Motorsport Rems-Murr

Motocross in Rudersberg: Hochspannung im WM-Finale nach Regen-Schock

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Motocross Rudersberg © Jens Körner
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Akrobatisch und schnell: Die neuen Weltmeister Etienne Bax (rechts) und Ondrej Cermak. © Jens Körner
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Motocross Rudersberg © Jens Körner
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Esten und Finnen feuern das Gespann Varik/Kunnas an. © Jens Körner
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Es röhren die Motoren am Königsbronnhof. Der Start beim Seitenwagen-Motocross ist besonders wichtig. © Jens Körner
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Motocross Rudersberg © Jens Körner
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Motocross Rudersberg © Jens Körner
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Motocross Rudersberg © Jens Körner
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Motocross Rudersberg © Jens Körner
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Schweres Gerät kommt bei Härtefällen zum Einsatz. © Jens Körner
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Hin und wieder braucht's auch fremde Hilfe. © Jens Körner

So muss es sein: Erst im zweiten Finallauf ist die Motocross-Seitenwagen-Weltmeisterschaft beim 60. Rudersberger Motocross am Sonntag entschieden worden. Etienne Bax/Ondrej Cermak (Niederlande/Tschechien) überholten die bis dahin Führenden Kert Varik/Lari Kunnas (Estland/Finnland) und sicherten sich den WM-Titel.

Es war einmal ein Spektakel auf dem Gelände des MSC Wieslauftal. Tags zuvor indes war die Laune zwischenzeitlich im Keller gewesen: Sintflutartige Regenfälle hatten die Strecke binnen einer halben Stunde in eine schmierige, lehmige Piste verwandelt. Der verantwortliche Motorradweltverband FIM beendete die Veranstaltung am Samstag vorzeitig – was nicht jedem schmeckte.

Der Wettergott kann’s eben keinem recht machen. Die monatelange Trockenheit hatte das Motocross-Gelände unterhalb der Rettichkreuzung in eine brettharte Piste verwandelt. Das Organisationsteam um den MSC-Chef Axel Siegle schuftete und flehte um Regen. Der kam tatsächlich in den Tagen vor der Veranstaltung. Am Samstag jedoch öffneten sich die Himmelsschleusen ein bisschen zu weit – ausgerechnet über Rudersberg.

Die Strecke war nicht mehr wiederzuerkennen, nach dem ersten Qualifikationsrennen war Schluss. Das zweite fiel buchstäblich ins Wasser – sehr zum Leidwesen von Michael Klooz. Der Welzheimer Seitenwagenfahrer, der mit Christian Sieber um die Quali fürs Rennen kämpfte, schied aus. Die FIM winkte die besten Gespanne der Quali-Gruppe A und die besten des Zeittrainings der Gruppe B in die Finalläufe durch. Sieber/Klooz hatten keine Chance mehr, sich zu verbessern und mussten die WM am Sonntag vom Fahrerlager aus verfolgen.

Ein bisschen Enttäuschung beim Lokalmatador

„Nach dem Reglement ist das in Ordnung“, sagte Klooz sichtlich enttäuscht. Dennoch sei der komplette Rennabbruch nur schwer zu vermitteln und zumindest diskussionswürdig. „Schließlich kam ja die Sonne wieder raus, mir tun auch die Zuschauer leid, die drei Stunden vorher heimgehen mussten.“

Etliche Motocross-Fans fuhren sowieso nicht nach Hause, waren sie doch aus halb Europa angereist. Viele übernachteten im Wohnmobil. Traditionell waren viele Niederländer nach Rudersberg gekommen, doch auch tschechische, britische, französische und belgische Flaggen waren zu sehen. Und, eher ungewöhnlich, finnische. Rund 50 Finnen waren per Flugzeug angereist und wollten ihren Landsmann Kari Kunnas zum WM-Titel brüllen. Der Beifahrer und sein estnischer Fahrer Kert Varik standen vor dem Finale an Position eins. Der Vorsprung vor Bax/Cermak betrug allerdings lediglich fünf Punkte.

