Kenzel nach EM-Bronze: „Total happy!“

European Athletics U23 Championships; Bydgoszcz, 15.07.2017
Mit geballter Faust feierte Alina Kenzel ihre Bronzemedaille bei der U-23-EM in Polen. © Kohring/Eibner

Fachabitur, Knieprobleme – in dieser Saison kam bei der Kugelstoßerin Alina Kenzel einiges zusammen. Es gab leichte Enttäuschungen, doch beim Höhepunkt, der EM der U 23 in Bydgoszcz, war die Athletin des VfL Waiblingen zur Stelle. Mit der Bronzemedaille beschenkte sie sich selbst, die Freude ist riesengroß: „Ich bin total happy!“

Andere wären mit einer solchen Saison – Bronze bei der DM der Aktiven, Silber bei der DM der U 23 – schon hochzufrieden. Kenzel aber verfügt über ein derart hohes Leistungsvermögen, dass sie sich über die für sie geringen Weiten bei diesen Meisterschaften geärgert hat. „Die Saison war durchwachsen. Ich hatte insgesamt ein stabiles Niveau, aber es waren keine Ausreißer nach oben dabei.“ Umso größer war die Erleichterung nach der U-23-Europameisterschaft am Wochenende.

Gute Erinnerungen als Ansporn

Mit der fünftbesten Weite war die Waiblingerin nach Polen gereist und hatte allenfalls leise auf eine Medaille gehofft. Zudem plagt sich Kenzel seit längerem mit Problemen an der Patellasehne herum. Doch das Stadion in Bydgoszcz liegt der Athletin: Im vergangenen Jahr war sie am selben Ort Weltmeisterin bei der U 20 geworden. „Ich hatte einfach gute Erinnerungen, als ich wieder da hinkam.“ Zudem weiß Kenzel, dass in einem Wettkampf alles passieren kann und nicht jeder immer seine Bestleistung abrufen kann.

Starker Auftritt war eine Willensleistung

Genauso kam’s. Zwar stieß Europameisterin Fanny Roos gigantische 18,14 Meter, und die Polin Klaudia Kardascz zog im letzten Versuch mit ihren 17,67 Metern noch an der Waiblingerin vorbei. Doch auch deren Weite konnte sich sehen lassen. Mit 17,46 Metern war sie nicht sehr weit von ihrer Bestmarke von 17,61 Metern entfernt. Das Glück hatte Kenzel auch noch auf ihrer Seite. Mit dem hauchdünnen Vorsprung von einem Zentimeter verwies sie die Türkin Emel Dereli auf Rang vier. „Da kann ich nicht meckern“, sagt Kenzel lachend. Im Vorfeld habe sich die physiotherapeutische Abteilung des DLV-Nationalteams um ihr Knie gekümmert, im Wettkampf sei sie schmerzfrei gewesen. Der starke Auftritt bei der EM sei aber vor allem eine Willensleistung gewesen.

Mündliche Prüfung eine Woche vor der DM

Kenzels Erfolge sind noch höher einzuschätzen, wenn man weiß, dass sie in dieser Saison viel Zeit für ihr Fachabitur investieren musste. „Das habe ich vielleicht ein bisschen unterschätzt.“ In der Woche vor der DM der Frauen war die VfL-Kugelstoßerin zur mündlichen Prüfung angetreten. Wohl auch ein Grund für die für Kenzel eher bescheidenen 16,76 Meter im Wettkampf. Dennoch ist die Bronzemedaille als großer Erfolg zu werten, war es doch das erste DM-Edelmetall für die Waiblingerin in einer Freiluftsaison bei den Aktiven.

Die U-23-EM in Polen war das i-Tüpfelchen, der Wettkampf für Alina Kenzel Saisonhöhe- und -endpunkt zugleich. „Jetzt mach’ ich erst mal zwei, drei Wochen Pause.“ Es gilt, die Knieverletzung auszukurieren. Im Rückblick zieht die Athletin doch ein positives Saisonfazit: „Ich bin megaglücklich, dass ich alles gemeistert habe.“ Auch das Fachabitur – das Abschlusszeugnis kam am Dienstag mit der Post.