Ringen im Rems-Murr-Kreis

SC Korb startet mit 14:14 in die Oberligasaison

Ringen
Der Korber Asadullah Nemati (stehend) musste sich nach Punkten im Kampf gegen den favorisierten Ringer des KSV Musberg, Adrian Moise, geschlagen geben. Letztendlich sprang fürs Kober Team ein Unentschieden raus. © Markus Reyser

Zwei Gegner, eine Matte, ein Sieger, ein Unentschieden zum Schluss: Die Ringer des SC Korb haben zum Auftakt in der Oberligasaison ein Unentschieden gegen den KSV Musberg geholt. Ein Unentschieden, das für die Korber einerseits einen gelungenen Saisonstart in der Liga markiert, aber auch ein kleines Wermutströpfchen mit sich bringt, hätte man doch gleich in der ersten Halbzeit die Punkte nicht so leichtfertig verschenkt. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär’.

An diesem Samstagabend füllt sich die Ballspielhalle in Korb. Die Sitzplätze allesamt besetzt, einige Zuschauer schauen sich das Spektakel lieber im Stehen an. Und man darf verraten, dass es viele Korber am Ende sowieso gar nicht mehr auf den Sitzen gehalten hat.

An diesem ersten Kampftag ist nicht nur die Matte neu, auf der die Kämpfe ausgetragen werden und auf der sich vor Kampfbeginn die Kinder austoben, sondern auch im Regelwerk hat sich etwas getan: Die Reihenfolge der Kämpfe wird von nun an durch Los entschieden.

Nervosität vor dem Start

Während drinnen das Wiegen vor sich geht, genießen einige noch vor der Tür die letzten Sonnenstrahlen. Es dauert nicht mehr lange, da erklingen die ersten Töne von Metallicas „Enter Sandman“. Abteilungsleiter Uwe Schaal ist der tonangebende Mann, der jeden der Ringer einzeln vorstellte. Da ist Daniel Mezger, der für den ausfallenden Roman Schatz im Schwergewicht antritt, da ist Asadullah Nemati, Publikumsliebling und schwäbischer Afghane, und da ist der 2021 zurückgekehrte Fabian Fritz, der seinem Sohn noch einmal zuzwinkert, bevor er auf die Matte tritt. Lichter zirkeln, abklatschen, einschlagen, nervöses Tänzeln, gegenseitig anfeuern. Adrenalin.

Der Mann mit der Pfeife ist an diesem Abend von besonderer Prominenz. Schließlich hat man nicht alle Tage den Kampfrichter-Chef des Weltverbandes in der Halle. Antonio Silvestri ist in Korb ein bunter Hund, kommt aus dem Hallosagen und Händeschütteln vorher gar nicht raus. „Ich erinnere mich noch, als ich selbst hier in dieser Halle gegen den SC Korb gekämpft habe. Und später dann die ersten Kämpfe gepfiffen habe. Es war immer eine tolle Atmosphäre hier.“ Dass er in der Oberliga einen Kampf pfeift, ist für den aus Murr kommenden Silvestri immer wieder eine gute Übung, schließlich hat er oft mehr mit Organisation und Regelwerk zu tun. „So bleibe ich immer am Ball.“ Diese Woche ist er in Korb, nächste Woche in Belgrad (Serbien) bei der Weltmeisterschaft.

Catalin-Andrej Vitel eröffnet den Abend

Schon vorher wird in den Reihen gemunkelt: Das wird eng heute ausgehen. „Oft lässt sich das schon nach dem Wiegen etwas ablesen“, erklärt Marc Schubert, selbst langjähriger Ringer aus den Korber Reihen, der nun aber von den Rängen zuschaut. Aus der Korber Ecke ertönen Trommelschläge, die Trainer Matthias Krohlas und Udo Müller verfolgen gespannt und angespannt das Geschehen aus der Ecke am Ring.

Neuzugang Catalin-Andrej Vitel eröffnet mit dem ersten Kampf im griechisch-römischen Stil, 61 kg, die Oberligasaison für den SC Korb. Überrascht vom aggressiven Angriffsverhalten seines Gegners Valentin Lupu, hatte er ganz schön aufzuholen. Doch mit der Zeit schwächelt der Gegner, die Kondition lässt nach, Vitel kommt immer besser in den Kampf, holt Punkt um Punkt auf, spielte seinen größten Trumpf, die Fitness, aus und gewinnt das Duell noch knapp mit 18:16 Punkten.

Julian Ertolitsch startet gegen Julian Kellermann gut, doch dann holt der Gegner auf, nach 5:20 min. ist Schluss, vier Punkte gehen aufs Konto der Gäste. Die mit diesem Duell ihre Punktejagd starten.

Mit einer gehörigen Portion Erfahrung bekommt es auch Sulaiman Noori zu tun, der sich gegen Andreas Böpple geschlagen geben muss - 2:11.

Daniel Mezger gibt in der Klasse 130 kg, die eigentlich nicht unbedingt seine Gewichtsklasse ist, im griechisch-römischen Stil sein Bestes, ebenfalls in den Angriff zu gehen, wie es ihm sein Gegner Yousif Alnisani gleichtut. Am Ende entscheiden auch hier die Kondition und das Durchhaltevermögen bis zum Schlusspfiff, und die Punkte gehen aufs Musberger Konto - 3:8.

