Rems-Murr-Sport

Klippenspringer Manuel Halbisch: Den Unfall noch im Kopf, aber weiter Lust aufs Fliegen

halbischportrait
Wieder bereit für die 27 Meter: Manuel Halbisch vom VfL Waiblingen. © Pascal Dietrich

Was gefährlich aussieht, muss nicht gefährlich sein. Beim Klippenspringen aus 27 Metern Höhe ist das anders. Manuel Halbisch hat einen hässlichen Unfall erlebt. Der wirkt nach. Die Corona-Zeit kommt dem Athleten vom VfL Waiblingen deshalb sogar gelegen.

Der 23-Jährige aus Baltmannsweiler ist ein versierter Leistungssportler und keiner jener untrainierten Verrückten, die für schicke Youtube-Videos ihr Leben riskieren. Doch selbst bei den Könnern geht mal ein Versuch daneben. „So ein Sturz aus dieser Höhe ist unter Umständen lebensgefährlich. Ich kenne Springer, die haben sich die Milz gerissen und waren kurz davor zu verbluten.“

So schlimm erwischte es Manuel Halbisch im Sommer 2019 bei einem Wettkampf der Red-Bull-Serie auf den portugiesischen Azoren nicht. Aber trotzdem ordentlich. „Einer von meinen vier Sprüngen ist nicht so gelaufen wie erhofft“, erzählt der Athlet mit der ihm eigenen analytischen Nüchternheit.

Aus 27 Metern Höhe mit dem Rücken aufgeschlagen

Beim Versuch, einen Vierfachsalto mit halber Schraube in den Atlantik zu zaubern, verlor er die Orientierung und schlug statt mit den Füßen voraus flach mit dem Rücken auf dem Wasser auf. Halbisch bekam zu Anfang keine Luft mehr, schafft es aber noch, sich auf einen Jet-Ski des Helferteams zu ziehen. Danach ging’s ins Krankenhaus. „Da musste ich eine Weile bleiben.“

Beim Aufprall hatte sich der Springer Prellungen an Rippen, Milz, Lunge und Rücken zugezogen. Besonders besorgt waren die Ärzte wegen Rissen in der Lunge. Bei einem Pneumothorax entweicht Luft in den Brustkorb. „Da kann die Lunge zusammenfallen.“ Glücklicherweise waren die Risse so klein, dass Halbisch um eine Operation herumkam.

„Nach einem Autounfall setz’ ich mich ja auch wieder ins Auto“

Der Heilungsprozess dauerte seine Zeit, sportlich war das Jahr 2019 abgehakt. Das Klippenspringen nach der schlimmen Erfahrung aufzugeben, kam für Halbisch aber nie in Betracht. „Nach einem Autounfall setz’ ich mich ja auch wieder ins Auto“, sagt er.

Körperlich habe er sich relativ schnell wieder fit gefühlt. Dennoch hat ihn das Erlebnis geprägt: „So ein Sturz macht schon was mit einem im Kopf. Aber 2020 habe ich mich langsam wieder rangetastet. 20 Meter bin ich schon wieder gesprungen.“

Unterstützung findet Halbisch bei Angehörigen und Freunden, die ihm vertrauen und ihn sein Ding machen lassen. „Sie wissen, dass ich mich nicht dumm und leichtsinnig da runterschmeiße.“ Sowieso könnten Unfälle auch aus geringeren Höhen vorkommen: „Ein Kumpel von mir, ein guter Turmspringer, ist aus fünf Metern auf den Bauch gefallen und hatte einen Riss in der Lunge.“

Mit zehn Jahren vom Turnen zum Wasserspringen gewechselt

Wie bei allen gefährlichen Sportarten gilt aber grundsätzlich auch beim Wasserspringen, dass Erfahrung das Verletzungsrisiko minimiert. Die hat Manuel Halbisch reichlich. Zunächst hatte er beim VfL Kirchheim geturnt. Mit zehn Jahren wechselte er aber schon das Fach.