Die indes waren nach dem ersten Lauf aufgebraucht. Bax/Cermak fuhren als Erste durchs Ziel, die estnisch/finnische Kombination wurde Dritte. So gingen die beiden Gespanne punktgleich in den letzten und entscheidenden Lauf. Hitchcock hätte es nicht besser hinbekommen. Diese Konstellation hatte den Vorteil, dass sich die üblichen Rechenspiele erübrigten. Wer vor dem anderen durchs Ziel kommt, ist Weltmeister.

Die Fans wurden also bestens bedient – auch von den Moderatoren. Nicht nur auf Deutsch und Englisch gab’s Informationen zum Rennverlauf und zu den Gespannen, sondern auch auf Niederländisch und Tschechisch. Die Bedingungen waren, kaum zu glauben eigentlich nach diesem Samstag, ziemlich perfekt. Es regnete nicht mehr, die Strecke trocknete rasch ab. Der lehmige Boden sorgte für ordentlich Grip. „Leicht ist die Strecke aber nicht – und anstrengend“, sagte Axel Siegle vor dem zweiten Lauf. „Da wird sich zeigen, wer richtig schnell fahren kann.“ Der MSC-Vorsitzende tippte auf Bax/Cermak – und lag damit richtig.

Rundum glücklich und stolz

Die beiden fuhren ein starkes und cleveres Rennen. Sie hielten sich aus sämtlichen Scharmützel heraus. Dass sie Marvin Vanluchene/Robbie Bax (Belgien/Niederlande) den Laufsieg überlassen mussten, störte nicht. Bax und sein Partner hielten Varik/Kunnas , die auf dem vierten Platz landeten, stets sicher auf Abstand. Lediglich ein Defekt hätte Bax/Cermak den Titel entreißen können. Das Material hielt, entsprechend groß war der Jubel bei der Zieldurchfahrt.

Mit dem ersten finnischen WM-Titel wurde es also nichts. Varik/Kunnas zeigten dennoch eine tolle Leistung. Und es ist davon auszugehen, dass die Finnen, Esten, Niederländer und Tschechen nach der Siegerehrung noch gemeinsam das eine oder andere Kaltgetränk zu sich genommen haben.

Rundum glücklich – und stolz – war der MSC-Chef Axel Siegle. „Unser Mehraufwand nach dem Starkregen am Samstag war unvorstellbar“, sagte er. Dank des immensen Einsatzes der insgesamt rund 400 Helfer sei die Veranstaltung gestemmt worden. „Und dank der Unterstützung vieler Vereine.“ Verständnis hatte er für die Zuschauer, die am Samstag vorzeitig den Heimweg antreten mussten und sauer waren. Schließlich hätten sie Eintritt bezahlt und auf Rennsport verzichten müssen. „Man hätte am Samstag vielleicht fahren können, aber dann wäre die Strecke für Sonntag in einem sehr schlechten Zustand gewesen.“ Für Siegle war’s schlichtweg „höhere Gewalt“. Wer zum Boxen gehe und wenn der Kampf nach einem K.o. früh beendet sei, „dann hast du 500 Euro für zehn Minuten bezahlt“.

Wichtig sei gewesen, dass die Gespanne am Sonntag ordentliche und reguläre Bedingungen vorgefunden hätten. „Schließlich ging es um die Weltmeisterschaft.“

So muss es sein: Erst im zweiten Finallauf ist die Motocross-Seitenwagen-Weltmeisterschaft beim 60. Rudersberger Motocross am Sonntag entschieden worden. Etienne Bax/Ondrej Cermak (Niederlande/Tschechien) überholten die bis dahin Führenden Kert Varik/Lari Kunnas (Estland/Finnland) und sicherten sich den WM-Titel.

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Es war einmal ein Spektakel auf dem Gelände des MSC Wieslauftal. Tags zuvor indes war die Laune zwischenzeitlich im Keller gewesen: Sintflutartige Regenfälle hatten

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