Rems-Murr-Sport

Skispringen: Janne Holz aus Waiblingen auf den Spuren von Markus Eisenbichler

Janne Holz
Da fliegt er: Janne Holz aus Waiblingen. Schnee gibt’s zwar keinen, die Form für den Winter aber wird im Sommer erarbeitet. © Niederführ

Ein Skispringer aus Waiblingen? Na, das kann ja wohl nichts Vernünftiges sein, oder? Und wo trainiert der eigentlich? In Degenfeld? Ist das nicht ein Stadtteil von Schwäbisch Gmünd, auch nicht gerade bekannt als das Mekka der Skiwelt? Das Dorf hat gerade mal 455 Einwohner. Allerdings hat es bereits eine Skisprung-Olympiasiegerin und eine Weltmeisterin hervorgebracht. Und der erst 14-jährige Janne Holz aus Waiblingen könnte nun derjenige sein, der den kleinen Ort in die Skisprung-Weltelite der Männer bringt. Zumindest traut ihm das sein Trainer zu.

Der Trainer traut Janne Holz den Sprung in die Weltspitze zu

Wenn Markus „Max“ Rohde so etwas sagt, hat das Gewicht. Immerhin ist der 52-Jährige im vergangenen Jahr als Skisprungtrainer des Jahres ausgezeichnet worden. Rohde betreut die U 16 des Baden-Württemberg-Kaders und ist zusätzlich hauptamtlicher Stützpunktleiter und -trainer in Degenfeld sowie Vorstand Sport im Skiclub Degenfeld. Er kennt Janne Holz, seit der vor viereinhalb Jahren mit dem Skispringen begonnen hat.

Ein Zeitungsartikel hatte den Waiblinger auf Degenfeld aufmerksam gemacht. Ferienkurs Skispringen – das war doch genau das, was der Zehnjährige wollte! Wie oft hatte er in Finnland, der Heimat seiner Großmutter, schon Skisprungschanzen besichtigt? Und hatte er nicht damals in Lahti gesagt: „Da möchte ich auch mal runterspringen“?

Erst vier Meter, jetzt springt der Waiblinger 100

Die ersten Hupfer in Degenfeld waren noch überschaubar gewesen. „Vier, fünf Meter“, erinnert sich Janne Holz. Doch schon im ersten Jahr steigerte er sich auf 20, 30 Meter. Heute steht seine Bestleistung bei 99 Metern. Und das auch nur, weil bei der Landung seines besten Versuchs die Hände den Boden berührt hatten. Sonst stünden 100 Meter in der Bestenliste.

Hoch oben über dem Tal blickt der Springer in die Tiefe

Wer die 112 Stufen der großen Degenfeldschanze hochstapft und von dort nach unten blickt, kann diese Angst nachvollziehen. Hoch oben über dem Tal blickt der Springer in die Tiefe. Für Janne und die anderen dagegen sorgt der Blick allenfalls dafür, dass Adrenalin ins Blut gepumpt wird. „Das hält wach“, sagt Markus Rohde. Und aufmerksam.

Zwar hält Rohde Skispringen für weniger gefährlich als Fußballspielen, aber vor kurzem erst hat der Sturz des Norwegers Daniel André Tande gezeigt, was dabei passieren kann. Der Norweger musste ins künstliche Koma versetzt werden. Janne Holz ficht das nicht an. Die Motivation, möglichst weit ins Tal zu segeln, ist bedeutend größer als die Sorge, abzustürzen.

Vor kurzem erst Deutscher Vizemeister geworden

Jannes Motivation reicht ohnehin viel weiter. „Ich möchte einmal im Weltcup ganz weit vorne landen“, sagt er. Trainer Rohde gefällt das. „Wenn ein Sportler mit seinem Talent sich so ein Ziel setzt, dann ist das nicht zu weit hergeholt. Er ist eines unserer größten Talente.“ Aktuell ist er noch im U-16-Landeskader, und vor kurzem erst Deutscher Vizemeister seiner Altersklasse geworden. Aber Rohde geht davon aus, dass Janne Holz in der kommenden Saison in den D/C-Kader des Deutschen Skiverbands aufrücken wird.

Janne, sagt Rohde, habe ein sehr gutes Fluggefühl und profitiere von seinen turnerischen Fähigkeiten. Parallel zum Skispringen ist der Waiblinger immer noch für den TSV Schmiden aktiv. Als er einmal im Flug einen Ski verlor, rettete er sich wohl auch dank seiner Erfahrungen an Barren und Reck.

Beweglichkeit ist wichtiger als Sprungkraft

Janne Holz, sagt sein Trainer, habe alles, was ein guter Skispringer brauche, angefangen von einer „riesigen Portion Mut“, dem Gefühl für seinen Körper („man muss wissen, wo sind meine Gliedmaßen“), er sei beweglich und habe eine gute Sprungkraft. Wobei die Beweglichkeit wichtiger sei als die Sprungkraft. „Skispringen ist so sensibel von der Anfahrtsposition her“, sagt Rohde. „Wenn ich die nur um einen Zentimeter verändere, beispielsweise weil ich nicht beweglich genug in der Hüfte oder im Fußgelenk bin, dann kann ich den Druck nicht optimal an den Schanzentisch bringen.“ Und aus 100 Metern Flug werden dann vielleicht nur 80.

Dreimal in der Woche trainiert Janne Holz in Degenfeld; auch zu Corona-Zeiten, denn die Schützlinge von Markus Rohde zählen zum Bereich Spitzensport. Viele Wettkämpfe gab es allerdings nicht.

Springen, wen möglich auf großen Schanzen

Das ändert sich, so hoffen alle, in der neuen Saison. Janne Holz möchte springen, möglichst auf großen Schanzen und – nach drei zweiten Plätzen hintereinander im Schülercup, der deutschen Meisterschaft der Schüler – endlich ganz oben auf dem Treppchen stehen.

Und irgendwann dann im Weltcup gegen die Weltelite antreten – am besten im Skifliegen.

Ein Skispringer aus Waiblingen? Na, das kann ja wohl nichts Vernünftiges sein, oder? Und wo trainiert der eigentlich? In Degenfeld? Ist das nicht ein Stadtteil von Schwäbisch Gmünd, auch nicht gerade bekannt als das Mekka der Skiwelt? Das Dorf hat gerade mal 455 Einwohner. Allerdings hat es bereits eine Skisprung-Olympiasiegerin und eine Weltmeisterin hervorgebracht. Und der erst 14-jährige Janne Holz aus Waiblingen könnte nun derjenige sein, der den kleinen Ort in die Skisprung-Weltelite

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