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Paralympics: Kappel will eine Medaille

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Erfolgreicher Athlet in Rio: Niko Kappel gewann die Goldmedaille im Kugelstoßen. © Ramona Adolf

Lange hat Niko Kappel auf dieses Ereignis hingearbeitet, jetzt geht sein Traum in Erfüllung: Der Welzheimer gehört zum deutschen Aufgebot für die Paralympics in Rio de Janeiro. Doch er fährt nicht nur hin, um dabei zu sein. Schließlich ist er bei den Kleinwüchsigen Vize-Welt- und Vize-Europameister im Kugelstoßen. Deshalb sagt er: „Ich möchte eine Medaille holen.“

Video: Niko Kappel über das Gefühl zu erfahren, dass er an den Paralympics in Rio teilnehmen darf.

Die Vorbereitung war für die Athleten nicht gerade einfach, denn es gab düstere Nachrichten. Von Geldproblemen war die Rede gewesen, zeitweise sogar befürchtet worden, die Paralympics stünden auf der Kippe. Dann gab der internationale Verband IPC aber doch noch grünes Licht. Kappel hat mit dieser Entscheidung gerechnet: „Es hieß zwar, man hat paralympisches Geld benutzt, um Löcher bei den Olympischen Spielen zu stopfen. Ich glaube aber, es wäre wesentlich teurer gekommen, die Paralympics gar nicht stattfinden zu lassen.“ Vielleicht gebe es jetzt Abstriche, etwa bei der Eröffnungsfeier. Das ist für Kappel jedoch nebensächlich. Für ihn zählt: „Es sind Paralympische Spiele, egal in welcher Form. Das ist ein absolutes Highlight und entscheidet über meinen Weg der nächsten vier Jahre.“ Mit seinen 21 Jahren ist der Welzheimer noch jung, wenn alles gutgeht, werden die Spiele nicht seine letzten sein.

Siebenmal Junioren-Weltmeister

Die Liste seiner Erfolge ist schon jetzt sehr lang. Bei den Junioren war Kappel, Kugelstoßen und Speerwerfen zusammengerechnet, siebenmal Weltmeister, bei den Aktiven ist er amtierender Vize-Welt- und Vize-Europameister im Kugelstoßen. Nur der polnische Weltrekordhalter und ewige Rivale Bartosz Tyszkowski ist besser. Der Welzheimer möchte irgendwann an ihm vorbeiziehen, diesmal allerdings scheint der Abstand noch zu groß zu sein. Tyszkowskis Bestleistung steht bei 13,64 Metern, der deutsche Rekordhalter und zweitbeste Kugelstoßer der Welt hat 13,26 m erzielt.

Nebenher arbeitet Kappel bei der Volksbank

Beim Blick auf die Statistik fällt aber auch auf, dass Kappel seinen um ein Jahr älteren Kontrahenten immer mehr unter Druck setzt. „Bei der Junioren-WM 2010 hat der Pole mit 12,44 m gewonnen, ich habe nur 7,95 m weit gestoßen. Inzwischen bis ich ganz schön rangekommen.“ Das liege vor allem an der Zusammenarbeit mit Landestrainer Peter Salzer und der Umstellung auf die Drehstoßtechnik. Seit Ende 2014 hat sich Kappel von 10,54 m auf eben jene 13,26 m verbessert. Beachtlich ist diese Leistung schon deshalb, weil Tyszkowski als Profisportler den Luxus hat, zwölfmal wöchentlich zu trainieren. Kappel schafft gerade einmal die Hälfte dieses Pensums. Denn der Athlet des VfL Sindelfingen arbeitet auf einer 65-Prozent-Stelle bei der Volksbank. Den Rest seines Lebensunterhalts bestreitet er mittels eigener Sponsoren sowie Zuschüssen.

„Nachweislich gedopte Sportler sollten lebenslang gesperrt werden“

Seit seinen Anfängen ist Niko Kappel im Rekordtempo gereift. Er blickt hinter die Kulissen des Sports und vertritt klare Meinungen. Unverständlich ist für ihn, warum das IOC anders als das für die Paralympics zuständige IPC nach der Staatsdoping-Affäre nicht alle russischen Athleten für Rio sperrte. „Für jeden sauberen russischen Sportler tut’s mir leid. Aber die Entscheidung des IPC, Russland ganz zu sperren, ist ein Denkzettel. Doping ist absichtlicher Betrug. Wenn es bei einem Sportler nachgewiesen ist, gehört er nicht nur für zwei Jahre, sondern lebenslang gesperrt.“

Bestleistung abrufen

Kappel möchte mit sauberen Mitteln Bestleistungen erzielen. In den vergangenen Wochen wurde an den Feinheiten im Kugelstoßring gearbeitet, besonders daran, den Bewegungsablauf zu automatisieren und die Spitzigkeit zu verbessern. Der Welzheimer fühlt sich gut gerüstet für den Wettkampf am 8. September. Im Auge behalten muss Kappel nicht nur den polnischen Favoriten, auch Konkurrenten aus Brasilien, China und England stoßen über zwölf Meter weit. Im Mittelpunkt steht für den Neuling deshalb, seine beste Leistung abzurufen. Die sollte für eine Medaille reichen. „Wenn es dann trotzdem drei bessere Athleten gibt, bin ich enttäuscht, aber es wäre okay. Ganz schade wäre es aber, wenn ich meine Leistung nicht bringen kann.“ Druck verspüre er jedoch kaum. „Ich bin noch ein unbeschriebenes Blatt bei den Paralympics.“ Das wird sich hoffentlich bald ändern.

Kugelstoßen in Rio

Das Kugelstoßen der Kleinwüchsigen mit Niko Kappel findet in Rio am Donnerstag, 8. September, statt. Wegen der Zeitverschiebung wird die Entscheidung erst nach 0 Uhr MEZ, also bei uns am 9. September, fallen. Bei ARD/ZDF gibt es Livestreamings und tagsüber TV-Zusammenfassungen.