Fußball im Rems-Murr-Kreis

Spvgg Rommelshausen trotzt der Corona-Krise mit Fußballboom

Spvgg Rommelshausen
Joshua Schelkus, Yvonne Rothe und Marcel Kotthoff (von links) engagieren sich mit voller Kraft im Kinder- und Jugendbereich der Fußballabteilung der Spvgg Rommelshausen. © Benjamin Büttner

140 neue Mitglieder im Jahr 2021, 64 Trainer und Betreuer allein im Kinder- und Jugendfußball. Alle männlichen Jugenden besetzt, manche sogar doppelt. Die Mädchen ziehen nach, ab kommender Saison wird in jeder Jugend mindestens eine Mannschaft gemeldet. Diese Zahlen sprechen für sich. Die Spvgg Rommelshausen macht anscheinend vieles richtig. Doch was ist es, dass gerade in einer Zeit von Lockdowns, Einschränkungen und Home-Schooling die Anmeldezahlen der Fußballabteilung in die Höhe schießen?

Ein professionelles, ausgeklügeltes Jugendkonzept ist die Grundlage der Vereinsarbeit. „Das Konzept wird nie fertig sein, es wird immer weiterentwickelt“, erklärt Abteilungsleiter Marcel Kotthoff. Und dafür zieht man in dem Kernener Teilort an einem Strang: Abteilungsleiter, Jugendleiter, Jugendkoordinatoren, Sportlehrer, Sportwissenschaftler - die Liste ist lang. Sie alle haben ein sportliches Konzept entwickelt, das mehr Wert auf altersgerechtes Training, Spaß am Spiel und Fähigkeiten legt als auf pure sportliche Leistung und Ergebnisse. „Es ist schön, wenn man Erfolge mitnehmen kann, darum geht es ja im Fußball auch“, merkt der Abteilungsleiter an. „Das steht aber in unserer Kinder- und Jugendarbeit nicht im Fokus. Das kommt mit der Zeit.“

Ein Verhaltenskodex und soziale Kompetenzen

Das Wort Leistung beschreibt die Sportvereinigung mit den Worten Können, Lernbereitschaft, Trainingseinsatz, Kampfbereitschaft, Zuverlässigkeit und Mannschaftsdienlichkeit. Werte, die von allen erwartet werden. „Dazu haben wir auch einen Verhaltenskodex, der von allen unterschrieben wird“, so Yvonne Rothe. Die Koordinatorin der Juniorinnen war bereits bei anderen Vereinen, hat mit der Mannschaft des Karlsruher SC in der Regionalliga gespielt und fühlt sich in Rommelshausen pudelwohl. Sie lobt vor allem die gute Stimmung innerhalb der Mannschaft und der Abteilung. „Mädchenfußball ist eigentlich zurzeit nicht so hip“, gibt sie zu. Und schiebt lächelnd hinterher: „Bei uns aber schon.“

Der Fußballkindergarten für die Jüngsten

Viele der Anmeldungen haben den Verein wohl über den Fußballkindergarten erreicht, schätzen die Macher. Der findet seit September 2020 regelmäßig statt. Ein Termin für Kinder zwischen drei und fünf Jahren, die normalerweise noch zu jung sind, um im Verein Fußball zu spielen. „Wir haben den Bedarf gesehen“, so Rothe. „Aber mit diesen Folgen haben wir nicht gerechnet.“ Die Folgen? Das waren zu Höchstzeiten 100 angemeldete Kinder, die mit ihren Eltern zum Springen, Hüpfen, Toben kamen. Eine Art Eltern-Kind-Turnen auf Fußball gemünzt. „Es geht nicht allein darum, Fußball zu spielen“, erklärt Joshua Schelkus, Jugendkoordinator und Trainer.

Beim Fußballkindergarten geht es um Bewegung - mit und ohne Ball. Spielerisch werden koordinative und kognitive Fähigkeiten gefördert. So lernen auch Eltern den Verein kennen, bringen sich bei den verschiedenen Übungen mit ein und finden vielleicht Gefallen an der Arbeit mit den Kindern. Der Fußballkindergarten wird geleitet von mehreren Trainern und Betreuern. Eltern helfen mit. Die Verantwortlichen achten darauf, dass Männer und Frauen dabei sind, die helfen. Nicht nur beim Fußballkindergarten, auch später als Trainer und Betreuer in den Jugenden. „Für Mädchen ist es wichtig, auch weibliche Identifikationsfiguren und Vorbilder zu haben“, findet Rothe.

Über den Tellerrand hinaus

Drei Trainer sind der Kopf jeder Mannschaft. „Ich finde es wichtig, dass man die Trainer in ihrem Ehrenamt unterstützt. Und dazu gehört auch, Druck und Verantwortung von einem Einzelnen zu nehmen“, so Kotthoff. Die Trainer kommen nicht alle aus dem Fußball. „Wir haben auch Leute aus dem Handball oder dem Hockey dabei.“

Ein Blick über den Tellerrand, den die Spvgg Rommelshausen in einigen Punkten wagt. So haben sie auch Konzepte entwickelt, bei denen jugendübergreifend trainiert wird. „Das war eine tolle Erfahrung“, so Rothe. „Man sieht mal alle Kinder und die lernen auch die Trainer mal kennen.“ So können alle voneinander lernen, der Austausch ist da. „Wir haben den Mut, etwas zu machen“, so Kotthoff. Zum Beispiel die vielen Aktionen für Kinder während der Korber Kirbe. Oder das Ferienprogramm, bei dem die Spvgg den Kindern verschiedene Sportarten vorgestellt hat.

Unsichere Zukunft, aber volles Engagement

Die Spvgg Rommelshausen hat der Corona-Lethargie getrotzt. Hat währenddessen 14 Corona-Hygienekonzepte erstellt. Und schon wieder ist Organisationstalent gefragt. Wenn die Politik durchsetzt, dass Kinder ab zwölf Jahren auch unter die 2G-plus-Regelung fallen, dann ist Sport für ungeimpfte Kinder bald tabu. „Es ist richtig, die Alten zu schützen“, beginnt Kotthoff. „Aber man muss Kindern die Möglichkeit geben, Sport zu machen.“ Die Vereine würden leiden, sind sich Kotthoff, Rothe und Schelkus sicher.

140 neue Mitglieder im Jahr 2021, 64 Trainer und Betreuer allein im Kinder- und Jugendfußball. Alle männlichen Jugenden besetzt, manche sogar doppelt. Die Mädchen ziehen nach, ab kommender Saison wird in jeder Jugend mindestens eine Mannschaft gemeldet. Diese Zahlen sprechen für sich. Die Spvgg Rommelshausen macht anscheinend vieles richtig. Doch was ist es, dass gerade in einer Zeit von Lockdowns, Einschränkungen und Home-Schooling die Anmeldezahlen der Fußballabteilung in die Höhe

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