Handball im Rems-Murr-Kreis

Meistertitel und Aufstieg: Männer des VfL Waiblingen halten großem Druck stand

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Die Früchte der hervorragenden Arbeit geerntet: Trainer Tim Baumgart (links) und Co-Trainer Patrick Rothe vom Württembergliga-Meister VfL Waiblingen. © Ralph Steinemann

Vor der Saison 2021/22 in der Württembergliga waren sich die Beobachter einig: Mit dieser tollen Mannschaft müssen die Handballer des VfL Waiblingen aufsteigen. Das erzeugte gewaltigen Druck. Das Team nahm die Favoritenrolle an – und spielte eine überragende Runde. Bereits im viertletzten Spiel tütete der VfL den Aufstieg ein, abschließen werden die Waiblinger die Saison als souveräner Meister.

So ein Erfolg hat ja viele Väter. Klar, das Team ist auf dem Feld gefordert und muss dem Druck Woche für Woche standhalten. Und es braucht ein Trainergespann, das hervorragende Einzelspieler zu einer Einheit formen und ihnen das Siegergen einpflanzen kann. Das ist Coach Tim Baumgart und Co glänzend gelungen. Ein großes Kompliment machen muss man aber auch dem Verein.

Rolf Klingler, Frank Ader und Peter Müller bringen Ruhe in Verein

Längst vorbei ist die Zeit, als der VfL Waiblingen zu oft in Aktionismus verfiel und beim Versuch, den Erfolg zu erzwingen, reihenweise Trainer und Spieler verschliss. Das Vorstandstrio Rolf Klingler (Sprecher), Frank Ader (für den Männerbereich zuständig) und Peter Müller (Frauen) hatte bei seinem Amtseintritt versprochen, Konstanz und Ruhe in den Club zu bringen. Und es hat, einer schwierigen Übergangsphase zum Trotz, Wort gehalten.

Neider, das ist klar, gibt es immer noch. Doch der Verein hat sich auch viel Respekt verschafft. Die Frauen haben die große Chance, in die 1. Bundesliga zu klettern. Und die Männer werden in der kommenden Runde in der BW-Oberliga spielen.

Aufstieg war klares Saisonziel des VfL Waiblingen in Württembergliga

Sechs Runden lang, früher undenkbar, hat Coach Tim Baumgart seit seinem Wechsel zur Saison 2016/17 Zeit gehabt, ein Team aufzubauen und irgendwann die Früchte zu ernten. In den ersten Jahren habe der Vorstand nie den Aufstieg aus der Württembergliga eingefordert, betont er. „Erst vor dieser Saison hat Rolf Klingler gesagt: ,Aber diesmal müsst ihr aufsteigen.‘ Zwar mit einem Augenzwinkern – aber wir haben ja auch ganz klar gesagt, dass wir es jetzt schaffen wollen.“

Alles andere wäre auch albern gewesen. Vor zwei Jahren schon wäre der VfL wohl aufgestiegen, hätte es nicht den coronabedingten Saisonabbruch gegeben. Die für die Wertung angewandte Quotientenregel machte den Waiblingern einen Strich durch die Rechnung. Mit 0,1 Punkten Vorsprung stieg damals Schmiden, Baumgarts früherer Verein, auf. Und auch nur deshalb, weil der VfL auf Bitte eines Gegners ein Spiel verlegt hatte, das nicht mehr stattfand.

Vor der nächsten Saison vermeldete der Verein Neuzugänge mit Erfahrung aus hohen Ligen. Axel Steffens kehrte zurück, hinzu kamen die Brüder von zwei bereits für den VfL aktiven Spielern: Evgeni Prasolov und der langjährige Erstliga-Kreisläufer des TVB Stuttgart, Simon Baumgarten. Die Wechsel machten Waiblingen zum Topfavoriten. Doch die Runde fiel wegen der Pandemie flach.

