Rems-Murr-Sport

Nächste Überraschung im ZVW-Topspiel der Woche

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Überraschend deutlich haben Falko Frank (links) und Valon Selimi gegen den SV Kaisersbach (Matthias Kugler) verloren. © Gisbert Niederführ

Zu jedem Spielwochenende veröffentlichen wir unsere drei Topspiele - und tippen das Ergebnis. In der Nachbetrachtung gehen wir noch einmal darauf ein; und überprüfen, wie erfolgreich unsere Tipps waren.

Wieder einmal hat es eine Überraschung im ZVW-Topspiel der Woche gegeben. Im Landesligaderby verlor der TSV Schwaikheim zu Hause mit 0:3 gegen den Aufsteiger SV Kaisersbach. Der Liganeuling aus Kaisersbach blieb dadurch auch im sechsten Spiel in Folge ungeschlagen und schwimmt weiterhin auf einer Erfolgswelle durch die Liga.  Wer hätte es vor der Saison für möglich gehalten, dass der Aufsteiger SV Kaisersbach mit 3:0 beim Landesliga etablierten TSV Schwaikheim gewinnen würde? Wahrscheinlich nur die wenigsten. Was vor sechs Wochen noch unrealistisch erschien, wurde vor 160 Zuschauern am vergangenen Sonntag in Schwaikheim Wirklichkeit.

Der Aufsteiger strotzt momentan vor Selbstbewusstsein

Eigentlich war die Favoritenrolle vor dem Spiel ganz klar der Heimmannschaft zugesprochen worden. Bisher hatte der TSV Schwaikheim nämlich seine Heimspiele allesamt gewonnen und generell dein Eindruck erweckt, genau da anzusetzen, wo er in der vergangenen Saison aufgehört hatte: oben anzugreifen. Außer Frage stand, dass auch der Liganeuling einen mehr als ordentlichen Start hingelegt hatte, immerhin hatte er vor der Partie gegen den Rems-Murr-Rivalen lediglich einen Punkt weniger als dieser auf dem Konto - und jetzt sogar zwei mehr. Trotz des guten Starts stellten sich einige die Frage, wie lange der SV Kaisersbach diese Welle des Erfolgs aufrechterhalten könne. Eine Frage, die sich am Sonntag von alleine beantwortete: Tritt er so auf, kann er an guten Tagen jeden Gegner schlagen. Es war beeindruckend, mit welchem Selbstbewusstsein die Kaisersbacher in die Partie gingen. Welche Heimbilanz Schwaikheim vorzuweisen hatte, schien sie nicht im Entferntesten zu interessieren. Von der ersten Minute an war zu erkennen, dass sie auf fremdem Platz dem Spiel ihren persönlichen Stempel aufdrücken wollten. In Ballbesitz agierten sie sehr sicher und zeigten sich stets angriffslustig, hatten die Schwaikheimer den Ball, waren sie bei ihrer Defensivarbeit hellwach. Insbesondere in den Zweikämpfen zogen die Schwaikheimer meistens den Kürzeren. Hielten sie mal dagegen, wurde es oftmals vom Schiedsrichter abgepfiffen und bestraft: Sechs gelbe und eine rote Karte hagelte es für Schwaikheim alleine in der zweiten Halbzeit. Der TSV haderte dementsprechend praktisch durchgängig mit den Schiedsrichter-Entscheidungen, sodass wenig Zeit übrig blieb, um sich auf das eigene Spiel zu konzentrieren.

Kaisersbach über 90 Minuten gedankenschneller

Von Beginn an war der SV Kaisersbach die giftigere Mannschaft: Zweikämpfe entschied er meistens für sich, nach vorne war er immer gefährlich. Insbesondere das Offensivtrio mit Fabian Leidenbach, Philipp Kees und Timo Walter spielte sich teilweise in einen Rausch. Letzterer wurde für seinen Aufwand belohnt und traf in Schwaikheim gleich doppelt. Sein erster Streich gelang ihm in der 18. Spielminute zum 0:1. Leidenbach wurde in einer aussichtreichen Position gefoult. Den darauffolgenden Freistoß beförderte Gökhan Alkan nur an den Pfosten. Den Abpraller brachte der heranstürmende Timo Walter jedoch über die Linie, da er gedankenschneller war als die Schwaikheimer Defensive - wie so oft an jenem Sonntag. Sichtlich beeindruckt von dem Rückstand agierte der TSV verunsichert, sodass sich vermehrt kleine, aber fatale Fehler in sein Aufbauspiel einschlichen, die allerdings unbestraft blieben - ohne einen gut aufgelegten Lafferton im Schwaikheimer Tor hätte der TSV bereits vor dem Seitenwechsel höher zurückgelegen.

Traumtor von Timo Walter bringt die Vorentscheidung

Nach dem Wiederanpfiff änderte sich wenig am Spielgeschehen. Kaisersbach griff weiterhin heiter an, belohnte sich aber noch nicht. Schwaikheim dagegen agierte nach wie vor ungewöhnlich behäbig. Daher kam es wenig überraschend, dass Timo Walter auch bei seinem zweiten Treffer - zum zwischenzeitlichen 0:2 (64.) - zum wiederholten Male deutlich schneller im Kopf war als die gesamte Schwaikheimer Hintermannschaft. Bei einer auf den zweiten Pfosten verlängerten Ecke setzte sich Walter klug ab und brachte somit mehrere Meter zwischen sich und seinen Gegenspieler. Zwei Ballkontakte später lag der Ball im Tor. Ein herrlicher Volleyschuss aus der Drehung brachte die Vorentscheidung. Nachdem Schwaikheims Jochen Bartholomä nach einer harten Entscheidung des Schiedsrichters die rote Karte gesehen hatte (72.), war das Spiel aus Sicht der Heimmannschaft vollends verloren. Die entstandenen Freiräume wusste der eingewechselte Aleksandar Pribicevic zu nutzen. Er markierte nach einem gut getimtem Schnittstellenpass von Leidenbach den Entstand: 0:3.     

