Rems-Murr-Sport

Nach Spielabbruch: TSV Schornbach erbost über Urteil des Sportgerichts

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Symbolbild. © Danny Galm

Es kehrt keine Ruhe ein in die Diskussionen über den Abbruch des Spiels TSV Schornbach II – Anagennisis Schorndorf am 21. Mai in der Fußball-Kreisliga B I. Das Sportgericht Rems-Murr hat dem TSV Schornbach den Sieg zuerkannt, ihm aber auch – genauso wie Anagennisis Schorndorf – drei Punkte aberkannt und ihm 400 Euro Strafe aufgebrummt. Was den TSV entsprechend erzürnt.

Die Ausgangslage

Am 21. Mai standen sich in Schornbach der TSV II und Anagennisis Schorndorf gegenüber. Die Gäste waren Tabellenführer und hofften auf die Meisterschaft. Sie lagen allerdings in der 75. Minute mit 3:4 zurück, als das Unheil seinen Lauf nahm. Nach einem Foul eines Schornbacher Spielers direkt vor der Anagennisis-Bank sprangen Anagennisis-Betreuer und Fans auf und stürmten auf den Platz. Das taten danach auch Schornbacher Fans. Es entstand ein Tumult mit Schlägerei, weshalb die Polizei gerufen wurde. Der Schiedsrichter fühlte sich angegriffen und brach die Partie ab. Die Begegnung wurde vom Sportgericht für Schornbach gewertet, was Anagennisis die Meisterschaft kostete. Gegen das Urteil will Anagennisis Einspruch einlegen, der TSV Schornbach hat das bereits getan.

Das Urteil des Sportgerichts

Das Sportgericht sah es aufgrund des Schiedsrichterberichts als erwiesen an, „dass Personen, die beiden Vereinen zuzuordnen waren, minutenlang aufeinander eingeschlagen und eingetreten haben. Besonders hervorgetan hat sich hier u.a. ein Zuschauer des TSV (schwarzes T-Shirt, Glatze), der an den Auseinandersetzungen maßgeblich durch Schläge und Tritte beteiligt war“. Das Sportgericht stellt aber auch ausdrücklich fest, „dass die Tumulte und Auseinandersetzungen ihren Anfang im ,Platzsturm’ der Anagennisis-Anhänger, Spieler und Betreuer nach dem groben Foulspiel eines Schornbacher Spielers (...) hatten“.

Der Abbruch jedoch ging auf einen Angriff des Schiedsrichters zurück. Der, so das Sportgericht, schrieb in seiner Stellungnahme: „Ein Gästezuschauer wollte mich angreifen und am Kragen packen, was ihm aber nicht gelang.“

In der Stellungnahme von Anagennisis Schorndorf, eingereicht vom Rechtsanwaltbüro Schickhardt in Ludwigsburg, wird dem Schiedsrichter große Schuld am Abbruch gegeben. Der habe schon vor dem Spiel gesagt, „ihr seid alle Kanaken, ich kenne euch, ich werde jede Gelegenheit nutzen, um einen von euch rauszustellen“. (Was der Schiedsrichter dem Sportgericht gegenüber bestritt)

Zur Eskalation habe maßgeblich ein Schornbacher Zuschauer beigetragen, der zunächst einen Schornbacher Spieler geschlagen und später die Zuschauer massiv beleidigt habe.

Berücksichtigt bei der Strafzumessung wurden außerdem Vorstrafen beider Vereine, was vor allem den TSV Schornbach auf die Palme bringt. Der hat gegen „dieses unfassbare Urteil“ Einspruch eingelegt.

Der Einspruch des TSV Schornbach 

Die Schornbacher können zunächst nicht verstehen, „was die Vorstrafe wegen Schiedsrichterbeleidigung im Pokalspiel gegen Heiningen“ mit diesem Fall zu tun habe. Zudem können sie den Vorwurf „Vernachlässigung der Platzdisziplin“ nicht nachvollziehen. Der TSV habe von sich aus die Zahl der Ordner auf zehn erhöht, weil er sich der Brisanz der Begegnung bewusst gewesen sei. „Des Weiteren haben unsere Spieler der II. Mannschaft alles versucht, um die Sache zu beruhigen – also, was muss man sonst noch tun – bei der nächsten Begegnung gleich die Polizei bestellen?“

Der TSV sieht die Schuld eindeutig bei den Gästen und kann das Urteil deshalb nicht nachvollziehen. In der von Abteilungsleiter Werner Müller unterschriebenen Stellungnahme heißt es: „Wenn das in Ihrem Sinne Recht ist – was die alles bei diesem Spiel veranstaltet haben –, dann werden wir in Zukunft gegen keine ausländische Mannschaft mehr antreten.“

Der TSV fragt die Verbandsverantwortlichen zudem: „Wo stellen Sie sportwidriges Verhalten seitens des TSV fest? Wir haben alles getan, um irgendwie die Sache zu beruhigen.“ Dabei seien unter anderem zwei Ordner verletzt worden, die diese Körperverletzung auch bereits angezeigt hätten.

Die Schornbacher fühlen sich vom Urteil auch ganz allgemein im Stich gelassen. „Wenn das Schule macht, dann braucht sich der Verband nicht zu wundern, dass keiner mehr ein Ehrenamt übernehmen möchte, denn wir haben ja keine Rechte mehr!“

Auch der TSV Schornbach hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet.