Handball im Rems-Murr-Kreis

Rückblick: Aufsteiger SV Hohenacker-Neustadt trotzt riesigem Verletzungspech

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Ina Ortwein (in Rot gegen von links Janina Bausch, Lisa Baumgartl, Maja Raiser von der HSG Strohgäu) gehört bei der SV Hohenacker-Neustadt zu den Gewinnerinnen der Handball-Saison. © Ralph Steinemann

Schwere Verletzungen zentraler Spielerinnen oder Spieler verkraftet kaum eine Mannschaft. Schon gar nicht ein Aufsteiger. Bewundernswert ist es deshalb, wie die Handballerinnen der SV Hohenacker-Neustadt mit gewaltigen Personalproblemen umgegangen sind. Zu Recht nennt Trainer Frank Gehrmann den fünften Platz in der Abschlusstabelle der Baden-Württemberg-Oberliga „überragend“.

Trotz seiner langen Erfahrung hat Gehrmann eine Saison mit so viel Verletzungspech noch nie erlebt. Dabei habe er nach der coronabedingt abgebrochenen Oberliga-Saison 2020/21 den Fokus in der Vorbereitung angesichts der monatelangen Zwangspause zunächst darauf gelegt, die Spielerinnen im athletischen und konditionellen Bereich fit zu machen. „Wir haben mit Bedacht trainiert.“

Und doch musste das Team gleich den ersten Rückschlag hinnehmen. Leonie Förster, eben erst von einem Kreuzbandriss genesen, zog sich einen Riss der Achillessehne zu. Für die bemitleidenswerte Spielerin war die Saison damit schon zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hatte.

Auch Denise Kindsvater fällt bei SV Hohenacker-Neustadt wochenlang aus

Nach dem zweiten Saisonspiel kam’s noch dicker für Hohenacker-Neustadt: Syndesmose- und Außenbandriss bei Denise Kindsvater. Wochenlang musste die SV auf die Spielerin verzichten.

Sportlich lief’s zu Saisonbeginn dennoch herausragend: Die Mannschaft startete mit 8:0 Punkten und war – als Aufsteiger – Tabellenführer. Es folgte die erste Niederlage, das 22:32 beim TuS Schutterwald. Schlimm war aber nicht das Ergebnis, sondern das Saisonaus für Olivia Restivo. Ihren Kreuzbandriss während der Partie bezeichnet Gehrmann als Schock für die Mannschaft. „Sie ist in der Abwehr bei uns die tragende Figur gewesen.“

Traditionell vertraut Hohenacker auf eine sehr offensive 3:2:1-Deckung. „Die hat nach Olivias Verletzung nicht mehr funktioniert.“ Alles Improvisieren half zunächst nichts. Von den folgenden fünf Spielen gingen vier verloren, Ausnahme war der 25:21-Auswärtssieg bei der nicht konkurrenzfähigen SG Schenkenzell/Schiltach. Hohenacker schien auf dem Weg in den Tabellenkeller zu sein.

Aylin Kindsvater übernimmt bei SV Hohenacker-Neustadt Rolle der verletzten Abwehrchefin Olivia Restivo

Dann aber fing sich das Team, das, ein großer Vorteil, schon seit vielen Jahren zusammenspielt. Gehrmann hielt zwar am System fest, ließ die SV hinten aber deutlich defensiver agieren. Und Aylin Kindsvater fand mehr und mehr in Restivos Rolle als Abwehrchefin hinein. „Aylin hat das richtig gut gemacht“, lobt der Trainer.

Doch das Verletzungspech begleitete die Mannschaft weiterhin. Beim Skifahren zog sich Leonie Kaupp eine schwere Knieverletzung zu und fiel fortan aus. Damit nicht genug: Im ersten Training nach der Winterpause riss auch bei Leonie Pichler, hochgezogen aus der Bezirksliga-Mannschaft der SV, das Kreuzband.

Ein geregelter Trainingsbetrieb war kaum noch möglich. „Teilweise waren nur acht, neun Spielerinnen da. Da kann man taktisch wenig machen.“ Um das Team zu entlasten, reduzierte Frank Gehrmann das Pensum zeitweise von drei Einheiten pro Woche auf zwei.

Trainer Frank Gehrmann lobt Ina Ortwein und Lara Friese

Dass es dennoch weiterhin Siege gab, macht der Trainer am tollen Einsatz aller Spielerinnen fest. Außer Aylin Kindsvater hebt Gehrmann zwei besonders hervor. „Ina Ortwein hat einen Riesenschritt nach vorne gemacht und in der Rückraum-Mitte eine überragende Saison gespielt.“ Und Lara Friese, eigentlich auf Rechtsaußen beheimatet, „hat wegen der Ausfälle auf allen Positionen spielen müssen“. Mit Erfolg.

Ein weiterer Erfolgsfaktor war laut Gehrmann die Disziplin des Teams. „Wir hatten in dieser Saison keinen einzigen Ausfall durch Corona.“ Klar also, dass der Trainer sehr stolz ist auf seine Mannschaft. Sie hat ihre Oberliga-Tauglichkeit eindrucksvoll bewiesen.

Für die kommende Saison hat der Verein die im Rems-Murr-Kreis bestens bekannte Yvonne Stadler vom feststehenden Württembergliga-Absteiger HB Ludwigsburg verpflichtet. Künftig fest zum Oberligakader gehören wird die bisherige SV-Bezirksligaakteurin Rabea Müller (Linksaußen). Zudem will Gehrmann weiteren Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft die Chance geben, sich zu bewähren.

Mit Hohenacker-Neustadt, das hat die Saison gezeigt, wird in der Oberliga wieder zu rechnen sein.

Schwere Verletzungen zentraler Spielerinnen oder Spieler verkraftet kaum eine Mannschaft. Schon gar nicht ein Aufsteiger. Bewundernswert ist es deshalb, wie die Handballerinnen der SV Hohenacker-Neustadt mit gewaltigen Personalproblemen umgegangen sind. Zu Recht nennt Trainer Frank Gehrmann den fünften Platz in der Abschlusstabelle der Baden-Württemberg-Oberliga „überragend“.

Trotz seiner langen Erfahrung hat Gehrmann eine Saison mit so viel Verletzungspech noch nie erlebt. Dabei habe

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