Fußball im Rems-Murr-Kreis

Physiotherapeut Martin Kleixner: SV Unterweissach ist wie eine Familie für mich

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Martin Kleixner eröffnet am 2. Mai seine Praxis direkt am Sportplatz des SV Unterweissach und zeigt damit, welch starke Verbindung er zum Verein hat. Dort betreut er als Physiotherapeut die Bezirksliga-Mannschaft und ist selbst in der AH aktiv. © Ralph Steinemann Pressefoto

Sie alle nennen ihn einfach nur „Doc“. Sein Heimathafen ist der SV Unterweissach. Und ab 2. Mai auch Platz seiner Praxis. Martin Kleixner ist mehr als der Physiotherapeut eines Fußballvereins. Und das Label des Doc hat er sich redlich erarbeitet.

Er steht auf dem Schotter vor seiner neuen Praxis im neuen Vereinsheim des SV Unterweissach. Noch sind die Arbeiten in vollem Gange, doch als der 67-Jährige die Tür zu seiner Praxis öffnet, sieht alles schon fast fertig aus. Farbenfroh und mit einem Ausblick auf den Rasen seines Herzensvereins, dem SVU.

Angefangen hatte für Kleixner alles mit der eigenen Autowerkstatt, Stress und einem Herzinfarkt im Alter von 38 Jahren. Es folgten der Herzschrittmacher, ein Bypass und Jahre, in denen es Kleixner schlechter und schlechter ging. Sein letzter Weg führte ihn nach Konstanz zu Kurt Mosetter. Nach einem Jahr Myoreflextherapie war aus dem Häufchen Elend wieder jemand geworden, der wieder Fußball spielen konnte. Die Myoreflextherapier ist, kurz erklärt, eine alternativmedizinische Behandlung, bei der in erster Linie Muskelansätze behandelt werden, um den Körper zur Selbstheilung anzuregen.

Werkstatt verkauft, um neue Wege zu gehen

Um nicht wieder in alte Muster und Leiden zu verfallen, wagte Kleixner einen Schritt auf einem neuen Weg, der ihn zu seiner eigenen Praxis führte. Er verkaufte die Werkstatt, brachte die 14 Mitarbeiter anderweitig unter und startete seine neue Karriere an der Universität Heidelberg mit Anatomie-Kursen. Nach der Ausbildung zum Physiotherapeuten begann er die Basisausbildung Myoreflex in München. Um ihn herum Ex-Fußballer, Ärzte, Chirurgen. Menschen, die ihn seither begleiten. Es entstand ein Netzwerk, das ihm seinen weiteren Lebensweg ermöglichte. An der TU in München lernte er das Lesen von Radiologiebildern, im Fernstudium in Wuppertal studierte er drei Jahre lang Heilpraktik. Kleixner ist ein Macher, ein Schaffer. Als 2017 seine Frau im Alter von 63 Jahren ausgerechnet an einem Herzinfarkt starb, war das ein Erlebnis, ein Schicksalsschlag, der ihn bis heute nicht loslässt. Also entschied er sich kürzlich, in Wien Traumatologie im Fernstudium zu studieren. „Ich bin einer, der das für sich selber lösen muss.“

Bayern München, Premier League und La Liga

In der Zeit zwischen 2012 und 2017 arbeitete der Weissacher nicht nur in seiner Praxis, sondern war auch viel unterwegs. Das Netzwerk aus Ärzten und Therapeuten, das er sich während der letzten Jahre aufgebaut hatte, führte ihn zum FC Bayern München, führte ihn in die Premier League und die La Liga nach Spanien. „Wir kümmerten uns hauptsächlich um Langzeitverletzte, um Spieler nach schweren Operationen.“ Hat es ihn da nie in diese internationale Fußballwelt gezogen? „Nein“, sagt er wie aus der Pistole geschossen und schüttelt den Kopf. „Einmal kam ein Angebot“, erinnert er sich. Per Fax sei es hereingerattert. Manchester United stand darauf. Zwei Jahre als Physiotherapeut beim englischen Erstligisten. „Meine Frau hätte mich gehen lassen. Aber ich wollte nicht. Ich wollte bei meiner Familie bleiben.“ Er sei einer, der seine Dorfgemeinschaft um sich brauche und vielen Menschen helfen will.

Sechs Wochen alte Babys bis zum 93-Jährigen

Die Arbeit in seiner Praxis, die er mit seiner Tochter Nadine und einer weiteren Mitarbeiterin und früheren Patientin, Kim-Laura Kelemen, betreibt, ist vielfältig. Es kommen Eltern mit ihren sechs Wochen alten Babys bis zum 93-Jährigen. „Der Mann konnte nicht mehr laufen, kam mit dem Rollstuhl zu mir. Heute fährt er wieder mit seinen Oldtimern durch die Gegend.“ Eine befriedigende Arbeit, die aber auch schwere Schicksale in seine Praxis spült. Mitnehmen tun ihn die nicht, sagt er. Er freue sich, ihnen zu helfen. „Es ist toll, Menschen mit nur zehn Fingern und der richtigen Ernährung helfen zu können.“

"So wie beim SVU war es nirgendwo"

Und das tut er ab 2. Mai in der Jägerhalde 44. Neben all dem Trubel und den internationalen Erfahrungen hat sich eines nicht geändert: der Bezug zum SVU. Noch immer trainiert der 67-Jährige als ältester Mitspieler in der AH des Vereins. „So wie hier war es nirgendwo“, sagt er. Vor seinem Herzinfarkt kickte Kleixner bei Vereinen wie dem SC Fornsbach, dem VfR Murrhardt, dem FC Viktoria Backnang oder der TSG Backnang. „Hier gehen alle menschlich miteinander um, es ist wie in einer Familie.“ Nach dem Tod seiner Frau habe er vom Verein viel Unterstützung bekommen. „Und deshalb will ich genau hierher.“

Sie alle nennen ihn einfach nur „Doc“. Sein Heimathafen ist der SV Unterweissach. Und ab 2. Mai auch Platz seiner Praxis. Martin Kleixner ist mehr als der Physiotherapeut eines Fußballvereins. Und das Label des Doc hat er sich redlich erarbeitet.

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Er steht auf dem Schotter vor seiner neuen Praxis im neuen Vereinsheim des SV Unterweissach. Noch sind die Arbeiten in vollem Gange, doch als der 67-Jährige die Tür zu seiner Praxis öffnet, sieht alles schon fast fertig aus.

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