Rems-Murr-Sport

Sebastian Vasiliadis: Aus Lippoldsweiler in die Bundesliga

firo :   28.09.2019
Fußball, 2019/2020
1.Bundesliga:
SC Paderborn - FC Bayern München , Muenchen
Hier läuft Sebastian „Sebi“ Vasiliadis zwar Nationalspieler Joshua Kimmich davon, doch in der Tabelle liegt er mit dem SC Paderborn weiter auf dem letzten Platz. © firo Sportphoto/Jürgen Fromme

Sebastian „Sebi“ Vasiliadis (22) aus Lippoldsweiler, Fußballprofi beim Aufsteiger SC Paderborn, hat es schon in seinem ersten Jahr in der 1. Bundesliga zum Stammspieler gebracht. Unser Mitarbeiter Maximilian Grau kennt Vasiliadis aus seiner Zeit als Jugendspieler bei der TSG Backnang. Er hat ihn zu seinem Leben als Erstligaspieler befragt – und dazu, wie es einem als Schlusslicht in höchster Abstiegsgefahr geht.

Sebi, wie war die Umstellung von der 2. Bundesliga auf die Bundesliga?

Das war eine große Umstellung für mich. In der Bundesliga sind die Gegenspieler viel abgezockter und in jeglicher Hinsicht besser und cleverer. Ich würde sogar sagen, dass der Sprung von der 2. Bundesliga in die Bundesliga wesentlich größer war als der von der 3. Liga in die 2. Bundesliga.

Was hat dich in der Bundesliga bisher am meisten beeindruckt?

Die Kaltschnäuzigkeit der anderen Mannschaften. Es gab Situationen, da hat ein gegnerischer Stürmer aus praktisch gar nichts ein Tor gemacht.

Und welcher Gegenspieler gefiel dir besonders?

Philippe Coutinho (FC Bayern München & brasilianische Nationalmannschaft).

Die Qualität der Bayern ist enorm

Gegen Bayern habt ihr nur knapp mit 2:3 verloren. Wie war es denn für dich als zentralen Mittelfeldspieler, gegen Stars wie Thiago, Kimmich und den eben genannten Coutinho zu spielen?

Die Qualität der Bayern war enorm. Gerade wenn ich an Coutinho denke, der hat mich zweimal komplett vernascht. Das sind halt wirklich die besten Fußballer der Welt. Ein Spiel, das ich definitiv nicht vergessen werde.

Konntest du nach dem Spiel ein Trikot abstauben?

Ja, das von Joshua Kimmich. Das hatte aber einen besonderen Grund: Ich habe mit einem Kumpel von Kimmich gemeinsam beim VfR Aalen gespielt und wusste, dass die beiden einmal über mich gesprochen hatten. Nach dem Spiel bin ich zu Kimmich hin und meinte zu ihm: „Muss dir ja klar sein, dass ich dein Trikot bekomme?“ Er lachte und wir tauschten unsere Trikots. Nicht nur ein überragender Fußballer, sondern auch ein toller Typ.

Welches Trikot sicherst du dir als Nächstes?

Neben Kimmich habe ich bisher auch noch mit Nico Schlotterbeck (SC Freiburg) getauscht. Ich denke, ich werde auch mit seinem Bruder Keven tauschen (1. FC Union Berlin). Nachdem wir in der Jugend früher zusammen in der Rems-Murr-Auswahl gespielt haben, wird das Bundesliga-Duell etwas ganz Besonderes.

Mit gerade einmal 22 Jahren stehst du praktisch noch am Anfang deiner Karriere. Welche Auswirkung hat die Bundesliga auf deine Entwicklung?

In der Bundesliga bleibt dir gar nichts anderes übrig, als dich in allen Bereichen weiterzuentwickeln, sonst gehst du unter. Ich versuche, möglichst viel und schnell zu lernen. Ich merke, dass ich bereits einen Schritt nach vorne gemacht habe.

Bisher hast du in jedem Bundesligaspiel von Anfang an auf dem Platz gestanden. Wie wichtig ist das Vertrauen deines Trainers?

Dafür bin ich sehr dankbar. Gerade als junger Spieler ist es sehr wichtig, dass der Trainer dir das Vertrauen schenkt und dich aufbaut, wenn mal ein Fehler passiert. Trotz alledem habe ich keine Stammplatzgarantie. Ich muss in jedem Training und Spiel Vollgas geben, sonst kann es schnell sein, dass ich draußen sitze, dafür ist die Konkurrenz auf jeder Position einfach zu groß.

Training, Videoanalysen und gemeinsames Kochen

Wie sieht dein Tagesablauf als Bundesligaspieler aus?

Wir treffen uns morgens eine Stunde vor Trainingsbeginn, um gemeinsam zu frühstücken. Danach haben wir Training und Videoanalysen. Vor und nach der Einheit kann der Kraftraum benutzt werden, wo die ganze Mannschaft zudem einmal pro Woche einen Kraftzirkel macht. Im Anschluss gibt es meistens noch ein gemeinsames Mittagessen. In meinem Feierabend treffe ich mich oft mit Mannschaftskollegen, beispielsweise kochen wir dann zusammen.

Was kocht man denn als Bundesligaprofi – Ravioli aus der Dose?

Ich koche nur frisch (lacht). Meine selbst gemachte Lasagne kommt eigentlich immer gut an.

Wie verhalten sich die etablierten Bundesliga-Mannschaften euch gegenüber?

Definitiv mit Respekt, was sicherlich an unserer Torausbeute in der letzten Saison liegt. Beispielsweise haben sich Hertha BSC Berlin und Mainz 05 tief hinten reingestellt gegen uns und uns weitestgehend den Ball überlassen, weil sie womöglich Angst vor unserem schnellen Umschaltspiel hatten. Genau das macht uns auch stark und müssen wir beibehalten.

Aktuell steht ihr mit vier Punkten auf dem 18. Tabellenplatz. Glaubt ihr noch an den Klassenerhalt?

Der Glaube ist immer noch genauso groß wie vor der Saison. Bis auf die Spiele gegen Schalke und Hoffenheim hatten wir in jedem Spiel die Möglichkeit, Punkte mitzunehmen, und waren in keinem Spiel komplett unterlegen.


Sebastian Vasiliadis

Der SC Paderborn 07 ist momentan 18. der Bundesliga und hat sechs Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz.

Sebastian Vasiliadis (22) verbrachte große Teile seiner bisherigen fußballerischen Laufbahn im Rems-Murr-Kreis: FC Viktoria Backnang, FSV Waiblingen und zuletzt TSG Backnang. 2015 debütierte er mit gerade einmal 18 Jahren für den VfR Aalen in der 3. Liga. Im Sommer 2018 wechselte er zum damaligen Zweitligisten Paderborn und wurde direkt zum Stammspieler. Mit Paderborn gelang dem Mittelfeldspieler in der ersten Saison der Aufstieg in die Bundesliga, wozu er sechs Tore und zehn Torvorlagen beisteuerte.

In seiner ersten Bundesligasaison bestritt Vasiliadis bisher alle elf Spiele von Beginn an und bereitete ein Tor vor.