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Kommentar: Den Daumen gesenkt

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Sportredakteur Mathias Schwardt kommentiert den Kader-Rauswurf von Marcel Fehr. © Laura Edenberger

Läufer Marcel Fehr, der nach seiner besten Saison aus dem Bundeskader geworfen worden ist, wurde ein Opfer der katastrophalen sogenannten deutschen Leistungssportreform, nach der alles andere als Weltklasse uninteressant geworden ist. Und das Opfer eines undurchsichtigen Systems der Kader-Zusammenstellung.

Zunächst fordert der Deutsche Leichtathletik-Verband von seinen Aktiven eine Normzeit über 5000 Meter, die um sage und schreibe neun Sekunden besser ist als die Olympia-Norm. Dann wird diese, wenig überraschend, nur von einem Athleten (Richard Ringer) geknackt, ein weiterer (Amanal Petros) erfüllt die Richtlinien für die U 23. Es stehen aber drei Kaderplätze zur Verfügung. Der Bundestrainer indes hat nur ein Vorschlagsrecht. Langstrecken-Coach André Höhne schlägt zwei Sportler, Marcel Fehr und den verletzten Martin Sperlich, vor. Und dann senkt ein Funktionärsgremium aus DLV und Deutschem Olympischem Sportbund den Daumen: Fehr ist draußen.

Funktionäre setzen sich Verdacht der Mauschelei aus

Dass sich nur Bundestrainer Höhne telefonisch auf die Anfrage der Zeitung meldet, spricht Bände. Der Leitende Bundestrainer Thomas Dreißigacker schickt ein in sperrigem Deutsch verfasstes Schreiben, der Leitende Sportdirektor Cheick-Idriss Gonschinska duckt sich weg.

Es stimmt, dass Sperlich in den vergangenen Jahren stets besser war als Fehr. Doch das Argument, von Sperlich sei ohne Verletzung eine weitere große Leistungssteigerung zu erwarten gewesen, ist nur hätte, hätte, Fahrradkette. Wenn Funktionäre im geschlossenen Kreis über Athleten-Förderung entscheiden, setzen sie sich dem Verdacht der Mauschelei aus. Dass Sperlichs Vater und Trainer früher Hindernis-Bundestrainer war, hat nur mutmaßlich bei der Entscheidung keine Rolle gespielt.

Ungewisse Zukunft für Fehr

Fehr jedenfalls gehen bis zu 14 000 Euro Fördergelder verloren. Die von Höhne geäußerte Hoffnung, der Landesverband und, geradezu lächerlich, die kleine SG Schondorf werde nun den Athleten unterstützen, ist Realsatire.

Der deutsche Topläufer selbst blickt in eine ungewisse Zukunft, ist verärgert und frustriert. Zum Gewinn der Team-EM beigetragen, Bronze bei der DM über 1500 Meter geholt – und dafür vom DLV mit einem Tritt in den Hintern belohnt worden. Dass Marcel Fehr dennoch weitermachen und es zur EM 2018 im eigenen Land schaffen will, nötigt Respekt ab. Qualifiziert er sich, kann sich der DLV ins Fäustchen lachen. Weil er eine Menge Geld gespart hat.