Rems-Murr-Sport

Schwieriges Jahr für den FC Welzheim

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Lukas Lehmann vom FC Welzheim im Luftkampf mit Joel Lux, Torhüter des TSV Althütte. © Gisbert Niederführ
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Trainer Özhan Bolat pausiert nach dieser Saison.

Die Tabellenspitze ist außer Sicht, das Tabellenende dagegen in bedenklicher Nähe – der FC Welzheim kann in dieser Saison mit seinen Ergebnissen in der Fußball-Kreisliga A II nicht zufrieden sein. Am Sonntag steht ein entscheidendes Spiel an und die Verantwortlichen denken bereits an die kommende Spielzeit.

Vorsitzender Heiko Stütz

Die Welzheimer spielten in der Kreisliga A II zumeist eine gute Rolle; früher als TSF Welzheim, seit 2006 als FC. Die Trennung vom Großverein sieht Heiko Stütz, Vorsitzender des FC, immer noch als sinnvollen Schritt an, auch wenn der FC sieben Jahre danach (2014) in die Kreisliga B abgestiegen ist; nachdem er sich auch ein Jahr zuvor schon erst im letzten Spiel noch gerettet hatte. Der Abstieg allerdings führte zu intensivem Nachdenken und einer neuen Struktur im Verein. Die Jugend wurde gestärkt, ehemalige Welzheimer in anderen Vereinen sollten zurückgeholt werden. Das führte 2016 zum Wiederaufstieg und zu einer Jugendabteilung, die sich sehen lassen kann. Der FC hat alle Altersstufen besetzt, zum Teil zwei- und dreifach. Hinzu kommen drei Mädchenteams. „Die Jugendarbeit ist seit einigen Jahren sensationell“, sagt Stütz. „Da arbeiten viele Menschen sehr viel.“ Was zum einen dazu führe, dass die B-Jugend in der kommenden Saison voraussichtlich mit 30 Spielern bestückt ist („Wir wissen gar nicht, wie wir die alle unterkriegen sollen“), zum anderen aber auch dazu, dass bereits jetzt klar ist: „Acht bis zehn Spieler“ rücken aus der A-Jugend nach oben zu den Aktiven. Das erleichtert die Kaderplanung der Vereinsführung, die überwiegend aus ehemaligen Spielern besteht. Stütz war selbst aktiv, sein Stellvertreter Markus Nohl und Spielleiter Ronnie Stettner ebenso.

Die kommende Saison werde ein Umbruchjahr werden. Viele neue, junge Spieler, mit Thomas Rieger vom FC Alfdorf kommt ein neuer Trainer („unser Wunschkandidat“). Zunächst allerdings muss der FC die aktuelle Saison erfolgreich hinter sich bringen. Wobei Erfolg mittlerweile nur mehr bedeutet: Klassenverbleib. Stütz geht davon aus, dass dies gelingt. Die Saison 2018/19 verlief bisher völlig anders als erwartet. „Ein schwieriges Jahr“, sagt Stütz. Viele Verletzte, zum Teil acht Spieler aus der Stammelf gleichzeitig, alle vier Torhüter – „das fangen wir mit unserm kleinen Kader nicht auf“. Zwar sind mittlerweile einige wieder an Bord, doch „die Spieler haben zu kämpfen“. Zum einen ist es schwierig, sich zu motivieren, wenn nach vorne nichts mehr geht (im Vorjahr war der FC Zweiter), zum anderen dürfe die Abstiegszone nicht außer Acht gelassen werden. Stütz: „Aber wenn wir zu Hause unsere Punkte holen, sollte es reichen“.

Spielführer Nico Dyrska

Das sieht Spielführer Nico Dyrska (21) ähnlich, vor allem, wenn er auf das nächste Heimspiel – gegen Schlusslicht SV Steinbach II – blickt. „Das ist ein ganz wichtiges Spiel. Da können wir uns Luft verschaffen.“ Bei einer Niederlage dagegen steckt der FC mitten im Abstiegskampf. Dabei hätte die Saison ganz anders laufen sollen. Nach der guten Saison 2019/19 „wollten wir oben mit angreifen“. Aber dann kamen die Verletzungen. „Wir haben die wenigsten Spiele in Bestbesetzung gemacht.“ Torjäger Luka Benic, 30 Treffer in der Vorsaison, fiel früh aus, sogar die Funktionäre Markus Nohl und Ronnie Stettner mussten aushelfen.

