Rems-Murr-Sport

Norm erfüllt, EM-Start noch fraglich

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Marcel Fehr und Hanna Klein_0
Hanna Klein wurde nominiert, Fehr muss weiter bangen. © ZVW/Danny Galm
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Marcel Fehr. © Jens Körner
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Hanna Klein. © Jens Körner

Beim Meeting in Tübingen hat sich das Paar Hanna Klein und Marcel Fehr von der SG Schorndorf Normzeiten für die Leichtathletik-EM gesichert. Doch ob sie wirklich in Berlin mit dabei sein werden, wissen sie noch nicht. An diesem Montag werden die ersten sicheren Startplätze vergeben. Kleins Chancen auf die vorzeitige Nominierung sind größer als Fehrs.

Der empfindet mehr Erleichterung als Genugtuung nach der geknackten Norm fürs EM-Rennen der Männer über 5000 Meter. Im November war Fehr nach dem besten Jahr seiner Karriere deutliche Kritik an den schwammigen Nominierungskriterien des Deutschen Leichtathletik-Verbandes in dieser Zeitung sorgten für großen Wirbel.

Nun ist der 26-Jährige trotz aller Widrigkeiten trotzdem seinem EM-Traum ein großes Stück näher gekommen. Niemand kann jetzt mehr sagen: Das ist ein Schwätzer, der keine Leistung bringt.

Zwei EM-Tickets wird der DLV wohl vorzeitig vergeben

Ob Marcel Fehr aber tatsächlich in Berlin am Start sein wird, ist fraglich. Für die Laufdisziplinen hat der DLV je drei EM-Plätze vorgesehen. Über 5000 Meter haben bereits drei Athleten die Norm von 13:40 Minuten unterboten. Der SG-Läufer liegt mit seiner Zeit von 13:37,28 hinter Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen; 13:22,48) und Amanal Petros (SV Brackwede; 13:34,15) an dritter Stelle. Zwei EM-Tickets wird der DLV wohl vorzeitig endgültig vergeben, Stichtag ist Montag, 2. Juli. Der Dritte im Bunde wird sich den verbleibenden Konkurrenten stellen müssen.

Marcel Fehr hält es für sehr wahrscheinlich, dass noch weitere Athleten die Norm erfüllen werden. Clemens Bleistein (LG Stadtwerke München) etwa fehlen nur neuneinhalb Zehntel. Ein weiterer heißer Kandidat ist der wie Fehr aus dem Bundeskader geflogene Florian Orth (LG Regensburg). Dessen Saisonbestmarke liegt zwar nur bei 13:50,18 Minuten, seine persönliche Bestzeit aus dem Jahr 2016 aber bei 13:23. Auch dem derzeit noch gar nicht weit vorne in der Bestenliste zu findende Martin Sperlich (VfB LC Friedrichshafen) ist laut Fehr die Normzeit zuzutrauen.

Zum Showdown könnte es bei den deutschen Meisterschaften (20. bis 22. Juli in Nürnberg) kommen. Marcel Fehr geht davon aus, dort über 5000 Meter an den Start gehen zu müssen. Optimal für die EM-Vorbereitung wäre das nicht, denn die Strecke ist sehr kräftezehrend. Schon deshalb sind Fehr und sein Coach Uwe Schneider auf der Suche nach einem Lauf mit internationaler Topbesetzung im Vorfeld der DM. Diese Meetings sind allerdings sehr rar gesät.

Verzichtet ein Konkurrent auf einen Doppelstart, könnte Fehr profitieren

Am liebsten wäre es dem Schorndorfer freilich, wenn er das Ticket schon am kommenden Montag in der Tasche hätte. Diese Chance besteht ebenfalls, denn die Führenden Ringer und Petros haben auch die EM-Norm für die 10 000 Meter erfüllt. Konzentriert sich einer der Läufer nur auf diese Strecke, verzichtet also auf einen Doppelstart in Berlin, könnte Fehr davon mit der Nominierung über 5000 Meter profitieren.

Auf einen frühzeitigen festen Startplatz hofft auch Hanna Klein. Bei ihr sei die Situation einfacher als bei Fehr, so Schneider. In Tübingen sicherte sich die Läuferin, nach den 5000 Metern, bereits die zweite EM-Norm bei den Frauen: 4:06,46 Minuten über 1500 Meter (Norm 4:09).

Die 25-Jährige steht über beide Strecken auf Rang zwei in Deutschland. Da die EM-Finals über 1500 und 5000 Meter in Berlin an einem Tag ausgetragen werden, wäre ein Doppelstart unsinnig. Das erhöht Kleins Chance auf eine Vornominierung über zumindest eine Strecke sehr. „Es wäre schön, zu wissen, man hätte vor der DM schon was im Sack.“

Sicher kann sie sich freilich trotzdem nicht sein. Gibt es kein Ticket am Montag, „bin ich in einer ähnlichen Situation wie Marcel. Ich könnte in der Liste noch zurückfallen.“ Und dann käme es wohl auf ein Abschneiden in Nürnberg an. Oder Klein würde zuvor noch einmal in einem internationalen Toprennen überzeugen.

So eines zu finden ist aber, siehe Fehr, sehr schwierig. Dabei wäre Klein froh darüber, sich noch einmal bei einem Meeting über 1500 Meter beweisen zu können. Ihre Einschätzung klingt wie eine Kampfansage an die Konkurrenz: „Ich hatte noch nicht das Gefühl, einen Lauf gehabt zu haben, in dem ich mein Potenzial ganz abrufen konnte.“


Entspannung

Marcel Fehrs Verhältnis zum DLV war nach seinem Rauswurf aus dem Bundeskader deutlich getrübt. Nun hat der Läufer positive Erfahrungen gemacht: „Bei Bundestrainer André Höhne habe ich das Gefühl, dass er für mich ist. Ich werde in alles mit einbezogen.“ Ebenso gefreut hat Fehr, dass ihm der Leitende Bundestrainer Thomas Dreißigacker nach dem Meeting in Tübingen per Whats-App zur erreichten EM-Norm gratulierte.