Rems-Murr-Sport

Marcel Fehr darf zur EM nach Berlin

Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften
Marcel Fehr bei der DM in Nürnberg.   © ZVW/Danny Galm

Nach seinem Taktikfehler über 5000 Meter bei der DM sah Marcel Fehr sein EM-Ticket davonflattern. Jetzt ist er erleichtert: Weil der Deutsche Leichtathletik-Verband Doppelstarts untersagt hat und Amanal Petros über 10 000 Meter antreten wird, ist der Läufer der SG Schorndorf auf den letzten Nominierungsplatz vorgerückt und darf doch noch nach Berlin.

Ein Jahr lang hat sich Fehr, seit Monaten erschwert durch seinen Rauswurf aus dem Bundeskader und dem damit verbundenen Verlust der Fördergelder, vorbereitet, um bei der EM mit dabei zu sein. Er knackte die Norm des DLV über 5000 Meter (13:40 Minuten) – und musste doch ganz lange um die Qualifikation zittern. Das aber hatte er sich mit seinem Auftritt bei der DM selbst zuzuschreiben.

Drei EM-Startplätze pro Rennen

Der DLV vergibt drei EM-Startplätze pro Rennen, vor den deutschen Meisterschaften in Nürnberg hatten vier Athleten die geforderte Zeit unterboten: Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen, als Medaillenkandidat für Berlin vornominiert), Amanal Petros (SV Brackwede), Fehr und Florian Orth (LG Regensburg). Für den Athleten der SG Schorndorf galt es in Nürnberg, zumindest einen Konkurrenten zu distanzieren, um das EM-Ticket zu lösen. Außerdem hoffte er auf eine Medaille. Doch daraus wurde nichts.

Vielleicht war’s der Umstand, dass Ringer krankheitsbedingt seinen Start abgesagt, vielleicht jener, dass Fehrs Lebensgefährtin Hanna Klein kurz vor dem Rennen der Männer Gold bei den Frauen geholt hatte. Jedenfalls ging mit dem Läufer das Temperament durch. Statt wie mit SG-Trainer Uwe Schneider abgesprochen erst 70, 80 Meter vor dem Ziel anzugreifen, ging Fehr schon 400 Meter vor Schluss nach vorne.

„Ich bin zu früh und zu schnell los, eigentlich ein typischer Anfängerfehler.“ Der bestraft wurde: Vier Athleten zogen an Fehr vorbei, auch Orth (Silber) und Petros (Bronze). Enttäuscht über seinen Auftritt ist der Urbacher nach wie vor. „Ich weiß nicht, ob ich so schnell noch mal so eine Chance in einem Meisterschaftsrennen kriege.“

„Es ist ein beruhigendes Gefühl"

Zumindest in einem Punkt kann sich Fehr nun doch wieder freuen: Der DLV hat ihn am Mittwoch für die EM in Berlin nominiert. Zugute kam ihm zum einen, dass kein weiterer Läufer die Norm erfüllte, auch der Deutsche Meister Sebastian Hendel (LG Vogtland) nicht.

Zum anderen profitierte er davon, dass der DLV entschieden hat, bis auf wenige Ausnahmen keine Doppelstarts in Berlin zuzulassen. Amanal Petros, das steht jetzt fest, wird bei der EM über 10 000 Meter antreten. Die 5000-Meter-Kandidaten heißen somit Ringer (Doppelstart über 10 000 Meter möglich), Orth und Fehr. Der ist dem DLV dankbar für die Entscheidung.

Zudem lobt er den Leitenden Bundestrainer Thomas Dreißigacker sowie den Langstrecken-Bundestrainer André Höhne: „In den letzten zwei, drei Monaten war der Kontakt mit ihnen richtig gut.“ Kurios ist, dass mit Fehr und Orth nun gleich zwei 5000-Meter-Athleten in Berlin starten, die aus dem Bundeskader gestrichen wurden.

Doch daran denkt Marcel Fehr jetzt nicht, er ist einfach glücklich, bei der EM antreten zu dürfen. „Es ist ein beruhigendes Gefühl, meinen Fehler von der DM wieder gutmachen zu können.“


Das Rennen in Berlin

Marcel Fehr von der SG Schorndorf wird bei der Europameisterschaft über 5000 Meter starten. Das Rennen im Berliner Olympiastadion beginnt am Samstag, 11. August, um 21 Uhr.