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Klein und Fehr wollen wieder angreifen

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Privat und im Training ein Paar: Die deutschen Spitzenläufer Hanna Klein und Marcel Fehr von der SG Schorndorf. © Ralph Steinemann Pressefoto

Nicht gerade freudig blicken Hanna Klein und Marcel Fehr, die Topläufer der SG Schorndorf, auf das Jahr zurück. Ihr Ziel, es zur EM zu schaffen, haben sie nicht erreicht, auch der zarte Traum von Olympia platzte. Andererseits zeigten die beiden durchaus auch tolle Leistungen und holten Titel. Dass sie es können, wissen Klein und Fehr also. Jetzt wollen sie wieder angreifen.

Im Video: Neujahrsgrüße von Marcel Fehr und Hanna Klein.

Besonders die 23-Jährige hat an der Saison immer noch zu knabbern. Nicht, dass ihr Spaß und Motivation abhandengekommen wären. „Aber ich bin ganz vorsichtig geworden. Ich will mich nicht mehr so an einem Ziel festbeißen. Was kommt, kommt.“ Eine Einstellung, die SG-Trainer Uwe Schneider gut verstehen kann. Das Jahr sei eben äußerst unglücklich für die Läuferin gewesen. Besonders bitter war das Finale über 1500 Meter der Frauen bei der Freiluft-DM in Kassel. 300 Meter vor dem Ziel war Klein auf Platz drei gelegen. Dann bekam sie einen Tritt in die Hacken und wurde deshalb nur Sechste. „Das war schon eine große Enttäuschung für mich.“

Keine Chance auf den Start in Rio

Nackenschläge setzte es auch im Kampf um Startplätze für Europameisterschaft und Olympia. Über 1500 Meter lag die EM-Norm bei 4:09 Minuten. Hanna Klein lief die persönliche Bestzeit von 4:08,56. Großartig – aber eine Woche zu spät, um das Ticket zu lösen. Und damit nicht genug: Anfang Juli, am letzten inoffiziellen Tag der Olympia-Nominierung, startete die Schorndorferin beim internationalen Rennen in Heusten (Belgien) auf der für sie ungewohnten Strecke über 5000 Meter.

Auf Anhieb lief Klein die herausragende Zeit von 15:27. „Damit wäre ich bei der EM unter den Top fünf gewesen.“ Und dennoch verpasste sie die vielleicht noch mögliche Olympia-Qualifikation. Denn gefordert waren 15:25. „Ich war zwei Sekunden drunter. Das ist auf 5000 Meter gar nichts. Das war ein ganz komisches Gefühl.“ Einerseits die Freude über die nicht zu erwartende Leistung, andererseits Ernüchterung, keine Chance auf den Start in Rio zu haben.

Trainer Schneider: „Es war trotzdem eine gute Saison“

Doch Trübsal zu blasen bringt auch nichts. Trainer Schneider beeilt sich, die Athletin aufzubauen. „Es war trotzdem eine gute Saison.“ Klein feierte in der Tat eine ganze Latte an Erfolgen: Süddeutsche Freiluft-Meisterin über 1500 Meter, viermal Baden-Württembergische Meisterin (Halle, Straße 10 Kilometer, Staffel, Waldlauf), zweimal einen württembergischen Rekord verbessert, Platz drei in der deutschen Rangliste über 5000 und Rang fünf über 1500 Meter.

Auch ihr Freund und Trainingskollege Marcel Fehr hat Titel eingeheimst. Er wurde Süddeutscher Freiluft-Meister über 1500 Meter sowie zweifacher Baden-Württembergischer Meister (Straße 10 Kilometer, Waldlauf). Doch auch er verfehlte sein größtes Ziel, die EM-Qualifikation. Allerdings waren die Voraussetzungen für Fehr ungünstiger gewesen als bei Klein.

Seuchenjahr 2015

Nach dem verletzungsbedingten Seuchenjahr 2015 hatte er ganz auf die Hallensaison verzichtet. Erst im Mai stand der erste Wettkampf auf dem Programm. „Das Wichtigste für mich war, möglichst kein Risiko einzugehen und in dieser Saison gesund zu bleiben.“ Das immerhin hat geklappt.

Fehr und Schneider setzten alles auf eine Karte. Das EM-Ticket sollte beim internationalen Rennen in Oordegem gelöst werden. „Meine Bestzeit über 5000 m lag bei 13:38, die Norm bei 13:35. Ich wollte das schaffen.“ Das klappte jedoch nicht, der 24-Jährige lief in Belgien 13:39 Minuten.

Und wie bei Klein war die Gefühlslage danach gemischt: „Wahnsinn, dass ich trotz Trainingsrückstand eine solche Zeit erreicht habe. Aber mir haben vier Sekunden zur EM-Norm gefehlt und es war auch keine Bestzeit.“ Von diesem Zeitpunkt an sei die Saison motivationstechnisch etwas schwierig gewesen. Ein verpasstes großes Ziel bekomme man nicht so leicht aus dem Kopf. Und es gab noch einen Rückschlag: Einen Tag vor dem Finale der Freiluft-DM „habe ich mir den Magen verdorben“. Marcel Fehr musste beim Endlauf zuschauen.

Die Auszeit vom Training hat den Läufern gutgetan

Um die Saison zu verdauen, nahmen sich Klein und Fehr im Sommer in Absprache mit Schneider vier Wochen Trainingsauszeit. „Das hat gutgetan“, sagt Fehr. „Schon nach zwei, drei Wochen hat sich gezeigt, dass der Spaß am Leistungssport nach wie vor da ist.“ Im Hinterkopf habe er die Olympischen Spiele in vier Jahren in Tokio. So weit will Klein noch nicht denken. Doch beide peilen die Europameisterschaften 2018 in Deutschland an.

Auch Trainer Uwe Schneider ist nach den leidvollen Erfahrungen darauf bedacht, mit seinen Schützlingen möglichst entspannt an die kommenden Aufgaben heranzugehen. „Wir haben zum Beispiel die Hallen-EM im März 2017 nicht als Pflichtziel ausgegeben.“ Und was die Freiluft-WM in London angeht, will das Trio erst einmal auf die Bekanntgabe der Nominierungszeiten warten. Priorität habe zunächst einmal die Verbesserung der Bestzeiten. „Und die beiden sollen verletzungsfrei bleiben“, sagt Schneider.

EM 2018

  • Für sich persönlich hat Hanna Klein ein weiteres Ziel: „Durchsetzungsfähiger werden. Ich muss einfach, wenn’s drum geht, auch mal vorne sein.“ Zeit genug, um das zu schaffen, haben beide Athleten.
  • Hanna Klein und Marcel Fehr fiebern den Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin entgegen. Sie werden vom 7. bis 12. August 2018 im Olympia-Stadion ausgetragen.
  • Am Samstag, 31. Dezember, starten die Schorndorfer beim Silvesterlauf in Backnang