Rems-Murr-Sport

Kilian Müller will in die Bundesliga

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Kilian Müller bereinigt die Situation, hier im Spiel gegen den FSV Zwickau. Der Winterbacher verfolgt in der U-19-Regionalligamannschaft des FC Erzgebirge Aue sein Ziel, Fußballprofi zu werden. © FSV Zwickau

Wer es im Rems-Murr-Kreis zum Fußballprofi bringen möchte, versucht in der Regel, einen Platz beim VfB Stuttgart zu ergattern. Kilian Müller aus Winterbach dagegen verfolgt einen anderen Weg: Seit einem halben Jahr spielt er in Sachsen beim FC Erzgebirge Aue.

Das liegt nicht gerade vor der Haustür. Immerhin liegen rund 400 Kilometer zwischen Heimatort und dem neuen Lebensmittelpunkt. Außerdem spielt Aue nur in der 3. Liga; allerdings mit deutlicher Tendenz zum direkten Wiederaufstieg in Liga zwei. Kilian Müller jedoch ist den Weg bewusst gegangen: „Die Chancen, bei einem Erstligisten in die erste Mannschaft zu kommen, stehen viel schlechter.“ Er mache lieber zunächst einen kleineren Schritt, danach kann es immer noch weiter nach oben gehen. Deshalb spielt er nun in der U-19-Regionalligaelf des FC mit dem klaren Ziel, Fußballprofi zu werden.

Die Eltern unterstützen ihn dabei. Mutter Susanne: „Wenn das sein Wunsch ist, soll er’s probieren.“ Außerdem: „Er macht ja nebenher auch noch sein Abitur.“

Der Winterbacher besucht in Chemnitz (30 Kilometer von Aue entfernt) das Sportgymnasium. Den täglichen Transport übernimmt der Verein. Das Lernen, so Kilian Müller, falle ihm nicht schwer. Was womöglich daran liegt, dass er die elfte Klasse wiederholt, wiederholen muss. Das Schulgesetz in Sachsen schreibt vor: Wer Abitur in einer sächsischen Schule machen will, muss hier zwingend die Klassen elf und zwölf besuchen.

Der Kultusminister lässt sich nicht erweichen

Die Verantwortlichen in Aue hatten versucht, dem Neuzugang die Wiederholung zu ersparen. Susanne Müller: „Die sind bis zum Kultusminister gegangen.“ Letztlich aber ohne Erfolg. Dieser Einsatz jedoch und dass beim FC Erzgebirge generell intensiv auf die Ausbildung neben dem Fußball geachtet wird, haben Kilians Eltern überzeugt. Susanne Müller: „Wenn einer nicht in die Schule geht, erfährt das der Trainer sofort.“ Und der ziehe Konsequenzen. Kilian hat es bereits erlebt, dass Teamkollegen deshalb nur auf der Bank saßen.

Er selbst wiederum sitzt dort nur, wenn er gesperrt oder verletzt ist. Obwohl er zum jüngeren Jahrgang zählt, hat er seinen Stammplatz in der U-19-Regionalligaelf von Aue sicher; in der Innenverteidigung. Beim FC Heidenheim, seiner vorhergehenden Station, hatte er weiter vorne gespielt. „Ob Innenverteidiger oder Sechser, das ist kein großer Unterschied.“

Die Spielweise im Osten allerdings sei schon etwas anders. „Da ist mehr Härte im Spiel“, sagt der 17-Jährige. Und: „Die Liga ist sehr ausgeglichen. Jedes Spiel ist schwer.“

Im Augenblick sogar besonders, denn nach gutem Start und Platz eins nach fünf Spieltagen ist Aue in die Nähe der Abstiegsplätze gerutscht. Kilian Müller aber ist überzeugt: „Den Abstieg können wir verhindern.“ Und in der nächsten Saison weiter vorne mitmischen.

Er selbst zählt dann zum älteren Jahrgang, der engen Kontakt zum Profikader hält und ab und zu bei der ersten Mannschaft mittrainiert. Kilian Müller wäre dann seinem Ziel Profifußballer einen weiteren Schritt nähergekommen.

Kilian Müller

Der Winterbacher ist am 18. Dezember 1998 geboren.

Kilian Müller spielte von den Bambini bis zu den D-Junioren beim VfL Winterbach und betrieb parallel noch Leichtathletik. Darauf folgten vier Jahre beim FSV Waiblingen, unter anderem mit dem Aufstieg in die C-Junioren-Oberliga, und in die B-Junioren-Oberliga mit dem FC Heidenheim. Seit Juli 2015 spielt er für den FC Erzgebirge Aue in der A-Junioren-Regionalliga Nordost.

Er wohnt zusammen mit Teamkollege Fatih Boynuegrioglu 15 Gehminuten entfernt vom Vereinsgelände.

Der Kontakt zu Aue war über Kilian Müllers Vater Andreas und einen seiner Geschäftspartner zustande gekommen. Da Müller im Außendienst tätig ist, besucht er den Sohn auch regelmäßig. Auch bei Heimspielen sind die Eltern im Stadion.

Im Drittligateam von Aue spielt der Waiblinger Simon Skarlatidis. Den hat Kilian Müller auch schon einmal getroffen – allerdings beim Heimatbesuch in Stuttgart. Christian Tiffert kennt Müller ebenfalls noch aus dessen Zeit beim VfB Stuttgart.

Im sächsischen Aue gefällt es ihm gut, auch wenn er soziale Probleme und rechtsradikale Parolen schon mitbekommen hat.