Zum Schluss der ersten Halbzeit bekommen die Zuschauer einen besonders sehenswerten Kampf zu sehen. Wenn auch der Ex-Bundesligaringer Fabian Fritz im griechisch-römischen Stil, 86 kg, fürs kürzeste Duell des Abends sorgt, bringt er wichtige Punkte und ein mehr als eindeutiges Ergebnis. Der ohnehin schon deutlichen Führung gegen den gut zwei Köpfe größeren Rico Rupp setzt er mit einem spektakulären Wurf über die Brust die Kirsche auf die Sahnetorte. Schultersieg nach 3:30 min., die Menge tobt, Fabian Fritz ebenso.

Asadullah Nemati gibt Punkte ab

Asadullah Nemati und Adrian Moise eröffnen die zweite Hälfte des Wettkampfes. (75 kg GR). Moise macht es dem Korber Publikumsliebling schwer, ermöglicht ihm nur wenig Chancen für einen Angriff. Moise siegt letztendlich nach Punkten.

Auch Enrico Baumgärtner (57 kg FR) trifft auf einen erfahrenen Ringer aus Musberg. Doch die reicht Cornel Predoiu nicht aus, Baumgärtner wirft sich leidenschaftlich in das Duell, holt zwei Punkte. Zwei wichtige Punkte, hatten die Hausherren doch ein paar Zähler aufzuholen, wenn sie nicht erfolglos in die Saison starten wollten.

Im Kampf zwischen Jozef Jaloviar und Radoslav Marcinkiewicz, der für Polen nächste Woche zur Weltmeisterschaft fährt, setzt sich keiner der beiden klar durch. Jaloviar lässt die Angriffe des Musbergers im Sande verlaufen, viel zu holen gibt es für die Gäste hier nicht, zwei Punkte aufs Mannschaftskonto.

Felix Rohrwasser sackt vier Punkte kampflos ein, Musberg kann hier keinen Gegner stellen (75 kg GR).

Zuschauer feuern an für mehr

Der letzte Kampf sorgt nicht nur für Adrenalin im kompletten Korber Team, die Nerven der Trainer werden direkt mal auf eine gute Zerreißprobe gestellt. Nur einer muss Ruhe bewahren: David Wagner. Mindestens drei Punkte braucht er, um sich und dem SC Korb das Remis zu sichern. Mit vier wäre der Kampf gewonnen. Angelos Apostolidis und Wagner machen es spannend bis zum Ende. Lärm, Geschrei von allen Seiten. Jeder will seinem Ringer noch etwas mitgeben, jeder in der Ballsporthalle will seinen Sportler unterstützen, anfeuern, ihn mit der Stimme und Klatschen zum Sieg tragen. So, dass ein älterer Herr zur Sicherheit lieber die Hörgeräte leiser dreht. Volle Konzentration auf den Ring. Getrieben von der Atmosphäre holt Wagner die nötigen drei Punkte.

Ein Unentschieden, mit dem beide Mannschaften leben können. „Bis zur Pause war es für uns schwierig, etwas zu reißen“, sagt Matthias Krohlas später. „Die zweite Hälfte lief für uns sehr gut.“ Ein spannender Weg zum Remis und ein guter Auftakt in der Oberliga für den SC Korb. Nächste Woche steht für die Mannschaft gleich eine Pause an. Da heißt es nacharbeiten an den Schwächen, noch besser werden. Denn der nächste Kampf kommt - und mit ihm der TSV Herbrechtingen. Das lässt Erinnerungen hochkommen, die noch gar nicht so lange her sind. Herbrechtingen hätte dem SC Korb fast den Aufstieg vermasselt - aber eben nur fast.

SC Korb - KSV Musberg 14:14. 57 kg FR: Baumgärtner - Predoiu 6:0 PS (2:0). 61 kg GR: Vitel - Lupu 18:16 PS (1:0). 66 kg FR: Noori - Böpple 2:11 PS (0:3). 71 kg GR: Ertolitsch - Kellermann 5:20 TÜ (0:4). 75 kg FR: Nemati - Moise 0:9 PS (0:3). 75 kg GR: Rohrwasser KL (4:0). 80 FR: Wagner - Apostolidis 14:0 PS (3:0). 86 kg GR: Fritz - Rupp 14:0 SS (4:0). 98 kg FR: Jaloviar - Marcinkiewicz 1:8 PS (0:2). 130 kg GR: Mezger - Alnisani 3:8 PS (0:2).

Zwei Gegner, eine Matte, ein Sieger, ein Unentschieden zum Schluss: Die Ringer des SC Korb haben zum Auftakt in der Oberligasaison ein Unentschieden gegen den KSV Musberg geholt. Ein Unentschieden, das für die Korber einerseits einen gelungenen Saisonstart in der Liga markiert, aber auch ein kleines Wermutströpfchen mit sich bringt, hätte man doch gleich in der ersten Halbzeit die Punkte nicht so leichtfertig verschenkt. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär’.

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