Grund waren die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Fasziniert verfolgte der Junge am Fernseher die Wettkämpfe der Wasserspringer und beschloss: Das will ich auch! Zwar bieten nur wenige Vereine die Randsportart an, doch Halbisch und seine Eltern fanden einen Club in der Nähe: den VfL Waiblingen.

Trainer Rainer Markwirth ist ein ausgewiesener Experte

Damals wie heute wird die Gruppe von Rainer Markwirth trainiert. Er ist ein ausgewiesener Experte, was sich schon daran zeigt, dass er auch die Wasserspringer bei den Vereinen in Stuttgart, Kornwestheim und Göppingen coacht. Für die Springer aus der Region ist das ideal. „Wir können überall trainieren“, sagt Halbisch, der nach wie vor für die Waiblinger startet.

Einige turnerische Grundlagen halfen ihm damals als Kind, sich ins Wasserspringen einzufinden. Manche Bewegungsabläufe bei Saltos und Schrauben würden sich aber schon unterscheiden. „Da bin ich heute noch mit beschäftigt.“ Vier Faktoren beeinflussen die Qualität der Sprünge: Absprung, Körperspannung, Geschwindigkeit in der Luft, Eintauchen.

Ebenfalls wichtig für die Wertung ist der Schwierigkeitsgrad. Der bringt allerdings herzlich wenig, wenn die Ausführung schlecht ist. Von der Schwierigkeit seiner Sprünge her sieht sich Halbisch beim Turmspringen deutschlandweit im guten Mittelfeld. Dennoch hat er es auch schon bis an die Spitze geschafft: Als A-Jugendlicher wurde er einmal Deutscher Meister, bei den Männern holte er 2016 DM-Bronze.

Das Gefühl vor dem ersten Klippensprung aus luftiger Höhe: Angst

Vom Brett startet der Berufspolizist nicht so gerne bei Wettkämpfen: „Das ist so wacklig.“ Dafür begann sich Halbisch von 2016 an verstärkt fürs Klippenspringen zu interessieren. Weil's „halt schon gut aussieht“. Der Baltmannsweilermer begann ganz langsam, sich an die luftigen Höhen zu gewöhnen. In der Schweiz etwa sprang er von einer 18-Meter-Klippe in einen Fluss.

Erst Ende 2018 sah er die Zeit für die Premiere aus 27 Metern Höhe gekommen. Was fühlt man denn so, wenn man als Topsportler da oben steht? „Angst“, sagt Manuel Halbisch staubtrocken.

Erfolge im Weltklasse-Feld

Doch die gehört nun mal dazu. Künftig will sich der 23-Jährige noch mehr aufs Klippenspringen konzentrieren. Erfolgreich ist er schon gewesen. Bei seinem ersten offiziellen Wettkampf, dem Weltcup-Springen 2019 in China, belegte er in der Weltklassekonkurrenz Rang 14. Und beim fatalen Red-Bull-Springen auf den Azoren war er sogar noch um einen Platz besser.

Nach seiner Verletzung kommt Halbisch die wettkampffreie Corona-Zeit gerade recht, um sich vorsichtig wieder auf 27-Meter-Sprünge vorzubereiten. Termine für Turniere gibt es noch nicht, Halbisch freut sich aber sehr darauf. Denn, und da präsentiert sich der Sportler mal wieder als passionierter Lakoniker: „Ich mach’ gern Saltos und flieg’ gern ein bisschen.“

Was gefährlich aussieht, muss nicht gefährlich sein. Beim Klippenspringen aus 27 Metern Höhe ist das anders. Manuel Halbisch hat einen hässlichen Unfall erlebt. Der wirkt nach. Die Corona-Zeit kommt dem Athleten vom VfL Waiblingen deshalb sogar gelegen.

Der 23-Jährige aus Baltmannsweiler ist ein versierter Leistungssportler und keiner jener untrainierten Verrückten, die für schicke Youtube-Videos ihr Leben riskieren. Doch selbst bei den Könnern geht mal ein Versuch daneben. „So ein

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