Motorsport Rems-Murr

Selbstversuch: Als Co-Pilot mit dem Deutschen Rallyemeister durch die Vulkaneifel

Rallye
Beim 10. Eifel-Rallye-Festival 2022 in Daun war Matthias Kahle mit seinem Skoda 130 RS der Publikumsliebling, der die Fans an allen drei Veranstaltungstagen mit seinen spektakulären Drifteinlagen begeisterte. © SASCHA DOERRENBAECHER

Der Korber Peter Göbel kennt als langjähriger Co-Pilot von Matthias Kahle (Köln) den Kick, im Grenzbereich über die Wertungsprüfungen (WP) zu fliegen. Wie es sich anfühlt, mit dem siebenfachen Deutschen Rallyemeister „quer“ durch die Vulkaneifel zu driften, durfte unser Mitarbeiter Ralf Hensel jetzt beim 10. ADAC-Eifel-Rallye-Festival 2022 in Daun selbst erleben.

Rallyefans aus ganz Europa strömen alljährlich Ende Juli zu Tausenden in die Vulkaneifel, um sich das „rollende Rallye-Museum“ anzuschauen. Nach zweijähriger, coronabedingter Zwangspause konnte jetzt endlich das zehnjährige Jubiläum der weltweit beachteten und hoch angesehenen Veranstaltung für historische Rallyefahrzeuge in gebührender Form nachgeholt werden.

Schöner driften mit Schotterreifen

Als Nachfolger der bis 2010 ausgetragenen Eifel-Rallye, die jahrelang fester Bestandteil der deutschen Rallyemeisterschaft (DRM) gewesen ist und deren letzte Ausgabe Kahle/Göbel gewonnen haben, hatte das Eifel-Rallye-Festival von Anfang an die Aufgabe, „der Geschichte des Rallyesports eine Heimat zu geben“, sagt Reinhard Klein vom veranstaltenden MSC Daun.

Im Gegensatz zur früheren Eifel-Rallye gibt es jedoch beim Festival keinerlei Zeitwertung. Jeder kann ohne Leistungsdruck völlig stressfrei so schnell fahren, wie er kann oder will. Obwohl es sich also „nur“ um Demonstrationsfahrten handelt, wird das Eifel-Rallye-Festival wie eine moderne Rallye organisiert. „Das betrifft vor allem die Sicherheit von Aktiven und Zuschauern, die uns sehr am Herzen liegt“, betont Organisationsleiter Otmar Anschütz.

Jubiläum bei Skoda

Doch nicht nur die Festival-Macher vom MSC hatten ein Jubiläum zu feiern, sondern auch die engagierte Truppe von Skoda Auto Deutschland aus dem hessischen Weiterstadt. „Heute genau vor 20 Jahren habe ich hier mit Peter Göbel bei der Eifel-Rallye 2002 auf einem Skoda Octavia WRC den ersten deutschen Meistertitel für Skoda Auto Deutschland gewonnen“, erzählt mir Matthias Kahle am ersten Veranstaltungstag. „Die Info habe ich von Peter Göbel erhalten. Der weiß so was, denn er ist ja der Statistiker.“ In der Tat führt der Korber seit Jahren über jede Rallye peinlich genau Buch – und nicht nur im DRM-, sondern auch im Oldtimer-Bereich, wie er mir selbst bestätigt.

Skoda Auto Deutschland zählt seit Jahren zu den Stammgästen des Festivals. „Für mich ist diese Veranstaltung jedes Jahr ein Highlight – und ein absolutes „Muss“ für alle Fans“, betont Matthias Kahle. „Hier dürfen wir die Autos volles Rohr bewegen und nicht nur halbherzig – das ist einma-lig“, schwärmt der 53-Jährige und strahlt. „Hier kannst du richtig Attacke machen und das ist super.“

Deshalb zählt der deutsche Rekordmeister aufgrund seines spektakulären Fahrstils auch seit Jahren zu den absoluten Publikumslieblingen des Festivals. Was er den Fans entlang der Wertungsprüfungen mit seinem kleinen tschechischen Sport-Coupé für ein Spektakel bietet, ist sensationell – doch ich werde es ja gleich selbst erleben.

Kahle ist einer von etlichen prominenten Piloten, die in der Gruppe der VIP-Fahrer hinter den Vorauswagen und vor dem Hauptfeld der insgesamt 155 Teilnehmer auf die Strecke geschickt werden. Wie in den Vorjahren hat sein Team den legendären Skoda 130 RS aus dem Jahre 1976 mit nach Daun gebracht. „Mit genau diesem Auto bin ich zusammen mit Matthias Kahle im November 2012 die Rallye Köln-Ahrweiler gefahren, wo wir die Klasse bis 1300 Kubik gewonnen haben“, erinnert sich Peter Göbel. „Das war gleichzeitig auch meine letzte Rallye überhaupt“, sagt der Korber. Beruflich organisiert der heute ebenfalls 53-jährige Journalist und fünffache Deutsche Rallyemeister mit seiner Agentur „plusrallye“ nicht erst nach seiner aktiven Laufbahn, sondern bereits seit 1999 verschiedene Oldtimer-Rallyes.

Andreas Leue, der Leiter der Motorsport- und Oldtimeraktivitäten bei Skoda Auto Deutschland, erklärt mir, dass er mich für die Schlussprüfung „Lehwald 2“ mit ihren spektakulären Asphalt- und Schotterpassagen eingeplant hat. Anschließend sei noch die Rückfahrt mit Kahle in den Service-Park nach Daun sowie der auch nicht alltägliche Weg über die Zielrampe vorgesehen.

