Rems-Murr-Sport

Mit dem Motorrad über Felsen und Baumstämme

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Trial ist nicht nur etwas für Jungs, wie Leni Kessler vom MSC Schorndorf beweist. © Claudia Schiele
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Da muss er hoch: Max Zehnder vom MSC Schorndorf.

Wenn auf einem kargen hügeligen Gelände zwischen Bäumen und mannshohen Steinplatten dicke Holzstämme neben scharfkantigen Felsbrocken liegen, dann heißt es aufpassen: Nicht weil dem Passanten ein Sturz droht, aber hinter dem dicksten Steinquader könnte ein Motorrad hervorspringen. Trialfahrer lieben solche Strecken.

Ja, sie bauen sich sogar selbst welche. Beispielsweise der MSC Schorndorf an der Stuttgarter Straße. Zwölf Sektionen haben sie hier zur Verfügung, sechs müssen an diesem Wochenende die Teilnehmer an den Läufen acht und neun zur baden-württembergischen Jugendmeisterschaft durchfahren. Möglichst ohne auch nur einmal den Fuß abstellen zu müssen oder das Absperrband zu berühren.

Das ist für die Jüngsten noch recht einfach. Trainer, Vater, Mutter oder Bruder rufen ihnen zu, wie sie um die Hindernisse herumfahren müssen. Für die Besseren ist’s damit nicht getan. Sie müssen rauf auf Steine und Holzbarrieren. Und so verharren die Fahrer immer wieder konzentriert vor Steinplatten, die fast zwei Meter hoch vor ihnen aufragen, bevor sie beherzt Gas geben und wie von Zauberhand die Steinwand nach oben klettern. Die meisten zumindest.

Staunen beim Zuschauen

Als trialunerfahrener Besucher schaut man staunend zu und hört neben sich den erschreckten Aufschrei einer Frau, die ganz offensichtlich genauso wenig Ahnung hat. Dabei ist nur wieder mal einer senkrecht nach oben gefahren, ohne nach hinten überzukippen. „Da muss er eben hoch“, sagt Paul Guggemos, als wär’s das Selbstverständlichste auf der Welt.

Guggemos ist ein Schorndorfer Trialpionier, langjähriger Abteilungsleiter, und fährt immer noch in einer Seniorenklasse. Offenbar recht gut, denn er zieht sich regelmäßig den Unmut der – zum Teil deutlich – jüngeren Konkurrenz zu, „weil der alte Sack mal wieder gewonnen hat“.

Guggemos’ wettergegerbtes Gesicht strahlt. Gerne grinst er auch mal verschmitzt und klärt den Besucher erst mal darüber auf, was um ihn herum eigentlich passiert. Auf senkrecht stehende Steinplatten zu fahren, ist schließlich nur ein Teil der Trialfahrerkunst. Der Fahrer muss seine Sektion innerhalb von 90 Sekunden hinter sich bringen, und damit das optimal funktioniert, den richtigen Weg finden. Deshalb bewältigen die Fahrer die Strecke erst einmal – mehr oder weniger stirnrunzelnd – zu Fuß. „Da bleibt’s dann dem IQ überlassen, ob’s nachher leicht geht, oder ob er sich plagen muss.“ Guggemos grinst wieder.

Die jüngsten Fahrer waren gestern noch im Kindergarten

Die Guten finden zwischen den verschiedenfarbigen Markierungen den besten Weg, und der liegt manchmal gerade dort, wo die eigene Markierung, sprich Farbe, gar nicht zu finden ist. Gelb markiert die leichteste Strecke. Hier fahren Anfänger mit Automatik-Motorrädern. Darauf sitzen Jungs und Mädchen, die tags zuvor noch im Kindergarten gespielt haben.

Die schwierigste Gruppe ist weiß. Was bei der Streckenmarkierung zu folgendem Verfahren führt. Guggemos: „Alles, was eigentlich gar nicht geht, bekommt ein weißes Schild.“ Die Besten zeigen dann, dass es doch geht, beispielsweise Guggemos’ Sohn Adrian. Der ist mittlerweile Profi und stellt für Red Bull die verrücktesten Sachen an.

Einparken auf die ganz spezielle Art

„Da drüben parkt gerade einer ein“, sagt Paul Guggemos und deutet auf einen Fahrer, der mit seiner Maschine wie ein Flummi vor einem Hindernis hin- und herhüpft, um in die beste Position zu kommen. Trialfahrer sind Meister darin, denn sie dürfen den Fuß nicht absetzen. Fünf Minuten stehen, ohne umzufallen, schaffen sie locker.

Durch den ganzen Parcours gelingt das nicht immer. Zudem ist Runterfahren manchmal schwerer als hochzukommen. Als es einen mitsamt Motorrad von einem Felsen haut, analysiert Guggemos trocken: „Zu zögerlich.“

Ein bisschen Mut also braucht’s schon, auch wenn selten etwas passiert. Das größte Unglück ist ohnehin etwas völlig Lapidares: ein Fuß zur Unzeit auf dem Boden.

Trial bei MSC Schorndorf

Beim Motorrad-Trial muss mit einem enduroähnlichen Motorrad ein Geschicklichkeits-Parcours bewältigt werden.