Holpriger Saisonstart für VfL Waiblingen mit unnötigen Punktverlusten

Also musste das Team noch mal ein Jahr warten. Der Start in die Saison 2021/22 verlief dann etwas holprig. Beim TSV Deizisau und bei der HSG Albstadt gab’s nur Unentschieden. Letzteres Spiel stieß Trainer Baumgart sauer auf: „Wir hatten schon mit acht Toren geführt. Der Punktverlust war selten dämlich.“ Und ein paar Partien später setzte es auch noch beim Mitfavoriten TSV Wolfschlugen eine 25:28-Pleite.

Den größten Rückschlag gab’s im ersten Rückrundenspiel. Waiblingen verlor 24:25 beim Tabellenletzten SKV Unterensingen. Die Niederlage kam laut Baumgart aber zur rechten Zeit: „Es war bei uns eine gewisse Selbstsättigung da. Auch als Trainerteam konnten wir uns da nicht aus der Verantwortung nehmen.“

Alle Beteiligten rissen sich am Riemen. „Ab da war’s eine super Runde.“ Bis heute hat der VfL unglaubliche 13 Siege in Serie gefeiert, es blieb bei nur sechs Minuspunkten. Vier Spieltage vor Schluss machte das Team den Aufstieg perfekt – beim Heimderby gegen die SF Schwaikheim (33:20). „Das war überragend. Wir hatten 750 Zuschauer.“ Danach wurde zünftig gefeiert.

Ergebnisse stimmen beim  VfL Wasiblingen, obwohl Leistungsträger ausfallen

Die Ausgeglichenheit des Kaders nennt Tim Baumgart als größtes Plus in dieser Saison. Evegeni Prasolov war oft verletzt, Simon Baumgarten wurde von Mitte Oktober bis Ende Dezember an den Zweitligisten DJK Rimpar Wölfe ausgeliehen und war erst von Mitte Februar 2022 an wieder für Waiblingen spielberechtigt. Dennoch stimmten die Leistungen des VfL weiterhin.

Tim Baumgart schwärmt: „Unsere Abwehr war das Prunkstück. Yannick Seeger hat einen Riesenschritt gemacht und war mit der stärkste Torhüter in der Liga. Dann hatten wir Mentalitätsspieler wie Kapitän Alexej Prasolov und Robin Stöhr. Und Holger Mayer ist mit 36 Jahren der wohl konditionsstärkste Spieler der Liga.“

Doch egal, ob Stammkraft oder Aushilfe: Alle hätten mit glänzenden Auftritten zum Erfolg beigetragen. Unter anderem nennt der Trainer Lukas Baumgarten, Luis Westner und Jan Hellmann. Im letzten Saisonspiel am Samstag, 14. Mai, in Langenau will das Team den 14. Sieg in Folge holen.

In BW-Oberliga will sich VfL Waiblingen gleich etablieren

Vor der BWOL ist Tim Baumgart nicht bange. Die Mannschaft soll sich in der kommenden Runde gleich in der neuen Liga etablieren. Einige Personalien stehen fest. Simon Baumgarten wechselt zum derzeitigen Drittligisten TV Plochingen. Als Neuverpflichtungen kommen Jan Hellerich (SV Kornwestheim, Kreis), Sebastian Rica-Kovac (Oberligist TV Bittenfeld, Tor) und Nils Eilers (SV Remshalden II, Linksaußen).

Der VfL plant freilich schon weiter. Mittelfristig soll der Sprung in die 3. Liga gelingen. Aber weiterhin mit Ruhe und Geduld.

Vor der Saison 2021/22 in der Württembergliga waren sich die Beobachter einig: Mit dieser tollen Mannschaft müssen die Handballer des VfL Waiblingen aufsteigen. Das erzeugte gewaltigen Druck. Das Team nahm die Favoritenrolle an – und spielte eine überragende Runde. Bereits im viertletzten Spiel tütete der VfL den Aufstieg ein, abschließen werden die Waiblinger die Saison als souveräner Meister.

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So ein Erfolg hat ja viele Väter. Klar, das Team ist auf dem Feld gefordert und

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