Rems-Murr-Sport

Motocross: Schnell fahren und möglichst wenig bremsen

de5e6105-ac3c-4b9b-8863-90b34a0108ec.jpg_0
Marco (links) und Leon Stradinger. © Niederführ / ZVW

Leon und Marco Stradinger aus Winterbach sind Motocross-Fahrer. Nachwuchsfahrer, denn sie sind erst elf beziehungsweise neun Jahre alt (Marco). Trotzdem haben sie schon viel zu erzählen.

Zum Beispiel von Stürzen. Dieses Jahr beim Rennen in Gerstetten, sagt Leon zu seinem jüngeren Bruder, „da bist du in den Zaun reingefahren“. „Nein!“, wehrt sich Marco. „Ich bin reingesprungen!“

Gerstetten war für den Jüngeren der beiden Stradingers ohnehin ein besonderes Rennen. Dreimal war er in einem Lauf gestürzt und ist trotzdem noch Zweiter geworden. An einen Crash kann er sich besonders gut erinnern. „Ich und Aaron (Kovac) sind nebeneinander auf eine Kurve zugefahren und keiner hat bremsen wollen.“ Weil aber die Kurve zu eng war für zwei Motorräder, kam keiner der beiden durch. Sie knallten gegeneinander und überschlugen sich.

Marco ist Gesamtzweiter im Baden-Württemberg-Cup

Gott sei Dank blieben sie unverletzt. Am Ende des Renntages war Marco Erster. Jetzt, zum Ende der Rennsaison, ist er Gesamtzweiter im Baden-Württemberg-Cup der 50-Kubik-Zentimeter-Maschinen. Im Vorjahr war er Dritter gewesen.

Leon ist Meister in der Klasse bis 65 Kubikzentimeter

Noch besser war sein Bruder Leon. Der war 2014 schon Meister in der 50-ccm-Klasse gewesen, jetzt sicherte er sich den Titel in der Klasse bis 65 Kubikzentimeter. Leon hat mit vier Jahren angefangen, auf einem Motocross-Motorrad zu fahren. PW 50 nennen sich diese zwei PS starken Einsteigermaschinchen. „Das ist noch nicht wirklich spektakulär“, meint Leon.

Einspruch Marco: „Die sind schon ganz schön schnell.“ Mutter Ingrid weiß, warum: „Du bist ja auch nur Vollgas gefahren.“ Da war er dreieinhalb.

Erste Versuche: Wie Radfahren üben

Angefangen hat alles damit, dass Vater Klaus sie mit zum Training beim MSC Wieslauftal in Rudersberg genommen hat. Die Jungs nervten, wollten auch fahren. Also gab’s die ersten Versuche auf der PW 50. Wie Radfahren-Üben sei das, meint die Mutter. Anschubsen und aufpassen, dass niemand umfällt.

Das war den Jungs aber bald zu wenig. „Ich weiß noch“, erzählt Marco, „wie ich fünf war.“ Eine schlimme Zeit. Rennen fahren darf man nämlich erst mit sechs. Erst dann gibt’s die Rennmaschine.

Günstiger als Motorsport auf vier Rädern

Die kostet bestimmt ne Menge Geld. „Nein!“, ruft Marco. „Das ist nicht teuer. Das ist der billigste Motorsport!“ Mutter Ingrid zieht dazu die Stirn kraus. Sie hat offensichtlich andere Informationen. Eine 50-ccm-Maschine kostet etwa 2800 Euro, die 65-er 3500. Hinzu kommt noch die Schutzausrüstung – und natürlich noch ein bisschen Fahrgeld zu den Rennen im BW-Cup des ADAC und ein paar Euro für Ersatzteile und ... Aber natürlich: Motorsport auf vier Rädern ist ganz sicher teurer.

Bis zu 60 Stundenkilometer schnell kann so eine 65er-Maschine werden und sie wiegt um die 60 Kilogramm. Eine Menge, sagt Leon. Er weiß das genau: „Die lag schon ein paarmal auf mir drauf.“

Ab 65 Kubikzentimetern wird auf Schaltgetriebe umgestellt

Er bekommt jetzt eine noch größere (85 ccm), Marco steigt um auf 65 ccm. Bei Marco ist es der normale nächste Schritt, Leon hätte weiter 65-er fahren dürfen, ist mit 1,54 Meter aber ein bisschen zu groß geworden. Marco – erst 1,35 m groß – hat’s künftig ein bisschen schwerer, weil ab 65 Kubikzentimetern von Automatik auf Schaltgetriebe umgestellt wird.

Gefahren wird dann wieder im BW-Cup des ADAC. Dort gibt’s genaue Vorschriften, jeder benötigt zum Beispiel eine Lizenz. Stürzt ein Fahrer im Rennen, sind sofort Sanitäter zur Stelle. Und wehe, die finden was! Dann ist die Lizenz erst mal weg. Die gibt’s zurück, wenn ein Arzt attestiert, dass man wieder gesund ist und fahren kann. Deshalb haben Leon und Marco Stradinger eine spezielle Taktik bei Stürzen entwickelt. „Vor den Sanitätern“, sagt Leon, „muss man regelrecht wegrennen.“