Ringen im Rems-Murr-Kreis

„Prügelei“ beim Kampf ASV Schorndorf gegen ASV Mainz 88 war nur Handgemenge

Zuschauer
Gerangel auf der Matte und vor der Tribüne: Im Kampf zwischen dem ASV Schorndorf und dem ASV Mainz (in Rot der Schorndorfer Felix Baldauf gegen Etka Sever) war viel Feuer drin. © Ralph Steinemann

Wo es Emotionen gibt, ist Übertreibung nicht fern. Die zunächst von Schorndorfer Augenzeugen kolportierte Prügelei vor der Tribüne während des Halbfinal-Rückkampfs zwischen den Ringern des ASV und dem ASV Mainz 88 hat sich als zwar unschönes, aber folgenloses Handgemenge entpuppt. Zur Eskalation trugen offenbar nicht nur ein paar Mainzer Fans bei, sondern auch Schorndorfer.

So richtig gesehen hatte den Vorfall in der Sporthalle Grauhalde am Samstagabend, 12. Februar, anfangs fast keiner. Denn die Augen waren auf das Mattenduell zwischen dem Schorndorfer Felix Baldauf und Gästeringer Etka Sever gerichtet. Doch dann rannten urplötzlich Ordner sowie Ringer und Verantwortliche beider Teams zur Tribünenecke. Es gab viel Geschrei.

Androhung des Kampfabbruchs in Schorndorf per Lautsprecher wirkt

Zum Glück dauerten die Szenen nur ein paar Minuten. Die Ankündigung über Lautsprecher, der Kampf werde abgebrochen, wenn sich die Lage nicht schnell entspanne oder es zu einer weiteren Eskalation komme, half. Alle hatten sich wieder im Griff.

Manuel Senn, für die Bundesliga zuständiger Vizepräsident des Deutschen Ringer-Bundes, war unter den Schlichtern und redete mit mehreren Beteiligten. Seine Einschätzung: „Es war eine Situation Ordner versus Mainzer Fans. Warum, weiß ich nicht.“

Provoziert hätten aber beide Seiten, darunter auch der „Schorndorfer Einpeitscher“ im Publikum. Dass gleich fünf, sechs Ordner in die Ecke rannten, habe nicht gerade deeskalierend gewirkt. Trotz des entstehenden Handgemenges seien jedoch weder Schorndorfer noch Mainzer geschädigt worden. Der DRB lasse den Vorfall deshalb auf sich beruhen.

DRB-Vizepräsident Manuel Senn lobt den Einsatz des Schorndorfer Ordners Bernd Brosch

Zur Lösung des Konflikts hätten nicht zuletzt ein, zwei vernünftige Schorndorfer Ordner beigetragen. Insbesondere der ehemalige Ringer und Kampfrichter Bernd Brosch: „Er hat die Gemüter beruhigt und sich nach dem Vorfall dort an der Tribüne platziert.“

Senns Aussagen werden vom Vorsitzenden des ASV Mainz 88 gestützt. „Die Ordner und die Mainzer Fans waren sich schnell einig, dass es jetzt sportlich weitergehen soll. Insgesamt wurde der Abend mit Shakehands begonnen und mit Shakehands beendet. So gehört sich das“, sagt Baris Baglan.

Vorstandsmitglied Sedat Sevsay vom ASV Schorndorf bekam Handgemenge erst spät mit

Wie es zum Handgemenge kam, kann auch Sedat Sevsay nicht sagen. Das Vorstandsmitglied des ASV Schorndorf coachte das Team an der Seite von Cheftrainer Volker Hirt am Mattenrand. „Ich habe erst gar nichts mitbekommen, weil ich voll im Tunnel war. Als ich aber gesehen habe, dass ein paar Mainzer Schwergewichtlicher rübergerannt sind, bin ich auch hin. Da war so ein 1,90-Meter-Mann dabei. Ich habe gedacht, wenn der jetzt auch noch mitmacht, wird’s blöd.“ Sevsay ist seit 1998 beim ASV und sagt, einen solchen Vorfall habe er in Schorndorf noch nie erlebt.

Bei einer tatsächlichen Prügelei oder uneinsichtigen Beteiligten hätten die Schorndorfer von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und Zuschauer an die frische Luft setzen können. Laut Senn kann auch das Kampfgericht zu diesem Mittel greifen. Das war glücklicherweise nicht nötig. Nun werde der Verein den Vorfall intern aufarbeiten, verspricht Sevsay. „Wir sind davon überrascht worden.“

Ordner des ASV Schorndorf sind keine Profis, sondern Ehrenamtliche

Einen zu großen Vorwurf kann man jenen Schorndorfer Ordnern, die keinen kühlen Kopf bewahrt haben, nicht machen. Denn trotz der Bundesliga-Zugehörigkeit ist der ASV immer noch ein kleiner, mit viel Herzblut geführter Verein. Er beschäftigt keinen professionellen Sicherheitsdienst, sondern stellt Ehrenamtliche für die Arbeit ab. Und die haben nun mal in der Regel keine Erfahrung im Umgang mit hitzigen Situationen.

Für Sevsay ist klar, dass sich das ändern muss. „Wir überlegen, für Ordner das eine oder andere Coaching anzubieten, wie man deeskalieren kann.“ Und sollte es tatsächlich mal zu einer richtigen Prügelei im Publikum kommen? „Dann müssen solche Leute hochkant rausgeschmissen werden. Die wollen wir in unserer Halle nicht haben.“

Sportlich grandioser Halbfinal-Rückkampf gegen ASV Mainz

Was den Kampfabend am Samstag betrifft, war der Vorfall jammerschade. Denn viele Experten bewerteten das Duell zwischen Schorndorf und Mainz laut Sevsay als das spannendste der vergangenen Jahre in der kompletten Bundesliga. Am Ende gewannen die Gastgeber in der Sporthalle Grauhalde zwar mit 14:12, schieden wegen der 11:14-Niederlage aus dem Hinkampf aber denkbar knapp aus.

Auf der Matte war es trotz erhitzter Gemüter sehr fair zugegangen, und die insgesamt rund 550 Zuschauer beider Teams sorgten für eine grandiose Kulisse. Daran wird man sich noch in Jahren erinnern – und nicht an das Gerangel vor der Tribüne.

Wo es Emotionen gibt, ist Übertreibung nicht fern. Die zunächst von Schorndorfer Augenzeugen kolportierte Prügelei vor der Tribüne während des Halbfinal-Rückkampfs zwischen den Ringern des ASV und dem ASV Mainz 88 hat sich als zwar unschönes, aber folgenloses Handgemenge entpuppt. Zur Eskalation trugen offenbar nicht nur ein paar Mainzer Fans bei, sondern auch Schorndorfer.

So richtig gesehen hatte den Vorfall in der Sporthalle Grauhalde am Samstagabend, 12. Februar, anfangs fast

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