So sahen die Team-Chefs das Spiel

Leo Gjini, Trainer des SV Kaisersbach, war nach dem Spiel voll des Lobes für seine Mannschaft: „Die Jungs haben den Kampf von Anfang an angenommen, hinten konsequent verteidigt und nach vorne das Spiel klar dominiert.“ Der einzige Kritikpunkt sei die Chancenverwertung seiner Mannschaft gewesen, so Gjini: „Alleine Philipp Kees hätte dreimal treffen können.“ Da er und seine Mitspieler die Vorentscheidung nicht früher herbeigeführt haben, sei es zu lange spannend geblieben, bilanzierte Kaisersbachs Trainer. „Mit dem 2:0 durch Timo war das Ding durch.“ Kurz danach wurde Schwaikheims Bartholomä nach einem Foulspiel mit der roten Karte vom Platz gestellt. „Eine berechtigte Entscheidung“, kommentierte Gjini, „allgemein war die Gangart vom TSV heute überhart.“ Mit drei Verletzten sei er nach Hause gefahren, was die Freude über die drei Punkte deutlich gemindert habe.       

Sein Gegenüber, Aleksander Kalic, Trainer des TSV Schwaikheim, konnte dem nicht zustimmen: „Das Foulspiel meines Spielers war niemals eine rote Karte.“ Generell sei er mit den Entscheidungen des Schiedsrichters nicht zufrieden gewesen: „Der Schiedsrichter hat heute extrem kleinlich gepfiffen. Jede Aktion wurde abgepfiffen und sofort mit einer gelben Karte bestraft.“ So sei es auch vor dem ersten Gegentreffer gewesen: „Eine klare Fehlentscheidung. Erst wurde ein Handspiel nicht geahndet, dann aber ein Freistoß gegeben, der keiner war.“ Nichtsdestotrotz habe man nicht wegen dem Schiedsrichter verloren, relativierte Kalic seine Aussagen. Auch der Gegner sei keineswegs unterschätzt worden. „Wir haben heute einfach nicht die erforderliche Leistung auf den Platz gebracht“, bemängelte Kalic abschließend.   

Kaisersbach sechs Spiele in Folge ungeschlagen

Der SV Kaisersbach blieb mit dem Derbysieg über Schwaikheim auch im sechsten Spiel in Folge ungeschlagen und verbuchte den bereits fünften Saisonsieg: eine mehr als beachtliche Bilanz für einen Aufsteiger. Mit den jüngsten Erfolgen arbeitete er sich bis auf den fünften Platz in der Landesliga-Tabelle vor. Somit vertritt er nach neun Spieltagen gemeinsam mit dem TV Oeffingen (beide 17 Punkte) den Rems-Murr-Kreis am besten. Wer hätte damit vor der Saison gerechnet? Einer, der nicht damit gerechnet hatte, ist SV-Coach Gjini. Deswegen gebe es für ihn auch keinen Grund jetzt abzuheben: „Das klare Ziel ist weiterhin, den Klassenerhalt zu schaffen. Wir wollen so früh wie möglich die 40-Punkte-Marke knacken.“ Sehr wahrscheinlich, dass der SV beim kommenden Heimspiel gegen den Drittletzten, SV Leingarten, den nächsten Dreier einfahren wird. Favorit ist nämlich dann ganz klar der SV Kaisersbach. Eine Rolle, an die er sich gewöhnen sollte.

Schwaikheim trotz Dämpfer voll im Soll

Der TSV musste durch die überraschende Heimniederlage einen Dämpfer hinnehmen. Viel geändert hat sich dennoch nicht. Mit 15 Punkten ist er immer noch gut in der Tabelle positioniert: Auf den Abstiegs-Relegations-Platz hat er aktuell acht Punkte Vorsprung und nach oben hin ist er nach wie vor auf Schlagdistanz. Ähnlich sieht es auch Trainer Kalic: „Wir müssen weiterhin fleißig punkten. Wenn wir bis zum Winter noch drei- bis viermal gewinnen, sind wir gut im Geschäft.“ Dass es direkt am kommenden Wochenende wieder mit dem Gewinnen klappt, könnte ein schwieriges Unterfangen werden. Auswärts beim drittplatzierten TSV Crailsheim „wäre auch mal nur ein Punkt in Ordnung“, so Kalic, „trotzdem werden wir natürlich alles reinhauen.“

Und wie erfolgreich waren unsere Tipps?

Kreisliga B IV: TV Stetten II - SG Weinstadt III 2:2  - unser Tipp war: 2:2

Kreisliga A II: SV Allmersbach II - TSC Murrhardt 5:1 - unser Tipp war: 4:2

Landesliga: TSV Schwaikheim - SV Kaisersbach 0:3 - unser Tipp war: 2:0

Fazit: Nur der SV Kaisersbach hat uns überrascht.