Rems-Murr-Sport

Ohne Crowdfunding wäre Traum von der Kickbox-WM für Schorndorferinnen geplatzt

KickboxWM02
Janet Heinen (links) und Jenny Eska können dank finanzieller Unterstützung zur Kickbox-WM fliegen. Sie hatten auf einer Crowdfunding-Plattform um Hilfe gebeten. © Ralph Steinemann Pressefoto

„Wir, Janet Heinen und Jenny Eska, haben den Ansporn, die Weltmeisterschaft im Kickboxen des Verbandes WKU (World Kickboxing and Karate Union) zu gewinnen beziehungsweise den Titel zu verteidigen!“, heißt es auf der Website. Im Oktober soll es losgehen für die Kickboxerinnen der Schorndorfer Kampfsportschule Fight and More. Doch fast wäre dieser Traum, im Oktober nach Cardiff (Wales) zu fliegen und dort um den Weltmeistertitel zu kämpfen, geplatzt. Denn da ist kein Text, der auf der Seite der Sportschule informieren soll. Sondern es ist der Einstieg eines Textes, der das Crowdfunding-Projekt vorstellt. Denn ohne Unterstützer wäre die Idee vom Titel im Keim erstickt.

4000 Euro brauchen die beiden, die sich für dieses Event qualifiziert haben, für Flug, Hotel, Verpflegung vor Ort. Aber auch, um die Startgebühr und Nationalmannschaftskleidung zu bezahlen. Ein teures Unterfangen, das bislang 56 Helfer mit etwas mehr als 4000 Euro unterstützt haben.

Mehrere WM-Medaillen im Schrank

Janet Heinen und Jenny Eska sitzen im lichtdurchfluteten Raum der Sportschule auf der grauen Matte. Hinter ihnen die Boxsäcke, vor ihnen der Ring. An der Wand hängen Handschuhe, ein Paar liegt vor Heinens nackten Füßen. Als sie über den Erfolg der Crowdfunding-Aktion spricht, kann sie eine kleine Freudenträne nicht verstecken. „Das ist alles nicht selbstverständlich“, sagt die 37-jährige amtierende Weltmeisterin in der Disziplin Kick light Frauen bis 65 kg. Vor sieben Jahren begann Heinen mit dem Sport, nachdem ihre Tochter begonnen hatte. „Ich habe zwar spät angefangen, aber absolut meinen Sport gefunden“, ist sie überzeugt. Heute ist sie Mitinhaberin der Sportschule, die sie mit ihrem Mann, Hans-Jürgen Heinen, betreibt. Sie selbst hofft nicht nur auf mehrere Medaillen, die sie in Wales holen will, sondern auch darauf, von Nationaltrainer Harald Rögner ins Team aufgenommen zu werden und wie bei der letzten WM den Team-Titel holen zu können.

Medaillen sollen’s schon sein

Neben Janet auf der Matte sitzt Jenny Eska. 18 Jahre alt, ruhig und aufmerksam lauscht sie dem Gespräch. Auch sie ist Übungsleiterin, bald steht der Trainerschein an. „Ich habe mit 14 Jahren angefangen“, erzählt sie. Mit einer Freundin sei sie zu Fight and More gekommen. Die erste Trainingseinheit? Anstrengend, aber so fesselnd, dass sie mit ihren Trainings- und Wettkampferfolgen selbstbewusst zu ihrer ersten Weltmeisterschaft fahren wird. Ihr Ziel? „Ich werde mein Bestes geben“, sagt die 18-Jährige entschlossen. „Gute Einstellung“, meldet sich der Trainer zu Wort. Und ergänzt: „Für Jenny wünsche ich mir, dass sie eine Medaille nach Hause bringt, egal welche Farbe.“ Hans-Jürgen Heinen kennt seine zwei Schützlinge gut, weiß, wie er sie am besten fordert und fördert, kennt ihre Stärken und Schwächen.

Acht-Wochen-Programm bis zur WM

Ein straffes Trainingsprogramm von acht Wochen hat Hans-Jürgen Heinen zusammengestellt. Dabei gönnt er den Sportlerinnen einen Tag Pause pro Woche. Zwei Wochen Kondition, zwei Wochen Kraft für speziell Arme und Beine, zwei Wochen Schnelligkeit und zwei Wochen Feintuning. Zwei kleinere Wettkämpfe stehen noch an. Dann soll’s körperlich und mental passen, wenn’s drauf ankommt - in Cardiff.

Die Teilnahme müssen die Sportler aus eigener Tasche bezahlen. Vom Verband kommt keine finanzielle Unterstützung. „Wir hätten das nicht alles selber finanzieren können“, so Janet Heinen. Die Folge wäre die Abmeldung. Sponsoren zu finden sei schwierig, wirft Hans-Jürgen Heinen ein. Elf Schorndorfer Firmen habe er erst kürzlich angeschrieben, auf Antworten wartet er heute noch. „Mannschaften werden eher unterstützt, Einzelsportler haben es da schwerer“, so Janet Heinen.

Nicht nur den WM-Qualifizierten der Sportschule Fight and More aus Schorndorf geht es so. Auch andere Kickboxer rufen über Crowdfunding zur Unterstützung auf. Auch wenn das erste Ziel, die angesetzten 4000 Euro, erst einmal erreicht sind, läuft das Projekt noch wenige Tage. „Der nächste Wettkampf kommt. Und auch Ausrüstung können wir immer gut brauchen“, sagt Janet Heinen.

Körper und Mentalität

Dass diese Weltmeisterschaft gesichert ist, macht die zwei Teilnehmerinnen glücklich. Und ist ein Ansporn für’s harte Training, das derzeit aus vielen Läufen und Schwimmen besteht. Auch wenn das nicht die Lieblingseinheiten von Janet Heinen und Jenny Eska sind: Am Ende steht das Ziel. Nicht alles geben oder gar aufgeben gibt es nicht. Der Wille ist im Kampf das Entscheidende. Und den zeigen die beiden auf der Matte.

„Alle zwei haben sich wahnsinnig entwickelt“, findet auch Trainer Hans-Jürgen Heinen. Nicht nur auf der Matte seien die Kämpfe besser geworden, sondern auch das allgemeine Auftreten, die Sicherheit, das Selbstbewusstsein. „Das wollen wir in unserer Sportschule vermitteln. Das gehört zu diesem Sport dazu.“

Am 23. Oktober beginnt die WM. Eine aufregende Zeit, für Jenny Eska als Neuling, aber auch für Janet Heinen, die ihre dritte Weltmeisterschaft bestreitet. „Ich mache mir vor dem Kampf fast in die Hose“, gibt sie lachend zu. „Bis ich auf die Matte gehe und es losgeht, dann bin ich konzentriert.“ Die 18-Jährige pflichtet ihr schmunzelnd bei. „Aufregung muss sein“, findet der Trainer. „Ohne Aufregung wird man unvorsichtig.“

Info Mehr Infos zum Crowdfunding-Projekt gibt’s online auf www.toyota-crowd.de/janetheinen

„Wir, Janet Heinen und Jenny Eska, haben den Ansporn, die Weltmeisterschaft im Kickboxen des Verbandes WKU (World Kickboxing and Karate Union) zu gewinnen beziehungsweise den Titel zu verteidigen!“, heißt es auf der Website. Im Oktober soll es losgehen für die Kickboxerinnen der Schorndorfer Kampfsportschule Fight and More. Doch fast wäre dieser Traum, im Oktober nach Cardiff (Wales) zu fliegen und dort um den Weltmeistertitel zu kämpfen, geplatzt. Denn da ist kein Text, der auf der Seite

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper