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SV Allmersbach: Mit Last-Minute-Sieg im ZVW-Topspiel zur Tabellenführung

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Tobia Portolano und die SV Remshalden haben in Allmersbach die Tabellenführung verloren. © Gisbert Niederführ

Zu jedem Spielwochenende veröffentlichen wir unsere drei Topspiele - und tippen das Ergebnis. In der Nachbetrachtung gehen wir noch einmal darauf ein; und überprüfen, wie erfolgreich unsere Tipps waren.

Der SV Allmersbach hat das ZVW-Topspiel der Woche durch einen fulminanten Schlussspurt mit 3:2 gewonnen und ist damit Herbstmeister in der Bezirksliga geworden. 85 Minuten sah die SV Remshalden wie der sichere Gewinner aus, ehe  Philipp Weller mit einem Traum-Freistoß die Wende einleitete und Allmersbach das Spiel in der Nachspielzeit komplett drehte.

Das Finale um die Herbstmeisterschaft

Nach drei punktlosen Wochenenden in Folge (zwei Niederlagen und einmal spielfrei) ist es dem SV Allmersbach doch noch gelungen, am letzten Spieltag der Hinrunde die Tabellenführung zurückzuerobern und Herbstmeister zu werden - und das ausgerechnet durch einen Sieg im direkten Duell gegen die SV Remshalden: Der Zweite empfing den Ersten. In Anbetracht des Vorrundenverlaufs erschien dieses Aufeinandertreffen am 17. Spieltag nicht wie ein stinknormales Ligaspiel, sondern eher wie ein Play-Off-Finale um die Halbjahresmeisterschaft. Immerhin hatte seit dem sechsten Spieltag kein anderes Team mehr einen der ersten beiden Plätze besetzt gehabt. Fernab der Konkurrenz wechselten Allmersbach und Remshalden wöchentlich den Platz an der Sonne, was letztendlich im Finale um die Herbstmeisterschaft mündete.

Der Spielverlauf: Unfassbar!

Der Spielverlauf mit einem Wort erklärt: unfassbar! Bis zur 85. Minute führte die SV Remshalden mit 0:2, ehe der SV Allmersbach in sieben Minuten wahrscheinlich eines der größten Comebacks seiner Vereinsgeschichte erlebte. SVA-Coach Weller witzelte im Nachhinein: „Es hatte irgendwie etwas von Barcelona 1999.“ Damals hatte der FC Bayern München bis zur 90. Minute mit 1:0 im Champions League Finale gegen Manchester United geführt, in der Nachspielzeit dann aber zwei Gegentore kassiert und letztendlich mit leeren Händen dagestanden. Ein Vergleich, der durchaus seine Berechtigung hat: Wie die Bayern damals hatten die Remshaldener mehr vom Spiel, lagen bis kurz vor Schluss in Führung und sahen wie die sicheren Gewinner aus. Auf der anderen Seite schlug Manchester nach zwei Standardsituationen kurz vor Schluss eiskalt zu. Ähnlich machte es der SV Allmersbach, mitunter zwei Standards brachten die Wendung - einziger Unterschied: Im Gegensatz zu   David Beckham von ManU verwertete Allmersbachs Philipp Weller zwei Standards direkt.

Remshaldens Plan ging zunächst auf

Der Spielplan von Sascha Ricker, Trainer der SV Remshalden, ging auf - zumindest 85 Minuten lange. Durch ständiges Pressing und konsequente Zweikampfführung sollten die spielstarken Allmersbacher zu Fehler gezwungen werden. Genauso erzielten die Gäste aus Remshalden ihre beiden Treffer. In der 15. Minute misslang Philipp Weller ein Querpass in der eigenen Hälfte. Domenic Guagenti von Remshalden funkte dazwischen und entschied gleich drei Zweikämpfe hintereinander für sich, wobei er beim letzten aus einem Pressschlag mit SVA-Torspieler Wieland als Sieger hervorging. Der Ball landete etwas kurios im Gehäuse der Heimmannschaft. Guagenti und seinen Mitspielern war es egal: 0:1. Der frühe Treffer war ein Tor des Willens und demonstrierte, dass Remshalden mit dem Ziel zu gewinnen nach Allmersbach gefahren war.

In der Mitte der zweiten Hälfte ein ähnliches Bild: Ein kurz ausgeführter Eckball von Weller landete vor den Füßen von Dominik Raith. Dieser schaltete blitzschnell um und kombinierte sich bis tief in die gegnerische Hälfte. Den Kopf oben behaltend erkannte er, dass sich Stürmer Patrick Schandl freigelaufen hatte und bediente diesen. Schandl blieb vor Wieland eiskalt und erhöhte auf 2:0 für Remshalden (63.).

