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Rätselraten um Hanna Kleins Ausstieg

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Hanna Klein gibt auf Rätselraten Ausstieg Leichtathletik EM Schorndorf_0
Hanna Klein kurz nach ihrem frühzeitigen Ausstieg im EM-Finale. © Alexander Roth
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Da war noch alles in Ordnung. Hanna Klein im 5000-Meter-Lauf vor Ancuta Bobocel aus Rumänien, die Siebte wurde.

Warum ist Hanna Klein bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin im 5000-Meter-Lauf vorzeitig ausgestiegen? Auch am Tag danach können das nicht einmal Trainer Uwe Schneider und Freund Marcel Fehr erklären. Eine Kurzschlussreaktion, vermuten beide.

Vier Runden vor Schluss war die Athletin der SG Schorndorf ausgestiegen. Reporter vor Ort vermuteten, es sei ihr schlecht, doch dem widerspricht ihr Trainer Uwe Schneider. „Es war kein physisches Problem.“ Was aber sonst?

Sowohl Schneider als auch Kleins Lebensgefährte Marcel Fehr hatten zwar Kontakt zu Hanna Klein, wollten die Gefrustete aber nicht allzu sehr bedrängen. So können beide letztlich nur spekulieren.

Hanna Klein äußerte sich am Montagnachmittag sehr zurückhaltend auf Facebook:

(DNF= "did not finish" englisch für „nicht ins Ziel gekommen“)

„Einen Blackout“ vermutet Uwe Schneider 

Bis zum Ausstieg habe Hanna Klein alles richtig gemacht. Abgesprochen sei auch gewesen, dass sie sich, wenn die Topläufer das Tempo erhöhen, zurückhalten sollte. „Vielleicht hat sie gedacht, das seien nur zwei, drei, und dann waren es aber sechs oder sieben. Vielleicht war sie in dem Moment überfordert“, vermutet Schneider. Weil sie sich selbst mehr erhofft hatte? Schneider: „So recht komme ich auch nicht dahinter.“

Zwar habe er gesehen, dass sein Schützling „etwas fester wird“. Aber mit einem Ausstieg habe er nie und nimmer gerechnet. „Das macht man nicht. Man läuft das Rennen zu Ende.“ Vor allem, weil ein Platz unter den besten zehn allemal möglich gewesen wäre. Schneider: „Sie hätte einfach nur heimjoggen müssen.“

Marcel Fehr dachte zunächst an einen Sturz

Auch Marcel Fehr war „völlig perplex“ gewesen. „Ich habe zuerst gedacht, sie sei gestürzt.“ Vor dem Rennen hatte er sie optimistisch und in guter Verfassung erlebt. Die Zwischenzeiten stimmten auch, sie sei auf Bestzeitkurs gewesen. „Womöglich war es eine Blockade, weil sie sich mehr erhofft hatte.“ Und auf der langen Strecke, das kenne er als Athlet selbst gut genug, melde sich irgendwann der Körper. „Das wird dann richtig eklig.“ Wenn das und der Frust zusammenkommen ...

So endete ein tolles Ereignis doch mit einigem Frust. Schneider: „Ich werde schon noch ein paar Tage brauchen, um darüber wegzukommen.

Marcel Fehr will die positiven Elemente aber nicht unter den Tisch fallenlassen. „Es war alles andere als selbstverständlich, dass wir beide hier antreten können.“ Und zu erleben, vor 60 000 Zuschauern zu laufen, statt wie sonst vor 300, sei unbeschreiblich. Mit seiner eigenen Leistung war er „einigermaßen zufrieden“. Sportlich habe sie gestimmt (Platz 18 in 13:37,66 Minuten), und doch mache es nachdenklich, „wenn man ein Jahr so hart trainiert und dann doch so weit weg ist von der Spitze“. Man frage sich, wie viel man noch trainieren müsse, um dorthin zu kommen?

Gefeiert haben die Schorndorfer dennoch

Er selbst hätte zwar durchaus noch ein paar Sekunden schneller sein können, doch hatte er wenige Tage vorher einen grippalen Infekt überwinden müssen. Und wenn ihn der ein paar Tage später erwischt hätte, wäre der Start sogar ins Wasser gefallen.

Gefeiert haben die Schorndorfer dennoch. Über 80 waren nach Berlin gekommen. Schneider hatte organisiert, dass sie sich alle danach treffen. „Es war gigantisch“, sagt Marcel Fehr. Und das trotz eines alles andere als optimalen Abschlusses.