Beim letzten Service-Stop in der Rallye-Meile in Daun kommt allerdings im Skoda-Lager leichte Hektik auf, denn Matthias Kahle berichtet „von starken Vibrationen im Bereich der Hinterachse“, die auf der letzten Wertungsprüfung aufgetreten seien. Doch die Ursache ist schnell gefunden. „Bei einem der Hinterreifen ist die Karkasse gebrochen, was durch die starke Belastung schon mal passieren kann“, beruhigt Kahle.

Also werden auf der Hinterachse schnell zwei neue Schotterreifen montiert und weiter geht’s. Apropos Reifen: „Wir fahren bei solchen Veranstaltungen grundsätzlich nur mit Schotterreifen, weil man damit viel schöner driften kann“, sagt der in Köln lebende Sachse. „Mit Slicks würde das Auto wie ein Go-Kart auf Schienen um die Kurven rollen und die Zuschauer hätten keinen Spaß.“

Begegnung mit Thierry Neuville

Jetzt kann es endlich losgehen. Die Skoda-Crew bringt mich im Shuttlefahrzeug zum vereinbarten Treffpunkt im Eifelort Mehren, wo ich in voller Montur kurz vor dem Start der Wertungsprüfung auf Matthias Kahle warte, der die vorige Prüfung mit einem Journalisten-Kollegen gefahren ist. Wenig später rollt zunächst der belgische Hyundai-WM-Star Thierry Neuville im privat eingesetzten Peugeot 306 Maxi Kit Car an mir vorbei. Da wir uns vom deutschen WM-Lauf in Trier kennen, winken wir uns kurz zu.

Dann kommt Matthias Kahle zum Wechselpunkt. „Alles klar, die Vibrationen sind weg“, sagt er erleichtert. Dann rollen wir zum Start der Prüfung. Dort steht vor uns nur der gelbe Peugeot des fünffachen Vizeweltmeisters Neuville. Sonst niemand. Ein Hauch von WM-Feeling liegt in der Luft. Als Neuville mit äußerst kernigem Sound in der Ferne verschwindet, zieht Matthias Kahle vor. Der Starter zählt wie immer per Handzeichen runter: fünf, vier, drei, zwei, eins – und los.

Mit 150 km/h auf die Kurve zu

Die 14,29 Kilometer lange „Königsprüfung“ des Eifel-Rallye-Festivals ist seit Jahren ein Klassiker im Programm und beginnt mit einer sehr schnellen Asphaltpassage auf einer breiten Kreisstraße. Der kleine, nur 130 PS starke Vierzylinder-Saugmotor mit 1,3 Liter Hubraum meldet sich im Heck lautstark zu Wort und dreht mühelos bis fast in den Begrenzer, der bei 8500 Umdrehungen einsetzt. Mit rund 150 km/h fliegen wir auf eine langgezogene Linkskurve zu, vor der Kahle nur kurz „lupft“, aber nicht bremst.

Aber hallo, denke ich und halte die Luft an. Das Heck des nur 850 Kilogramm leichten Flitzers wird beim Einlenken erst instabil und bricht dann leicht aus. Wir fliegen leicht gegenlenkend im kontrollierten Highspeed-Drift um die Ecke. Ich bin total überrascht, wie viel Grip heutzutage moderne Schotterreifen auch auf Asphalt aufbauen. „Im Wettbewerb fahre ich diese Kurve voll“, sagt Matthias Kahle wie selbstverständlich. Und Peter Göbel ergänzt: „Genau diese Stelle war schon früher für mich die spannendste Kurve der gesamten Veranstaltung, wo nichts schiefgehen sollte.“

Leicht instabil über den Schotter tanzen

Wenig später wirft Kahle das heckgetriebene Fahrzeug extrem quer über eine harte Kante in die folgende Linkskurve. Nach einer Autobahnunterführung zirkelt er den weißen Renner millimetergenau um zwei große runde Strohballen, die eine Links-rechts-Kombination begrenzen. Anschließend folgt ein steiles Bergaufstück. „Dort merkt man natürlich die fehlende Motorleistung“, sagt Kahle. Deshalb gelte die Regel: „Bei dem Auto lebst du vom Schwung.“ Dann tauchen wir ein in den Lehwald, wo Kahle das Coupé immer leicht instabil über den Schotter tanzen lässt.

Im weiteren Streckenverlauf erreichen wir den zentralen Zuschauerpunkt „Lehwald-Arena“, wo uns von der gegenüberliegenden Wiese mehrere Hundert Fans frenetisch begrüßen. Kahle wirft die Heckschleuder unter dem Jubel der Fans erneut besonders quer um die dortigen Ecken.

Nach eineinhalb Runden ist die tolle Erfahrung im Grenzbereich leider schon wieder vorbei, doch es folgt ja noch die abschließende Fahrt über die Zielrampe in Daun. Dort angekommen, steht wieder der gelbe Peugeot vor uns im Rampenlicht. Doch nach kurzem Interview und zahlreichen Fotos stehen wenig später wir auf der Rampe.

„Na also, als Zweiter hinter Neuville im Ziel – was wollen wir mehr“, scherzt Matthias Kahle, als würden wir gleich alle zusammen auf dem Siegerpodest stehen.

Der Korber Peter Göbel kennt als langjähriger Co-Pilot von Matthias Kahle (Köln) den Kick, im Grenzbereich über die Wertungsprüfungen (WP) zu fliegen. Wie es sich anfühlt, mit dem siebenfachen Deutschen Rallyemeister „quer“ durch die Vulkaneifel zu driften, durfte unser Mitarbeiter Ralf Hensel jetzt beim 10. ADAC-Eifel-Rallye-Festival 2022 in Daun selbst erleben.

Rallyefans aus ganz Europa strömen alljährlich Ende Juli zu Tausenden in die Vulkaneifel, um sich das „rollende

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