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Miranda Wilson verlässt Badminton-Zweitligist Schorndorf

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Konzentriert: Miranda Wilson im Trikot der SG Schorndorf. In der kommenden Saison tritt sie in der 1. Bundesliga an. © Kolb

Miranda Wilson verlässt Badminton-Zweitligist SG Schorndorf. Sie folgt dem Ruf von Erstligist 1. BC Wipperfeld. „Das ist mir sehr schwer gefallen“, sagt sie. „Aber ich brauche das höhere Level.“ Die 19-Jährige hat sich weiterentwickelt, ist nicht mehr das schüchterne Nachwuchstalent und geht auch außerhalb des Sports selbstbewusst einen außergewöhnlichen Weg.

2009, mit neun Jahren, war die Stuttgarterin zur SG Schorndorf gekommen und dort zur erfolgreichsten Spielerin des Vereins avanciert. Mit 13 war sie erstmals Deutsche Meisterin, dreifach gleich. Es folgten weitere Titel, Berufung in die Nationalmannschaft, 2015 stieg sie mit der SG in die 2. Liga auf und war im Frauen-Einzel die klare Nummer eins. 2016 wechselte sie an den Olympiastützpunkt Mühlheim/Ruhr, lebte dort im Internat, spielte jedoch weiterhin für die SG.

"Das hat mich viel Überwindung gekostet"

Schon damals war es ihr Ziel, Profi zu werden. Auf diesem Weg will sie nun einen Schritt weitergehen. Das Angebot der Wipperfelder kam kurzfristig und deshalb auch überraschend für die Schorndorfer, die in den Planungen für die Saison 2019/20 schon recht weit waren, und ein Team – um Miranda Wilson herum – aufbauen wollten, das um den Titel spielt. Deshalb habe es sie auch „viel Überwindung gekostet, Bescheid zu geben“, sagt Miranda Wilson. Teammanager Benjamin Wahl aber verstand ihre Beweggründe. Sie brauche, sagt sie, im Einzel „das höhere Level der Ersten Bundesliga“, um sich weiterzuentwickeln. Die Bundesliga habe internationales Niveau. „Das hilft mir bei den Turnieren.“

Aus dem Teenager wurde eine selbstbewusste junge Frau

Sie ist überzeugt davon, auch als Neuling gleich einen Platz im Team zu bekommen. „Wipperfeld hat mich eigens dafür geholt. Ich soll die Mehrzahl der Spiele bestreiten.“ Der SG Schorndorf Ade zu sagen, sei ihr allerdings schwergefallen. „Das ist quasi mein Heimverein.“

Aber es ist offenbar Zeit für den nächsten Schritt. Die drei Jahre in Mühlheim „haben mich definitiv nach vorne gebracht“. Auch wenn das erste Jahr schwer gewesen sei. Weit weg von zu Hause, „und der Erfolg bei den Turnieren blieb auch aus“. Doch aus dem einst schüchternen Teenager ist eine selbstbewusste junge Frau geworden. Und eine Kämpferin, so Benjamin Wahl, der Miranda Wilsons Karriere als Trainer und Teamkollege von Anfang an begleitet hat, sei sie schon immer gewesen. „So diszipliniert, wie sie ist, gibt’s in Mühlheim wahrscheinlich keine andere. Sie gönnt sich keine Pause.“ Und wenn sie mal nicht trainiert, spielt sie Geige.

Der Kampf gegen den Müll

Oder widmet sich genauso intensiv einer anderen Überzeugung. Am 1. Januar 2018 sei’s gewesen – in Australien, erzähl sie –, da habe sie sich Gedanken darüber gemacht: „Was läuft eigentlich falsch in dieser Welt?“ Sie kam zu dem Ergebnis: Wir produzieren zu viel Müll.

Seitdem versucht sie fast genauso intensiv, Müll zu vermeiden, wie sportlich erfolgreich zu sein. Auf Youtube findet sich ein Video, das Miranda Wilson bei einem Vortrag über das Thema Zero Waste (kein Müll) zeigt. Eindrucksvoll.

Sie schaffe es mittlerweile, 70 bis 80 Prozent Müll zu vermeiden. Aus dem Kollegenkreis bekomme sie dazu viele positive Rückmeldungen, bei manchen aber spüre sie auch Ablehnung: Ach, die schon wieder mit ihrem Müll.

Aber: Auch dieses Engagement habe sie in ihrer Persönlichkeit weitergebracht. Und ist womöglich einer der Schritte nicht nur in Richtung 1. Bundesliga, sondern vielleicht sogar auf dem Weg zur Profispielerin.

Miranda Wilson

Miranda Wilson ist im Jahr 2000 in Stuttgart geboren. Seit 2009 spielte sie für die SG Schorndorf.
Ein kleiner Ausschnitt ihrer Erfolge: fünfmal deutsche Jugendmeisterin, fünfmal Vize, EM-Bronze U 19, Siege bei internationalen Turnieren in Polen, Kroatien, Schweden und Rumänien, Einsätze in der Nationalmannschaft, Teilnahme an Welt- und Europameisterschaften. Weltrangliste (Frauen) 190.
Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr seit Dezember 2018.
Vor einem Monat hat sie ein Fernstudium Ernährungswissenschaften begonnen. Lieber wäre ihr Stadtplanung/Nachhaltigkeit gewesen, doch das ist im Fernstudium nicht möglich.
Sie engagiert sich im Kampf gegen den Müll. Ein Vortrag von ihr ist auf Youtube zu sehen.