Leichtathletik Rems-Murr

Läufer Luis Schaich von der SV Winnenden: Plötzlich Deutscher Meister

Schaich
Strahlen im Gesicht, geballte Faust: Luis Schaich feiert seinen Titel über 800 Meter bei der Hallen-DM der U 20 in Sindelfingen. © Iris Hensel

Über Luis Schaich prasseln die Erfolge plötzlich nur so herein. Nach einer Vorsaison voller Probleme, der 18-Jährige Mittelstreckler von der SV Winnenden hatte die Corona-Impfungen schlecht vertragen, ist er im Winter 2021/22 durchgestartet wie ein Gepard. Dass Schaich jüngst in Sindelfingen Deutscher Hallenmeister über 800 Meter der U 20 geworden ist, kann er selbst noch gar nicht so recht glauben.

„Der Titel kam superüberraschend“, sagt der sehr sympathische Läufer aus Winnenden-Hertmannsweiler. In den beiden Vorjahren hatte er jeweils das Finale verpasst und war entsprechend frustriert. Doch nun ist Schaich in seinem ersten Jahr bei der U 20 plötzlich allen davongerannt. Gemeldet gewesen war er nur mit der drittbesten Zeit. Doch bei der DM passte einfach alles. Glück gehört eben auch dazu.

DM der U 20 im Sindelfinger Glaspalast ist für Luis Schaich eine Art Heimspiel

Die Bahn im Sindelfinger Glaspalast hatte sich schon in der Vorwoche als sehr gutes Pflaster erwiesen. Mit der auch im Freiluftbereich persönlichen Bestzeit von 1:53,32 Minuten war Luis Schaich Zweiter bei den baden-württembergischen Hallenmeisterschaften der Aktiven geworden. „Sindelfingen ist für mich eine Art Heimspiel.“ Bei der DM der U 20 kam dem Läufer entgegen, dass das Finale von der Taktik geprägt war. Das dadurch langsamere Tempo ermöglichte es Schaich, an allen vorbeizuziehen.

Keine Selbstverständlichkeit: „In den letzten Jahren war ich taktisch nicht so gut und habe mich ein bisschen versteckt“, sagt der Abiturient. Diesmal jedoch verhielt er sich goldrichtig. Nach seinem Vorlaufsieg in 1:54,70 Minuten – das Ziel, es endlich mal in ein DM-Finale zu schaffen, war damit erreicht – hielt er sich im Endlauf früh vorne im Feld. Und entging damit Rangeleien, die sich hinten abspielten. „Da haben sich einige ein bisschen gegenseitig blockiert.“

Luis Schaich wundert sich: Niemand zieht bei der Hallen-DM an ihm vorbei

Auf der letzten Runde war Luis Schaich in Führung. Er traute dem Braten aber immer noch nicht so recht: „Ich wusste, das wird jetzt superhart. Ich habe immer darauf gewartet, dass Leute an mir vorbeiziehen. Die deutschen Meisterschaften davor waren bei mir ja schlecht.“ Doch kein Konkurrent konnte mehr folgen. Unbeschreiblich sei das Gefühl gewesen, als Erster die Ziellinie zu überqueren, sagt Schaich.

Der DM-Triumph in 1:54,87 Minuten ist der Höhepunkt einer Saison, in der Schaich so viele Erfolge gefeiert hat wie nie zuvor. Die weiteren in der Halle: bei den süddeutschen Meisterschaften der Aktiven Bronze über 400 Meter. Bei den Landesmeisterschaften der U 20 Gold über 1500 Meter sowie jeweils Silber über 800 Meter und mit der 4-x-200-Meter-Staffel der StG Winnenden-Weinstadt-Heilbronn. „Das ist brutal. So viele Medaillen.“

Luis Schaich lobt seine Familie und Trainerin Silvia Wundel von der SV Winnenden

Es dürfen freilich gerne mehr werden. Doch Schaich, das zeichnet ihn aus, bekommt keinen Höhenflug. Stattdessen lobt er jene, die ihm zu den Erfolgen verholfen haben. Zuvorderst seine Familie, die ihn von Anfang an unterstütze. Gefolgt von der Winnender Heimtrainerin Silvia Wundel, die „einen super Blick für Technik und Laufschritt hat“, und Landestrainer Christoph Thürkow, der über die Trainingspläne schaue und mit dem die Zusammenarbeit auch insgesamt ausgezeichnet funktioniere.

Als letzten Erfolgsfaktor nennt Schaich die Trainingsgruppe bei der SV Winnenden. Zwar ist er der einzige 800-Meter-Spezialist, ansonsten besteht das Team vor allem aus Sprintern. „Aber das hilft mir, weil ich auch Sprints trainieren muss. Wir haben einen super Zusammenhalt in der Gruppe.“

Das Grundlagentraining im Weitsprung hilft Luis Schaich nun auch auf der Bahn

Mit der Leichtathletik begann Luis Schaich mit acht Jahren beim Dresdner DSC. Die Grundlagenausbildung helfe ihm nun sehr auf der Bahn. Unter anderem beim Weitsprung habe er gelernt, den Fuß richtig aufzusetzen.

Seit dem Umzug 2013 mit der Familie nach Winnenden startet der Athlet für die SV. Der 800-Meter-Lauf war schon immer Schaichs beste Disziplin. Richtig spezialisiert auf die Strecke hat er sich aber erst im zweiten U-18-Jahr. Was dem Talent besonders an der Trainingsphilosophie in Winnenden gefällt: „Uns ist es sehr wichtig, das Pensum langsam zu steigern. Ich mache im Vergleich zu anderen Läufern nicht ganz so viel. Aber es geht nicht um kurzfristigen, sondern um nachhaltigen Erfolg.“

Luis Schaich will die 800 Meter erstmals unter 1:50 Minuten laufen

In der kommenden Freiluftsaison sollen die Leistungen bestätigt werden. Draußen zu laufen fühlt sich anders an als in der Halle. Dennoch wird Schaich nach seinem Titelgewinn auch bei der Stadion-DM zu den Favoriten gehören. „Ich will möglichst eine Medaille holen.“ Ein weiteres Ziel lautet, die 800 Meter erstmals unter 1:50 Minute zu bewältigen.

Einen Traum hat Luis Schaich obendrein: den Start bei einem internationalen Wettkampf. Wenn die Karriere weiter so rasant verläuft – ja, warum denn nicht?

Über Luis Schaich prasseln die Erfolge plötzlich nur so herein. Nach einer Vorsaison voller Probleme, der 18-Jährige Mittelstreckler von der SV Winnenden hatte die Corona-Impfungen schlecht vertragen, ist er im Winter 2021/22 durchgestartet wie ein Gepard. Dass Schaich jüngst in Sindelfingen Deutscher Hallenmeister über 800 Meter der U 20 geworden ist, kann er selbst noch gar nicht so recht glauben.

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„Der Titel kam superüberraschend“, sagt der sehr sympathische Läufer aus

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