Rems-Murr-Sport

Marcel Fehr ist kein Einzelfall

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Marcel Fehr, hier beim Gewinn der Schorndorfer Meile, wartet nach seiner öffentlichen Kritik noch immer auf eine Rückmeldung des DLV. © Ralph Steinemann Pressefoto

Bundesweit für Wirbel gesorgt hat der Bericht in dieser Zeitung über den Rauswurf von Läufer Marcel Fehr aus dem Bundeskader. Es gebe viele positive Rückmeldungen auf seine Kritik am Deutschen Leichtathletik-Verband, so der Spitzensportler von der SG Schorndorf. Denn der 25-Jährige ist kein Einzelfall, auch andere verdiente Athleten werden künftig nicht mehr gefördert.

Blickt man auf deren Namen, zeigt sich, wie schwammig die Richtlinien des DLV für die Kader-Planung sind. Als Begründung für Fehrs Nichtnominierung hatte der Leitende DLV-Bundestrainer Thomas Dreißigacker auf Anfrage des ZVW angegeben, der Athlet habe weder die Norm erfüllt (13:16 Minuten über 5000 Meter) noch sich in den Jahren 2016 und 2017 für internationale Meisterschaften beziehungsweise Olympische Spiele qualifiziert. Martin Sperlich, der trotz verletzungsbedingten Ausfalls in der abgelaufenen Saison inzwischen den letzten Kaderplatz zugesprochen bekommen hat, sei in den vergangenen beiden Jahren stets besser gewesen als Fehr. Und habe die größere Perspektive.

Schneller als Sperlich, aber nicht im Kader: Florian Orth

Darüber ließe sich diskutieren, wäre nicht ein weiterer Athlet unberücksichtigt geblieben: Florian Orth von der LG Regensburg, zigfacher Deutscher Meister und Olympiateilnehmer 2016. „Er ist auf allen Strecken deutlich schneller als Martin Sperlich“, sagt Fehr. Und dennoch ist Orth ebenfalls nicht im Bundeskader 2018. Laut Mittelbayerischer Zeitung erfuhr der 28-Jährige auf der Homepage des DLV von seinem Rausschmiss. Ist das die Strafe für Kritik? Im Februar hatte Orth dem Verband in einem offenen Brief Arroganz und schlechte Behandlung vorgeworfen und seinen Start bei der Hallen-EM abgesagt.

Ebenfalls nicht mehr im Bundeskader ist Orths Teamkollege, Marathonläufer Philipp Pflieger. Der 30-Jährige hat zwar ein rabenschwarzes Sportjahr hinter sich. Doch zuvor gehörte er stets zur deutschen Spitze, unter anderem wurde er 55. bei den Olympischen Spielen in Rio. Sollten für ihn nicht dieselben Kriterien gelten wie für Martin Sperlich? Für Kurt Ring, Teamchef der LG Regensburg, ist der Fall klar: „Pflieger und Orth sind mündige Athleten und deshalb beim DLV weniger erwünscht“, so das Zitat in der Mittelbayerischen Zeitung. Diesen Vorwurf weist der Leitende Bundestrainer Thomas Dreißigacker im Artikel zurück: „Bei uns geht es nicht um Retourkutschen, sondern um klar definierte Leistungskriterien.“

Marcel Fehr macht sich keine Illusionen über seine Zukunft

Dennoch ist Marcel Fehr gewarnt. Was wird aus ihm nach seiner öffentlich geäußerten Kritik am DLV? Da gibt sich der Läufer keinen Illusionen hin: „Die Geschichte spielt mir bestimmt nicht in die Karten bei der neuen Kaderplanung. Ich denke, wenn ich die 13:16 nicht erreiche, bin ich draußen.“ Und zwar egal, ob er die Qualifikation für die EM 2018 in Berlin schaffe oder nicht. Fehr steht aber nach wie vor zur Entscheidung, seinen Ärger publik zu machen. „Viel schlimmer wäre es, zu allem Ja und Amen zu sagen.“

Insbesondere unter Sportlern stoße der ZVW-Artikel auf große Resonanz. Fehr freut sich über zahlreiche positive Rückmeldungen. „Viele Leute sagen, sie können meinen Rauswurf nicht nachvollziehen.“ Einer allerdings habe bislang nichts von sich hören lassen: der DLV.

Positive Signale

Uwe Schneider, Trainer der SG Schorndorf, unterstützt die Entscheidung seines Schützlings Marcel Fehr, den DLV öffentlich zu kritisieren: „Wenn keiner aufsteht, wird sich auch nichts verändern.“

Laut Schneider gibt es positive Signale von Seiten des Deutschen Olympischen Sportbundes, den Fall erneut zu prüfen. „Das wäre schon mehr, als wir erwartet haben.“ Allerdings glaubt der Coach nicht, dass der Kader-Rauswurf zurückgenommen wird.