Fußball im Rems-Murr-Kreis

Strukturreform beim WFV: In Zukunft lieber Kreisliga-Fußball?

Bernd Leitner
Änderungen stehen an: Wie groß der Mehraufwand für die Rems-Murr-Vereine in der Bezirksliga tatsächlich sein wird, können Vereinsvertreter noch nicht abschätzen. Sie stehen der Strukturreform noch mit gemischten Gefühlen gegenüber. © Leitner

1-4-12 lautet das Spielsystem, das ab der Saison 2024/25 gelten soll. Eine Verbandsliga, vier Landesligen und nur noch zwölf anstatt momentan 16 Bezirksligen. Für dieses Modell und die Umstrukturierung hat sich der Württembergische Fußballverband bereits im vergangenen Jahr ausgesprochen, nun sollen am 25. Mai beim außerordentlichen Verbandstag Vertreter der Vereine und Bezirke über die Spiel- und Strukturreform abstimmen. „Die Abstimmung ist völlig offen“, sagt Patrick Künzer, des Vorsitzende des Bezirks Rems-Murr. „Es wird eine Zweidrittelmehrheit benötigt. Und wenn die Vereine das wollen, dann wird diese Reform kommen.“ Er betont, dass er als Vertreter des Bezirks für Fragen, Kritik und Anliegen stets ein offenes Ohr für die Vereine habe.

Und da trifft es die Bezirksligisten aus dem Rems-Murr-Kreis hart. Vier Ligen weniger soll es geben, der Bezirk Rems-Murr mit dem Hohenlohekreis, mit den Altkreisen Schwäbisch Hall und Crailsheim, zusammengeführt werden.

Mehr Fahrtgeld und höhere Schirikosten befürchtet

Was halten die jetzigen Bezirksliga-Vereine von dieser nahenden Umstellung? Einig sind sie sich, dass die weiten Fahrten nicht gerade angenehm sind. „Ich bezweifle, dass jeder Spieler dauerhaft diesen Aufwand auf sich nehmen will“, kritisiert Udo Wonschick, Fußball-Abteilungsleiter des SSV Steinach-Reichenbach. Zudem würden die Ausgaben fürs Fahrtgeld höher. „Ich denke, da kommen auf Dauer höhere Kosten auf die Vereine zu“, schiebt er hinterher. Unter Umständen könnten auch die Schiedsrichterkosten steigen. Wonschick hat in der Vergangenheit zwei der WFV-Sitzungen mitgemacht, bei denen die Strukturreform diskutiert wurde, und findet: „Bei anderen Bezirken kann eine Neueinteilung gerechtfertigt werden. Aber wir könnten auch gut damit leben, wenn der Bezirk Rems-Murr so bleibt.“

„Mehraufwand wird sich im Rahmen halten“

Mit weiten Fahrten kennt sich Lukas Tretter aus. Der Abteilungsleiter beim VfL Winterbach weiß: „Wir als ein Verein an der Schwelle zu Schwäbisch Gmünd haben auch jetzt schon Strecken von bis zu einer Stunde zurückzulegen.“ Zudem seien Auswärtsfahrten ja lediglich nur alle zwei Wochen und dann auch nicht immer in die Ferne. „Ich denke, dass sich die Kosten und der Mehraufwand da im Rahmen halten werden“, schätzt Tretter.

Hoffnung auf neue Herausforderungen

Oliver Redelfs, Leiter der Fußballabteilung des TSV Nellmersbach, sieht das Ganze locker: „Ob der Aufwand so viel größer ist und ob es teurer wird, werden wir sehen.“ Redelfs findet eine Umstrukturierung „an sich gar nicht so schlecht“. Und erklärt: „Wir sind 2005 aus der Landesliga abgestiegen und spielen seitdem in den immer gleichen Flecken.“ Neue Vereine, neue Plätze nehme der Verein als Abwechslung und neue Herausforderung.

Ein weiteres Problem sieht Wonschick auch für die Zuschauer. Fahren die mit zu einem Spiel, das noch hinter Schwäbisch Hall stattfindet? „Es wird weniger Lokalderbys und zwangsläufig auch weniger Zuschauer geben.“

Lieber Kreis- als Bezirksliga?

Ist es für Vereine dann attraktiver, in der Kreisliga zu spielen? Während sich das Wonschick durchaus vorstellen kann, dass das für einige Vereine eine Option ist, sieht es Redelfs anders: „Sportlich muss es für jeden Verein das Ziel sein, aufzusteigen.“

Doch die große Frage, die den Bezirksligisten unter den Nägeln brennt: Welche Mannschaften kommen dann in die „neue“ Bezirksliga? Wird es eine Jahreswertung geben, bleiben dann jene ersten sechs bis acht Mannschaften in der Liga? Oder gibt es eine Durchschnittswertung der vergangenen Jahre? Wie werden dann die beiden letzten abgebrochenen Saisonen gewertet? Eine definitive Entscheidung, wie es genau ablaufen soll, gibt es vonseiten des WFV noch nicht. Künzer aber bestätigt, dass es keine der angesprochenen werden wird. „Klar ist aber auch“, so Künzer, „dass dieser Wandel nicht schmerzlos vorübergehen wird.“

"Amateurfußball muss zukunftsfähig bleiben"

Ein neues Spielsystem soll den Wettbewerb weiter fair und leistungsorientiert gestalten. Die Ursache für die Strukturveränderung sind Probleme, die sich in Zukunft noch weiter verschlechtern könnten. Mannschaftszahlen, gerade bei den A- und B-Jugenden und insbesondere im ländlichen Raum, sind stark rückläufig. Zum Wohle des Amateurfußballs müsse sich etwas ändern, so der Bezirksvorsitzende. „Schließlich soll der Fußball zukunftsfähig bleiben.“

1-4-12 lautet das Spielsystem, das ab der Saison 2024/25 gelten soll. Eine Verbandsliga, vier Landesligen und nur noch zwölf anstatt momentan 16 Bezirksligen. Für dieses Modell und die Umstrukturierung hat sich der Württembergische Fußballverband bereits im vergangenen Jahr ausgesprochen, nun sollen am 25. Mai beim außerordentlichen Verbandstag Vertreter der Vereine und Bezirke über die Spiel- und Strukturreform abstimmen. „Die Abstimmung ist völlig offen“, sagt Patrick Künzer, des

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