Weil im Winter viele der Verletzten wieder ins Training zurückgekehrt sind, wollte der FC gut ins neue Jahr starten, sich Luft verschaffen. „Tja, zu viel vorgenommen“, sagt Dyrska lakonisch. „Wir haben gleich das erste Spiel unter unfassbaren Bedingungen verloren.“ 0:1 beim TSV Althütte, vom Winde verweht.

„Es läuft einfach nicht in diesem Jahr.“ Dabei ist Dyrska überzeugt: „Von den Einzelspielern her gehören wir zu den besten Mannschaften der Liga.“ Trotz aller Widrigkeiten: „Die Mannschaft ist intakt, die Stimmung ist gut.“ Ein Sieg aber würde sie noch um einiges verbessern.

Trainer Özhan Bolat

Auch die von Trainer Özhan Bolat (37). Er hatte sich die Spielzeit ebenfalls ganz anders vorgestellt. Platz zwei im Vorjahr war die beste Platzierung, die der FC je erreicht hatte, das Relegationsspiel gegen den KTSV Hößlinswart (0:2) „ein Bonusspiel“. Obwohl Bolat damals schon daran gedacht hatte, zu pausieren, habe er sich gerade wegen des Erfolges und der Aussicht auf eine weitere gute Spielzeit zum Weitermachen entschlossen. Doch die Probleme begannen bereits früh in der Saison. Drei Spieler habe er „ungeplant“ verloren. Hakan Cantürk und Tolga Salman verabschiedeten sich nach der Vorbereitung, der Verein konnte nicht mehr reagieren. Torjäger Luka Benic verletzte sich im zweiten Spiel, fiel lange aus und wechselte in der Winterpause zum Bezirksligisten SV Unterweissach.

Von der Mannschaft, mit der Bolat vorne mitspielen wollte, war nicht mehr viel übrig geblieben. Weil noch viele Verletzte hinzukamen, mussten schließlich Tobias Krieg und Matthias Hinz, die sich schon in die AH verabschiedet hatten, wieder einsteigen.

Der Einstieg ins Jahr 2019 misslang nun auch. Zwar gewann der FC auf eigenem Platz gegen den FV Sulzbach/Murr, aber die beiden „Sechs-Punkte-Spiele“ in Althütte und Weiler zum Stein verlor er. Entsprechend wichtig ist die Partie am Sonntag gegen Schlusslicht SV Steinbach II. „Mal sehen, wo die Reise hingeht.“ Ins – wenn auch noch nicht sichere – Mittelfeld oder noch näher ran an die Abstiegszone.

Verletzungsfrei ist der FC immer noch nicht. Torwart Steven Perus wird in dieser Saison wohl nicht mehr eingesetzt werden können, mit Robin Dietrich fällt erneut ein wichtiger Spieler aus. Bolat: „Wir sind dieses Jahr wirklich nicht vom Glück verfolgt.“

Fakten zum FC Welzheim

Den FC Welzheim gibt es seit 2006. Zuvor gehörten die Fußballer als Abteilung zu den TSF Welzheim.
Die Welzheimer spielten mit der ersten Mannschaft überwiegend in der Kreisliga A II. 2014 aber stieg der FC ab.
Als der FC 2016 wieder aufstieg, tat er das mit der zweiten Mannschaft. Die wurde Meister in der Kreisliga B IV. Team eins belegte derweil nur Platz 14 in der B I.
In der Saison 2017/18 wurde der FC Zweiter, scheiterte in der Aufstiegsrelegation am KTSV Hößlinswart.
Erfolgreichster Torschütze in der aktuellen Saison ist Christian Handlos mit sieben Treffern. Dahinter folgt mit sechs Toren Spielführer Nico Dyrska, der im zentralen Mittelfeld spielt.
Trainer Özhan Bolat ist im fünften Jahr Trainer beim FC. Zunächst war er Coach der zweiten Mannschaft, dann Co-Trainer bei der ersten (mit Aufstieg), danach drei Jahre deren Chef-Trainer. Jetzt aber brauche er eine Pause, „mehr Zeit für die Familie“. Im kommenden Jahr könne er sich wieder ein Engagement vorstellen.