Rems-Murr-Sport

Ricarda Lisks Karriere-Ende ist noch nicht in Sicht

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So sehen perfekte Trainingsbedingungen aus: Ricarda Lisk bei einer Trainingseinheit auf dem Rad in Aix-en-Provence. © Privat
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Ricarda Lisk. © Privat

Ein bisschen später als im vergangenen Jahr startet die Profi-Triathletin Ricarda Lisk in die Saison. Erstmals ernst wird’s in eineinhalb Wochen beim Wettkampf im Kraichgau, im Fokus stehen die EM in Wiesbaden und die WM in Australien – jeweils über die halbe Ironman-Distanz. Nebenbei bastelt die Korberin an ihrem zweiten Standbein als Triathlon-Trainerin.

Mit 35 Jahren zählt ein Triathlet zwar noch nicht zur Rollator-Fraktion. So langsam indes sollte sich ein Profisportler doch Gedanken darüber machen, wie er sein Leben nach dem Karriere-Ende gestalten möchte. Ricarda Lisk ist auf einem guten Weg, sie hat längst eine Idee, wie es weitergehen soll: Triathlon-Trainerin möchte sie sein, und daran arbeitet sie eifrig.

Perfekt ist’s, wenn sich beide Bereiche kombinieren lassen. So wie im Februar und März. Sieben Wochen weilte Lisk auf Fuerteventura. In den ersten vier Wochen war sie als Coach im Hannes-Hawaii-Tours- Camp beschäftigt, anschließend kümmerte sie sich um ihre eigene Form. Schließlich sollen am Ende der Saison ähnlich gute Resultate zu Buche stehen wie 2015 über die halbe Ironman-Distanz – 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen.

Zwei Top-Ten-Platzierungen in Barcelona und Brasilien, der achte Platz bei der Weltmeisterschaft in Zell am See und im Oktober zum Saisonabschluss mit Rang drei in Mexiko der erste Podestplatz überhaupt in einem 70.3-Wettbewerb.

Viel Zeit, die Beine hochzulegen, hatte Lisk allerdings nicht. Während ihrer fünfwöchigen Wettkampfpause leitete sie diverse Schwimmseminare. Ende November begannen die Vorbereitungen auf die neue Saison, Anfang Dezember ging’s für zwei Wochen auf Fuerteventura, im Januar trainierte Lisk mit der Gruppe von Lubos Bilek zehn Tage lange in Tschechien.

Ihren früheren Trainer traf Ricarda Lisk im Februar auf Fuerteventura wieder. Sie assistierte ihm in dessen Triathlon-Camp, dann leitete sie zum ersten Mal ein Hannes- Hawaii-Tours-Camp im Playitas Resort hauptverantwortlich. „Das war sehr aufregend, ich war supernervös“, sagt sie. Es sei nicht so einfach, vor einer Gruppe zu stehen und das Alphatierchen zu spielen. „Es sind ja auch richtig hohe Tiere dabei“, sagt Lisk und grinst.

Rund 70 Triathleten nehmen pro Camp teil, acht Guides kümmern sich um die einzelnen, nach Leistungsstärke eingeteilten Gruppen zu je maximal zehn Teilnehmern. Bei einer Theorie-Einheit werden zunächst die Regeln für die gemeinsamen Radausfahrten besprochen: Was bedeuten die Handzeichen? Wie wird gebremst? Auch ein Fahrsicherheitstraining steht auf dem Programm. Nicht immer seien die Gruppen homogen, sagt Lisk. „Alle haben Respekt und die gleiche Behandlung verdient – unabhängig von ihrem Status.“ Da sei ab und an diplomatisches Geschick gefragt. Im Idealfall regle es die Gruppe selbst, falls es unterschiedliche Vorstellungen geben sollte. Unterm Strich war Lisk sehr zufrieden mit dem ersten Camp unter ihrer Verantwortung. „Ich war zunächst einmal erleichtert, dass nichts passiert ist“, sagt sie. „Und ich habe gute Kritiken bekommen.“

Direkt nach den Camps bastelte Lisk an ihrer eigenen Form. Drei Wochen setzte sich der Tag mehr oder weniger aus Trainieren, Essen und Schlafen zusammen. Wobei die 35-Jährige nicht allzu sehr unter Druck stand und lediglich Grundlagentraining auf dem Trainingsplan stand. Im Vergleich zur vergangenen Saison verschiebt sich der Start ein wenig nach hinten.

Lisk muss nicht bereits am Anfang der Saison in Top-Form sein: Sie muss keine Punkte mehr sammeln, um sich für die WM zu qualifizieren. Durch ihre Erfolge der vergangenen Saison hat sie rund 2000 Punkte auf dem Konto und liegt derzeit auf dem 23. Platz der Rangliste. 35 Triathletinnen dürfen an der Weltmeisterschaft am 4. September in Australien teilnehmen. „Da passiert nichts mehr“, sagt Lisk. Drei Wochen zuvor steht die EM in Wiesbaden auf dem Programm, die erste Bewährungsprobe hat Lisk am 5. Juni beim Halb-Ironman Kraichgau. Dazwischen start sie bei diversen Grand Prix und Liga-Wettkämpfen (siehe rechts). Bei der EM möchte Lisk aufs Podest, in Australien peilt sie wieder einen Platz unter den ersten acht an.

Mit einem Auge blickt Ricarda Lisk bereits auf die Saison 2017. Dann wird sie 36 Jahre alt sein. Zeit also fürs Altenteil? „Ich bin gesund und fit und habe gelernt, mich um meine Schwachstellen zu kümmern“, sagt sie und grinst. „Momentan läuft es sehr gut, es gibt also keinen Grund aufzuhören.“

Info

Alles über Ricarda Lisk auf ihrer Homepage: www.ricardalisk.de

Terminkalender

  • 5. Juni: 70.3* Kraichgau (Halb-Ironman)
  • 12. Juni: Baden-Württemberg-Liga Schömberg
  • 19. Juni: Grand Prix Valence
  • 25. Juni: Chiemsee-Triathlon
  • 9. Juli: Baden-Württemberg-Liga Schluchsee
  • 14. Juli: Grand Prix Gray
  • 14. August: 70.3 Europameisterschaft Wiesbaden
  • 4. September: 70.3 Weltmeisterschaft Australien
  • 2. Oktober: Lila Logistik Charity Bike-Cup Ditzingen

*70.3: Ein Ironman-70.3-Rennen besteht aus 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 km Einzelzeitfahren und 21,1 km Laufen.