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Nachwuchs-Sprinterin Lilly Kaden: Von der Spätzünderin zum Toptalent

Kaden
Für ihren Traum, es an die deutsche Spitze zu schaffen, trainiert Lilly Kaden vom VfL Winterbach hart. Und sie weiß, dass sie lernen muss, sich nicht frustrieren zu lassen, wenn’s mal nicht so gut laufen sollte. © Palmizi / ZVW

Lilly Kaden vom VfL Winterbach bezeichnet sich selbst als Spätzünderin. „Erst mit 14“ feierte die Sprinterin ihren ersten großen Erfolg: Silber bei den württembergischen Meisterschaften. Dann ging’s steil nach oben. Seit dieser Saison startet die DM-Dritte über 100 Meter in der Klasse U 18. Bei der U-20-DM am Wochenende in Sindelfingen will sie Erfahrungen sammeln.

Video: Die 15-jährige Lilly Kaden vom VfL Winterbach ist ein echtes Nachwuchstalent im Sprint.

„Letztes Jahr bin ich im Sprint deutlich besser geworden“, sagt die 15-Jährige. Sie hätte auch „gewaltig“ sagen können. Angesichts der kurzen Strecken sind die Steigerungen der persönlichen Bestzeiten von einer zur nächsten Saison mehr als bemerkenswert. Über 100 Meter verbesserte sich Kaden von 13,08 auf den Kreisrekord von 12,23 Sekunden, über 60 m (Halle) von 8,04 auf 7,76 Sekunden. Ein Verdienst nicht nur der Winterbacher Heimtrainer Manuel Lederer und Stefan Schurr, sondern auch des Landestrainers Sven Rees. Seit der Athleten-Sichtung 2016 gehört die Grunbacherin offiziell zum Landeskader, in dem sie zuvor schon mittrainierte. Im vergangenen Jahr reihte Kaden Erfolg an Erfolg bei der U 16: DM-Dritte, Süddeutsche Meisterin sowie Württembergische Freiluft- und Hallenmeisterin. Zudem führte sie die süddeutsche und württembergische Bestenliste an.

Lilly Kaden braucht die direkte Drucksituation mit dem Gegner

Über eine Freundin war Lilly Kaden mit acht Jahren zum VfL Winterbach gekommen und genoss dort die Grundlagenausbildung. Zunächst startete sie vor allem im Mehrkampf. „Aber ich brauch’ ein bisschen die direkte Drucksituation mit dem Gegner. Deshalb macht Laufen mir am meisten Spaß.“ Die Trainingsgruppe in Winterbach sei relativ groß, im Landeskader allerdings sei der Sprintbereich in ihrer Altersklasse nicht gerade üppig besetzt. „Deshalb mache ich immer beim Hürdentraining mit.“ Diese Disziplin beherrsche sie aber nicht so gut. Im Sprint läuft’s dafür umso besser.

Lernen, mit Frusterlebnissen umzugehen

In dieser Hallensaison ist es jedoch wesentlich schwieriger geworden für Lilly Kaden. Während sie in der Altersklasse U 16 regelmäßig vorne lief, muss sie sich jetzt in der U 18 gegen ältere Konkurrenz durchbeißen. Und lernen, mit Frusterlebnissen umzugehen. Bei den süddeutschen und baden-württembergischen Meisterschaften wurde die 15-Jährige jeweils Vierte. Besonders bitter: Gerade einmal fünf Hundertstelsekunden fehlten bei den Süddeutschen in Frankfurt am Main zu Platz drei, nur sechs waren’s zur Silbermedaille.

Derzeit feilt die Läuferin an ihrer Technik beim Start

Zwar sind die vierten Plätze durchaus als Erfolg zu werten, weil Kaden zu den jüngsten Läuferinnen gehörte. „Aber ich war schon enttäuscht.“ Während sich durch das Kadertraining ihre Lauftechnik verbessert habe, komme sie derzeit nicht so gut aus dem Startblock wie gewohnt. Früh verlorene Zeit ist auf so kurzen Strecken nur schwer wieder gutzumachen. „Deshalb trainiere ich jetzt viel Starttechnik.“

Am Wochenende bei den Hallenmeisterschaften der U 20 in Sindelfingen

Als Leistungssportlerin weiß Kaden, dass zu viel Frust nur dazu führt, dass sie verkrampft. Deshalb gilt es, einfach weiterzuarbeiten und die nächsten Wettkämpfe anzugehen – auch, wenn die Motivation mal nicht ganz so groß ist. Am Wochenende wird die Grunbacherin bei den deutschen Hallenmeisterschaften der U 20 in Sindelfingen starten. Ihr Trainer habe sie dazu überreden müssen, so Kaden. Ihr ist aber bewusst, dass sie, um stärker zu werden, Erfahrungen sammeln muss, auch wenn es diesmal in der höheren Altersklasse sicher nicht um Medaillen gehen wird.

Traum von einer internationalen Meisterschaft

In der Zukunft aber wird Kaden, sofern sie ruhig und verletzungsfrei bleibt, sicher wieder Erfolge einheimsen. Sie träumt davon, es an die deutsche Spitze zu schaffen. Und vielleicht auch mal an einer internationalen Meisterschaft, also einer EM oder WM, teilzunehmen. „Das wäre cool.“