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Kenzel vom VfL Waiblingen: Eine der besten Kugelstoßerinnen Deutschlands

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Bronze im Kugelstoßen bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt: Alina Kenzel. © Iris Hensel

Mit erst 19 Jahren gehört Alina Kenzel vom VfL Waiblingen zu den besten Kugelstoßerinnen Deutschlands. Nach der Sommersaison mit dem Weltmeistertitel bei der U 20 gelang der Athletin des VfL Waiblingen jetzt auch eine überragende Hallensaison: Silber bei der Frauen-DM, Teilnahme an der EM und am Europa-Cup der Aktiven – und eine persönliche Bestleistung.

Video: Kugelstoßerin Alina Kenzel vom VfL Waiblingen, U20-Weltmeisterin von 2016, lässt ihre herausragende Wintersaison Revue passieren.

Umso erstaunlicher sind die Leistungen von Kenzel, wenn man bedenkt, dass sie sich derzeit vor allem auf die Schule konzentriert. Im Mai und Juni stehen auf dem Weg zum Fachabitur insgesamt fünf schriftliche Prüfungen an, zusätzlich gilt es, eine Projektarbeit zu bewältigen. Ohne Unterstützung von Freunden, Familie, Trainern, Sportverbänden und Schule wäre eine solche Wintersaison nicht möglich gewesen, betont Kenzel.

Ziel: 17-Meter-Marke in der Halle knacken

Ihr Ziel sei es zunächst vor allem gewesen, die 17-Meter-Marke in der Halle zu knacken. „Mein Trainer [Peter Salzer] und ich haben es locker angehen lassen. Wir haben mehr Athletiktraining eingebaut und versucht, meine Schnelligkeit zu verbessern. Das hat besser geklappt als gedacht.“ Beim letzten Satz muss Kenzel fast selber lachen.

In Rochlitz persönliche Bestleistung aufgestellt

Bereits im ersten Wettkampf stieß die Kugelstoßerin 17,25 Meter weit, auch in den folgenden schaffte sie regelmäßig Serien über 17 Meter. Und beim Meeting in Rochlitz stellte sie mit famosen 17,68 Metern eine persönliche Bestleistung auf, die sogar ihre Freiluftbestmarke von 17,58 Metern deutlich übertraf.

Süddeutsche und Baden-Württembergische Hallenmeisterin 

Zwei Titel bei den Aktiven gab’s auch, Kenzel wurde Süddeutsche und Baden-Württembergische Hallenmeisterin. Bei den deutschen Titelkämpfen der Frauen in Leipzig schließlich holte die Athletin des VfL Waiblingen hinter Weltmeisterin Christina Schwanitz mit 17,21 Metern die Silbermedaille.

Unverhoffte EM-Nominierung für Kenzel

Eigentlich hätte die DM der Saisonhöhepunkt sein, die Prüfungsvorbereitungen in den Mittelpunkt rücken sollen. Doch es kam anders. „Bundestrainer Sven Lang hat mich für die Hallen-EM vorgeschlagen, obwohl mir mit meinen 17,68 Metern zwei Zentimeter zur Norm fehlten.“ Dabei profitierte Kenzel auch von der schwangerschaftsbedingten Absage von Schwanitz für die Meisterschaften in Belgrad. Die Freude über die unverhoffte EM-Nominierung war riesengroß: „Das kann man gar nicht beschreiben. Man rechnet nicht mit so was, weil man ja noch so jung ist.“

„Aber ich hatte einen gewissen Respekt davor und war schon nervös.“

Zwar habe sie in Belgrad versucht, ruhig an die Aufgabe heranzugehen. „Aber ich hatte einen gewissen Respekt davor und war schon nervös.“ Wohl deshalb gelangen Kenzel nur 16,97 Meter, sie verpasste das Finale und belegte Rang 14. „Das hat mich schon geärgert, man will immer an seine Bestleistung herankommen. Mit 17,62 Meter hätte ich das Finale erreicht.“

"Ich sehe es als Erfahrung"

Andererseits sei das Niveau bei der EM auch so hoch gewesen wie seit Jahren nicht mehr. „Ich sehe es als Erfahrung. Der Wettkampf hat super viel Spaß gemacht, und es wird hoffentlich nicht meine letzte Chance gewesen sein.“ Angesichts dieser Überlegungen sei der Ärger über die eigene Leistung schnell verflogen.

Beim Weltcup auf Gran Canaria war Kenzel etwas „platt“

Zumal noch ein letztes Saison-Highlight für Alina Kenzel folgte: Am vergangenen Wochenende startete sie mit dem deutschen Nationalteam beim Europa-Cup im Winterwurf auf Gran Canaria (Las Palmas). Wegen des Ausfalls von Schwanitz setzte der DLV die junge Athletin nicht bei der U 23, sondern bei den Frauen ein. In der Einzelwertung wurde sie mit exakt 17 Metern Siebte, die deutsche Mannschaft belegte hinter Frankreich Rang zwei, Dritter wurde das Team aus der Ukraine. Kenzel sagt, sie sei nach der langen Saison etwas platt, eine größere Weite deshalb nicht möglich gewesen. „Aber der Wettkampf war saucool, und viel entspannter als normalerweise, weil ja nur Werfer da waren.“

Vom Wettkampf zurück in die Schule 

Schnell jedoch holte der Alltag Alina Kenzel wieder ein. Extra für sie hatte der DLV einen Rückflug noch am Sonntag gebucht. Abends kam sie nach Hause, um am nächsten Morgen um 8 Uhr schon wieder in der Schule zu sitzen. Die jeweils vier Stunden langen Flüge hatte die 19-Jährige zum Büffeln genutzt.

Auch in der Schule so erfolgreich sein wie beim Sport 

So erfolgreich sie war, Kenzel freut sich, dass die Saison jetzt zu Ende ist. Das Trainingslager für die Sommersaison beginnt Anfang April im Bundesleistungszentrum in Kienbaum (Brandenburg). Die nächsten sportlichen Ziele sind bereits gesteckt worden, bis dahin will Kenzel auch auf anderem Gebiet weiter erfolgreich sein: in der Schule.

Ihre nächsten sportlichen Ziele:

In der Freiluftsaison will Alina Kenzel ihrer Erfolgsgeschichte fortsetzen.

Vom 13. bis 16. Juli findet in Bydgoszcz/Polen die U-23-EM statt. 2016 wurde Kenzel am selben Ort U-20-Weltmeisterin.

Eine vordere Platzierung strebt die Kugelstoßerin auch bei der U-23-DM an (17./18. Juni in Leverkusen). Vielleicht schafft sie es aber auch, für die DM der Frauen (8./9. Juli in Erfurt) nominiert zu werden.