Rems-Murr-Sport

Naomi Schiek hat das Rhönrad fest im Griff

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Unsere Praktikantin Naomi Schiek beim Training. © Ramona Adolf

Beim Rhönradturnen geht es rund. Manchmal hoch hinauf und mit turnerischer Eleganz wieder runter. Naomi Schiek hat das Rhönrad fest im Griff. 2013 war sie Schorndorfer Sportlerin des Jahres, mehrfach Baden-Württembergische Meisterin – und nun eine Woche lange Praktikantin in der Sportredaktion. Die nutzte sie, um über ihre Lieblingssportart zu schreiben.

Verflixt, jetzt ist es passiert. Ich bin mir mit dem Rhönrad über den Finger gerollt. Gott sei Dank geschieht das nicht allzu häufig, aber auch nach fast zehn Jahren Training genügt dazu schon ein klitzekleiner Konzentrationsfehler. Na ja, der Finger ist noch dran, wird aber noch ein paar Tage lang pochen und ein wenig blau werden.

Ich lasse das Rhönrad erst einmal stehen und lege eine kleine Pause ein, um den schmerzenden Finger zu kühlen.

Dann geht’s weiter. Wenig später hänge ich kopfüber im Rad und konzentriere mich darauf, im perfekten Moment zu schwingen, mit voller Körperspannung in die Brücke zu gehen und gleichzeitig mit dieser Übung die Rollrichtung des Rades zu wechseln. Sehr schön, der Kniependel hat geklappt. Ich bin zufrieden.

Seit ich mit sieben Jahren angefangen habe, Rhönrad zu turnen, habe ich viel dazugelernt. Ist es anfangs schon schwierig, überhaupt eine Umdrehung im Rhönrad zu schaffen, so stehen heute Überschläge, Flickflacks und Salti in und vom Rad herunter auf dem Trainingsprogramm.

Mut gehört dazu – und schwindelfrei sollte man sein

Immer noch fasziniert mich die Sportart. Sie beinhaltet einerseits turnerische Übungsteile, aber auch Kraft- und Schwungelemente. Manchmal sehe ich die Welt von hoch oben, und oft steht sie auch kopf.

Zwischen 1,30 und 2,40 Meter hoch ist so ein Rhönrad, das weltweit einzige mobile Großturngerät. Man sollte schon schwindelfrei sein, denn manchmal steht man in über zwei Metern Höhe oben auf dem Rad, und das erfordert Mut, Überwindung und Geschick – zumal das Rad in ständiger Bewegung sein muss.

Zweimal in der Woche, vor Wettkämpfen auch mal öfter, trainiere ich eineinhalb bis zwei Stunden beim TSV Haubersbronn und zusätzlich bei der DJK Göppingen, um mit größtmöglicher Eleganz und Schwierigkeit in und auf dem Rad zu turnen. Oder herunterzuspringen. So ein Sprung gibt einem immer für einen kurzen Moment das Gefühl zu fliegen.

Jeder Wettkampf ist ein Highlight

Im Rhönradturnen gibt es nicht so viele Wettkämpfe wie im Fußball. Deshalb ist jeder einzelne Wettkampf ein Highlight. Auch weil man dort Freunde aus anderen Vereinen trifft. Wenn Anspannung und Konzentration nach dem Wettkampf nachlassen, ist Zeit, sich auszutauschen. Und da wir uns nur bei Wettbewerben treffen, gibt es immer viel zu erzählen.

Meine absoluten Lieblingswettkämpfe sind die im Rahmen des Landes- oder internationalen deutschen Turnfestes. Die Stimmung dort ist immer großartig.

Rhönradturnen kann ganz schön anstrengend sein und auch der eine oder andere blaue Fleck gehört dazu. Trotzdem macht das Training Spaß. Besonders lustig ist es, wenn ich zusammen mit Johannes Keller (DJK Göppingen) trainiere. Der denkt sich immer gerne kreative Stunts aus und gibt sie gleich zum Besten. Johannes gehört zum deutschen Kader und will bei den Weltmeisterschaften im Juni in Cincinnati (USA) unbedingt wieder zu den Top Ten gehören.

Das ist auch mein Ziel: die Weltmeisterschaften. Aber für dieses Ziel muss ich noch einiges trainieren – möglichst ohne Schäden an den Fingern.