Das Trial-Motorrad ist in der Regel ein nicht straßenzugelassenes Sportgerät in den Hubraumklassen bis 50 bis höchstens 300 Kubikzentimetern. Da es extrem leicht gebaut ist (zwischen 60 und 70 kg) und der Schwerpunkt sehr tief liegt, kann es fast wie ein BMX-Fahrrad oder ein Mountainbike unter dem Körper bewegt werden. Gefahren wird auf den Fußrasten stehend. Es kostet zwischen 4000 und 7000 Euro.

Die Reifen werden mit sehr niedrigem Luftdruck gefahren (stellenweise unter 0,5 bar), damit sich die Lauffläche optimal an den Untergrund anschmiegen kann.

Bei einem Wettbewerb müssen die Fahrer sechs Sektionen durchfahren, haben für eine Sektion jeweils 90 Sekunden Zeit. Insgesamt müssen sie alle Sektionen innerhalb von vier Stunden bewältigen.

Strafpunkte gibt es, wenn ein Fuß den Boden berührt oder das Absperrband überfahren wird. Bei fünf Strafpunkten muss der Fahrer die Sektion verlassen.

Der MSC Schorndorf hat für seine 120 Fahrer auf einem von der Stadt gepachteten Grundstück in der Stuttgarter Straße ein Gelände mit zwölf Sektoren angelegt.

Bekanntester Fahrer ist Adrian Guggemos, mittlerweile Profi und mit den irrwitzigsten Stunts auf Youtube zu beobachten.

Ein solches As haben sie derzeit beim MSC Schorndorf nicht im Kader, Demian Heinrich und Max Zehnder aber fahren immerhin in der zweithöchsten Kategorie.

Beim Turnier am Wochenende haben rund 50 Helfer 1000 Arbeitsstunden geleistet.

 

Motorrad-Trial: Baden-württembergische Jugend-Meisterschaft

(cls). Die Trialfahrer des MSC Schorndorf sind bei den Läufen zur baden-württembergischen Jugendmeisterschaft auf eigenem Gelände recht erfolgreich gewesen. Ihnen gelangen mehrere Siege.

Kaum zu überbieten war die Spannung am Samstag in den Leistungsklassen 5 und 6. Hier mussten die ersten drei beziehungsweise vier Fahrer in einem Stechen antreten. Nachdem die Fahrer im gesamten Wettkampf keinen Strafpunkt erhalten hatten, durften sie sich in den nächsthöheren Klassen messen. Dazu mussten drei Sektionen je dreimal befahren werden. Unter den Fahrern waren Marlon Kopf (LK 5) und Benno Schiele(LK 6) vom MSC Schorndorf. Kopf erkämpfte sich so Platz eins und Schiele wurde Zweiter.

In der höchsten Leistungsklasse siegte Rolf Hemminger mit deutlichem Vorsprung vor dem Zweitplatzierten. Niklas Holz besetzte in LK 4 mit Platz drei das Podest und in LK 3 standen Sieger Lukas Häfner und Tom Luis Fehrle auf Platz drei ganz oben.

Die erneut hohen Temperaturen am Sonntag forderten den Fahrern alles ab. Die MSC-Schorndorf-Fahrer kamen damit sehr gut zurecht, und einigen gelang sogar eine Verbesserung. So gingen an diesem Tag sieben Pokale an Schorndorfer.

Platzierungen am Samstag:

Leistungsklasse 2: 4. Demian Heinrich; Max Zehnder ausgefallen. LK 3: 1. Lukas Häfner; 3. Tom Luis Fehrle; 6. Moritz Voigt; 7. Jonas Schiele. LK 4: 3. Niklas Holz; 6. Lukas Kunzi. LK 5: 1. Marlon Kopf; 5. Axel Stallecker; 7. Maik Bauer; 11. Finn Brand;12. Florian Schmid. LK 6: 2. Benno Schiele; 5. Jona Bergmann; 15. Luis Bareiß; 16. Leni Kessler; 17. Lina Schiele; Johanna Kappes leider ausgefallen. LK 7: 4. Ralf Bauer; 5. Michael Stegmeier; 6. Pascal Nübel. LK 3B: 3. Domenic Weimann. LK 2B: 1. Rolf Hemminger.

Platzierungen am Sonntag:

LK 2: 4. Max Zehnder; 5. Demian Heinrich. LK 3: 1. Lukas Häfner; 3. Moritz Voigt; 5. Jonas Schiele. LK 4: 2. Niklas Holz; 5. Lukas Kunzi. LK 5: 4. Maik Bauer; 7. Marlon Kopf; 9. Axel Stallecker; 11. Finn Brand; 15. Florian Schmid. LK 6: 2. Benno Schiele; 14. Jona Bergmann; 15. Luis Bareiß; 17. Leni Kessler; 19. Lina Schiele. LK 7: 4. Michael Stegmeier; 5. Ralf Bauer. LK 9: 1. Rainer Zimmermann; 2. Jutta Stegmeier. LK 3B: 4. Domenic Weimann. LK 2B: 1. Rolf Hemminger.