Rems-Murr-Sport

Korber durchschwimmt Deutschlands größte Seen

1/2
21eb4edf-8720-40ca-8af2-f677380559f2.jpg_0
Das Ziel vor Augen – Martin Tschepe bei seiner zweiten Etappe durch den Ammersee, an diesem Tag legte er zwölf Kilometer zurück. © Michael Schmidt
2/2
Seensucht_1
© Sarah Utz

175 Kilometer durch die größten Seen Deutschlands schwimmen, und das bei Hagel, stürmischen Wellen und angriffslustigen Schwänen – Martin Tschepe aus Korb stellt sich diesen Strapazen und will damit gleichzeitig Behinderten in Ludwigsburg das Schwimmen ermöglichen.

Hier geht's direkt zur interaktiven Karte mit allen Seen und Strecken.

Martin Tschepe ist Journalist. Privat hat er Gefallen am Extremsport gefunden. Gemeinsam mit einem Freund hat er 2015 den Neckar von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein durchschwommen; 300 Kilometer in 14 Tagen. Mehrmals ist er auch bei den deutschen Meisterschaften im Eisschwimmen gestartet. „Eigentlich ist das total bescheuert“, gab er mal in einem Interview zu. Das allerdings hält ihn nicht davon ab, noch verrücktere Dinge zu tun. Seen-Sucht hat er sein jüngstes Projekt genannt, in dem er zehn Seen in Deutschland duchschwommen hat.

Die „anspruchsvollste Strecke“, so Tschepe, war dabei jene durch den Chiemsee. Dort musste er sich bis zu eineinhalb Meter hohen Wellen stellen. Begleitet wurde er vom deutschen Rekordhalter bei der Querung des Ärmelkanals und Freiwasserexperte, Christof Wandratsch. Die beiden mussten früh starten, da für den Mittag Unwetter angesagt waren. Nach knapp vier Stunden und eineinhalb Kilometern Abweichung von der Idealstrecke erreichten sie die idyllische Fraueninsel auf dem Chiemsee.

Doch hatten die Schwimmer nicht viel Zeit, sich auszuruhen, denn die Schlechtwetterfront war abgezogen und die guten Bedingungen sollten genutzt werden. Mit Rückenwind und nach insgesamt 16,3 Kilometern in 5:23 Stunden reiner Schwimmzeit erreichten sie das Ziel. Tschepe: „Alleine hätte ich die Strecke nicht ganz geschafft.“

Begonnen hatte das Projekt im April am Plöner See in Schleswig-Holstein. Von einem Traumstart konnte aber nicht die Rede sein, denn mit Hagelschauern und einer Wassertemperatur von unter 10 Grad waren die Bedingungen alles andere als optimal. Der ortsansässige DLRG riet gar von der Durchquerung ab, da der See „sehr tückisch“ sei. Tschepe jedoch stieg in voller Neopren-Montur ins Wasser und schwamm eine alternative Route. Aber die Tiefen des Plöner Sees halten noch andere Gefahren bereit, denn während des Zweiten Weltkriegs wurden hier Torpedos getestet, die heute noch am Grund des Sees liegen sollen. Dort allerdings landete Tschepe – Gott sei Dank – nicht. Nach knapp eineinhalb Stunden und fünf Kilometern war er im Ziel.

Hohe Wellen und stürmische Winde

Den größten See Deutschlands hatte sich der Korber zum Finale aufgehoben: den Bodensee. Der gilt unter den Freiwasserschwimmern als Krönung. Hohe Wellen und stürmische Winde können es den Schwimmern schwer machen, doch Tschepe begleiteten an allen drei Tagen strahlender Sonnenschein und eine spiegelglatte Wasseroberfläche. Er wählte eine 40 Kilometer lange Strecke für drei Etappen aus. An Tag eins stieg er jedoch vorzeitig nach zehn Kilometern aus dem Wasser – zu seinem Glück. Denn nur wenig später wäre er am Damm der Reichenau gleich auf mehrere Hundert Schwäne getroffen. Es gibt angenehmere Begegnungen.

Die nächsten 18 Kilometer absolvierte der Korber an Tag zwei. Es ging bis nach Friedrichshafen, wo er sich zur Orientierung an die bekannte Schlosskirche hielt. Die letzte Etappe führte von Langenargen nach Lindau, noch einmal zwölf Kilometer. Begleitet von zwei Booten, die die Ausflugsschiffe abhalten sollten, erreichte Tschepe schließlich den Hafen mit dem südlichsten Leuchtturm Deutschlands. Erschöpft klettert er an der Hafenmauer aus dem Wasser, zur Belohnung gab es dann ein Weizenbier - oder zwei.

In den sechs Monaten des Projekts Seen-Sucht ist Martin Tschepe knapp 175 Kilometer geschwommen; nicht nur für sich und seine Seen-Sucht, sondern für einen guten Zweck. Die Spendenerlöse kommen dem SV Ludwigsburg zugute. Der Verein, in dem Tschepe selbst seit 1973 aktiv ist, finanziert dadurch sein Angebot mit dem Namen Bahn 9, ein Schwimmangebot für Menschen mit Handicap. Das wird mit großer Begeisterung angenommen. Die unterschiedlichen Schwimmfähigkeiten sind kein Problem. Tschepe:„Schon fünf der Teilnehmer, die zu Beginn nicht schwimmen konnten, haben jetzt ihr Seepferdchen.“ Einige von ihnen trainieren jetzt sogar für höhere Schwimmabzeichen oder integrative Wettkämpfe.

Etwas mehr als tausend Euro sind bisher durch Tschepes Seen-Sucht zusammengekommen. Doch er hofft auf die Menschen im Rems-Murr-Kreis, die nun von seinem Projekt erfahren und für die gute Sache spenden. Das nächste Extremvorhaben hat Tschepe auch schon geplant: Er möchte von Hamburg nach Berlin schwimmen.

Klicken Sie sich durch unsere interaktive Karte: