Rems-Murr-Sport

Nellmersbach gewinnt ZVW-Topspiel und wittert seine Chance

TrovatoG13_0
Ein wenig neblig war's zwar, aber der TSV Nellmersbach behielt den Überblick. © Gisbert Niederführ

Zu jedem Spielwochenende veröffentlichen wir unsere drei Topspiele - und tippen das Ergebnis. In der Nachbetrachtung gehen wir noch einmal darauf ein; und überprüfen, wie erfolgreich unsere Tipps waren.

Der TSV Nellmersbach hat seine vermeintlich letzte Chance genutzt, um vielleicht doch noch im Titelrennen der Bezirksliga mitzumischen. Im ZVW-Topspiel der Woche gewann er knapp mit 2:1 gegen den bisherigen Tabellenführer SV Allmersbach. Am kommenden Wochenende hat der TSV die Möglichkeit, den Abstand nach oben weiter zu verkürzen: Es wartet der neue alte Tabellenführer aus Remshalden.

Es war das Duell der beiden Hauptaufstiegsfavoriten in der Bezirksliga - zumindest, wenn man nach den Prognosen geht, die vor der Saison aufgestellt wurden: der TSV Nellmersbach gegen den  SV  Allmersbach, also der Fast-Landesliga-Aufsteiger gegen den Landesliga-Absteiger aus der Vorsaison.

Nellmersbach startete mit namhafter Verstärkung in die neue Saison

Nellmersbach stand bereits mit einem Bein in der Landesliga, als er im dritten und damit entscheidenden Aufstiegsrelegationsspiel gegen den TSV Schornbach in der Nachspielzeit den Ausgleich kassierte und im Anschluss in der Verlängerung verlor. Der sowieso schon hervorragende Kader des TSV wurde in der Sommerpause noch einmal namhaft verstärkt. Für die meisten Bezirksliga-Konkurrenten stand daher klar fest: Der nächste Meistertitel geht nur über Nellmersbach.

Allmersbach kann Landesliga

Als zweiter Top-Favorit wurde der Landesligaabsteiger SV Allmersbach auserkoren. Nach einer schwierigen Vorrunde hatte der Landesliganeuling in der Rückrunde bewiesen, dass er das Zeug dazu hat, in der Landesliga zu bestehen. Woche um Woche hatte er fleißig Punkte gesammelt - der Abstieg in die Bezirksliga konnte allerdings trotzdem nicht mehr abgewendet werden. Da das Umfeld in Allmersbach stimmig ist, kam es wenig überraschend, dass der Verein diesen sportlichen Einschnitt kompensierte und den Großteil der Mannschaft zusammenhielt. Dem landesligaerprobten Kader des SV trauten viele Außenstehende zu, dem großen Favoriten aus Nellmersbach die Show zu stehlen.

Alles möglich in der Bezirksliga-Rems-Murr       

Nach 14 Spieltagen ist die Situation mittlerweile eine andere. Keine der beiden Mannschaften schaffte es, einen sauberen Start hinzulegen: Allmersbach ließ bisher zehn  Punkte liegen und Nellmersbach sogar schon 17. Da es anders als in den Vorsaisons kein Überraschungsteam gibt, das die Patzer der Top-Favoriten (konstant) ausnutzt und vorne wegmarschiert, geht es sehr eng in der gesamten Bezirksligatabelle zu. So kam es, dass der SV Allmersbach mit seiner bisherigen Punkteausbeute vor dem Topspiel sogar an der Tabellenspitze stand und auch der siebtplatzierte TSV Nellmersbach noch nicht aus dem Rennen war. Durch den 2:1-Sieg im Topspiel verkürzte er den Abstand auf sieben Punkte und hat zudem ein Spiel weniger auf dem Konto.

So lief das Spiel

Am vergangenen Sonntag sahen 150 Zuschauer in Nellmersbach ein sehr wechselhaftes Spiel - nicht nur was das Wetter anging. Bei angenehmem Sonnenschein dominierten die Gäste aus Allmersbach die erste Halbezeit und waren vor allem bei Kontersituationen gefährlich. Folglich ging der SV in der 32. Minute nach einem zielstrebig ausgespielten Konter mit 1:0 in Führung: Nach einer Nellmersbach-Ecke kam Allmersbach in Ballbesitz und schaltete schnell um. Das Stürmer-Duo um Tim Fuchslocher und Kim Schmidt kombinierte sich per doppelten Doppelpass durch die gegnerische Hälfte, bis Fuchslocher alleine vor dem TSV-Gehäuse stand und den Ball nach einem Abpraller ins Tor schob.

Triffo und Urbitsch behielten im Nebelgeschehen den Durchblick 

Der TSV stellte in der Halbzeitpause zweimal um, Triffo und Reweland ersetzten Akgün und Garcia, der verletzungsbedingt ausschied. Die Wechsel zahlten sich früh aus. Bereits in der 47. Minute veredelte Luca Triffo mit seinem ersten Ballkontakt eine Trovato-Ecke. Bei seiner Volley-Direktabnahme blieb SV-Schlussmann Wieland ohne jegliche Abwehrchance. Der aufziehende Nebel verdrängte die letzten Sonnenstrahlen, den Durchblick behielt vor allem die Heimmannschaft, die jetzt mehr vom Spiel hatte. Lediglich drei Minuten nach dem Ausgleich hätte der TSV bereits in Führung gehen müssen. Wieder mal schlug Graziano Trovato einen gefährlichen Standard in den gegnerischen Strafraum. Nach einem bewusst gespielten Kopfball-Ping-Pong innerhalb der Nellmersbacher landete der Ball bei Andreas Schwintjes. Seinen Kopfball aus kürzester Distanz entschärfte Wieland allerdings mit einem tollen Reflex. Fünf Minuten später hatte der SV Allmersbach seine größte Tormöglichkeit in der zweiten Halbzeit. Schmidt scheiterte aber nach einer Eins-gegen-Eins-Situation mit Cioncan am Lattenkreuz.

Als der Nebel im Laufe der zweiten Hälfte zunehmend dichter wurde, hatte der TSV Nellmersbach weiterhin die klarere Sicht: Nach einem langen Abstoß gewann er zunächst das Kopfballduell im Mittelfeld, dann auch noch den zweiten Ball in Person von Andreas Schwintjes. Dieser schaltete blitzschnell und spielte einen perfekt getimten Schnittstellenpass auf den clever einlaufenden Yannick Urbitsch. Der Flügelstürmer tunnelte Wieland eiskalt zur 2:1-Führung (71.). In den letzten 20 Minuten ließ der TSV nichts mehr anbrennen und sicherte sich die wichtigen drei Punkte. Dass ausgerechnet Triffo und Urbitsch für die Siegtreffer sorgten, ist eine besondere Geschichte: In der A-Jugend stiegen die beiden mit der TSG Backnang in die Verbandsstaffel auf - ihr Trainer damals: Allmersbach-Coach Martin Weller.

So sahen die Team-Chefs das Spiel

„Aufgrund der zweiten Halbzeit war es ein verdienter Sieg für uns“, bilanzierte TSV-Trainer Tim Böhringer. Bei schwierigen Witterungsbedingungen und einem sehr tiefen Platz sei es vor allem ein vom Kampf betontes Spiel gewesen. Nichtsdestotrotz: „Wir haben uns in der Halbzeit vorgenommen, die Dinge so anzunehmen wie sie sind und trotzdem zu versuchen, Fußball zu spielen.“ Die Rechnung ging auf: Beim 2:1-Siegtreffer durch Urbitsch hielt der TSV den Ball flach und wurde belohnt. Nicht der einzige taktische Schachzug des Coaches, der sich auszahlte: „In der Halbzeit mussten wir verletzungsbedingt wechseln. Mit Triffo und Reweland brachten wir zwei Spieler, die noch einmal für frischen Wind sorgten“, so der TSV-Coach. Dass Luca Triffo mit seinem ersten Ballkontakt für den Ausgleich sorgte, spricht Bände.

Martin Weller, Trainer des SV Allmersbach, war mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden: „Ein Unentschieden wäre gerechter gewesen. In der ersten Halbzeit waren wir besser, Nellmersbach in der zweiten.“ Insbesondere mit den Gegentoren haderte er im Nachhinein: „Wir haben zu viele Standards gegen uns verursacht, da sind sie mit ihren großen Spielern (Cimander, Berkowitsch, Schreiner und Triffo) immer besonders gefährlich.“ Auch beim zweiten TSV-Treffer sah er Diskussionsbedarf: „Meiner Meinung nach stand Yannick (Urbitsch) klar im Abseits.“ Dass diese Situation nicht abgepfiffen wurde, ärgerte ihn vor allem aufgrund mehrerer Entscheidungen des Schiedsrichters, die zuvor getroffen wurden: „Auf unserer Seite hat er in der ersten Halbzeit mehrere Situationen abgepfiffen, in welchen Kim (Schmidt) eher nicht im Abseits stand.“

Trotzdem habe das Spiel auch seine positiven Seiten, relativierte Weller: „Im Vergleich zum Steinbach-Spiel war eine Leistungssteigerung unserer Mannschaft klar zu erkennen. Darauf können wir aufbauen.“ Auf die Frage, ob er es seinen ehemaligen Schützlingen Triffo und Urbitsch ein Stück weit gönnen würde, antwortete Weller mit seiner gewohnt sympathisch herzlichen Art: „Über deren Tore habe ich mich nicht gefreut“, lachte er, „aber für mich ist es immer wieder schön, die Jungs zu treffen und zu sehen, dass es ihnen gut geht.“

Nellmersbach hat die Möglichkeit, direkt nachzulegen, Allmersbach schaut erst einmal nur zu

Seine letzte Chance hat der TSV Nellmersbach genutzt, jetzt muss er zwangsläufig nachlegen: Durch den Sieg verkürzte er den Abstand auf den SV Allmersbach auf sieben Punkte, hat aber nach wie vor acht Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze, da es dort einen Führungswechsel gab. Der SV Remshalden nutzte die Gunst der Stunde, bezwang den SV Steinbach spät und schob sich zurück auf Platz eins. Beim neuen Spitzenreiter gastiert der TSV am kommenden Sonntag und hat dort die Möglichkeit, weiter Boden gutzumachen: Gewinnt er nämlich, würde er auf fünf Punkte an Remshalden herankommen und hätte dann binnen acht Tagen den Rückstand zur Spitze halbiert. Verliert er dagegen, müsste er seine nie ausgesprochenen Titelambitionen wohl begraben.

Der SV Allmersbach ist währenddessen zum Zuschauen verdammt, er ist spielfrei, da er kurz vor dem Abschluss der Hinrunde noch ein Spiel mehr als seine Kontrahenten auf dem Konto hat. Diese Pause kommt ihm sicherlich entgegen, nachdem er zuletzt Verschleißerscheinungen in der Mannschaft vermeldete. Die Spannung sollte er allerdings trotzdem hochhalten: Am 01.12. empfängt er im Rahmen des letzten Spieltags der Vorrunde den SV Remshalden zum absoluten Spitzenspiel - definitiv ZVW-Topspiel-Qualität.

Und wie erfolgreich waren unsere Tipps?

Kreisliga B4: SG Weinstadt III - SC Urbach II 6:3 - unser Tipp war: 2:0

Kreisliga A1: Zrinski Waiblingen - Iraklis Waiblingen 3:1 - unser Tipp war 4:3

Landesliga: TSV Nellmersbach - SV Allmersbach 2:1 - unser Tipp war: 2:2

Fazit: Hätte Kim Schmidt nicht nur das Lattenkreuz getroffen, hätte unsere Tendenz womöglich gestimmt ...