Wellers Traumtor leitete das Wahnsinnscomeback ein

Das große Aufbäumen seitens der Allmersbacher blieb aus. Keiner schien so richtig mehr an die Wende zu glauben, außer wohl Philipp Weller. Immerhin hatte er noch etwas gutzumachen, wie er selber nach dem Spiel mitteilte: „Mir sind zwei krasse Fehler unterlaufen, deshalb musste eine Reaktion her.“ Diese „Reaktion“ folgte, und wie: In der 85. Minute bekam Allmersbach einen Freistoß in der Nähe des linken Strafraumecks zugesprochen, den Weller humorlos im linken oberen Toreck versenkte - Traumtor.

Allmersbach war jetzt voll da, Remshalden dagegen in Schockstarre. Die Heimmannschaft nutzte das aus und legte nach: Lediglich drei Minuten später drückte SVA-Stürmer Kim-Steffen Schmidt eine Flanke von der linken Seite über die Torlinie (88.) - 2:2-Ausgleich. Für Remshalden kam es aber noch bitterer. In der 92. Minute zeigte der Schiedsrichter auf den Punkt, Schmidt war zu Fall gebracht worden. Philipp Weller ließ sich diese Chance nicht nehmen und brachte seine Welt vollends wieder in Ordnung: Beim fälligen Strafstoß zeigte er keine Nerven und schoss damit seine Allmersbacher zur Herbstmeisterschaft. Drei Tore in den letzten sieben Minuten, was ein verrücktes Comeback!

So sahen die Team-Chefs das Spiel

Es sei kein Spiel auf hohem Niveau gewesen, bilanzierte Martin Weller (SV Allmersbach) nach dem Spiel. Vor allem mit dem Spiel seiner Mannschaft zeigte er sich nicht wirklich zufrieden: „Uns fehlt aktuell das Tempo im Aufbauspiel, sodass es unseren Gegnern leicht fällt, uns zuzustellen. Daran werden und müssen wir in der Winterpause arbeiten.“ Wenig überraschend sei es daher auch gewesen, dass die beiden Gegentore aus eigenen Fehlern resultierten. „Ohne den Freistoßtreffer hätten wir das Spiel sicherlich nicht mehr gewonnen“, bemängelte Weller zudem das lethargische Auftreten seiner Schützlinge nach dem 0:2-Rückstand. „Die Remshaldener hätten den Sieg mehr verdient gehabt. Sie waren cleverer und bissiger in den Zweikämpfen.“

Bekanntlich fand der Freistoß von Philipp Weller allerdings den Weg ins Tor, seine Mannschaft drehte das Spiel und Allmersbach wurde Herbstmeister. Also doch ein versöhnlicher Abschluss? „Solche Siege sind die besten. Es hatte etwas von Barcelona 1999“, freute sich Martin Weller dann doch irgendwie.

Der Niederlage und der verpassten Chance, Herbstmeister zu werden, werde Sascha Ricker von der SV Remshalden definitiv nicht nachtrauern: „Für Trauer bleibt keine Zeit. Zudem haben wir im Laufe der Vorrunde viele Spiele gehabt, die wir spät zu unseren Gunsten entschieden haben. Dass es mal andersherum läuft, gehört dazu.“ Deswegen hat Ricker auch eine nachvollziehbare Erklärung, warum seine Mannschaft nach dem späten Anschlusstreffer komplett den Faden verlor: „Bei späten Gegentoren fängt der Kopf an zu arbeiten und du verlierst die Leichtigkeit. Das ist ganz normal im Fußball.“

Davor sei er aber mit dem Spiel seiner Jungs zufrieden gewesen: „85 Minuten haben wir Allmersbach gar nicht zur Entfaltung kommen lassen. Darauf können wir aufbauen. Jetzt hoffe ich, dass in der Winterpause verletzte Spieler wie Philipp Röseke zurückkehren und wir in der Rückrunde noch einmal zulegen können.“

TSV Nellmersbach, der große Gewinner der letzten Wochen

Etwas kaufen kann sich der SV Allmersbach von der Herbstmeisterschaft allerdings nicht. Denn bekanntlich zählt nur, wer am Ende der gesamten Saison ganz oben steht. Dass es in der Rückrunde ein weiteres Ping-Pong-Duell zwischen Allmersbach und Remshalden geben wird, ist auch nicht absehbar. Dafür ist es an der Tabellenspitze in den letzten Wochen - passend zur kalten Jahreszeit - zu kuschlig geworden. Während die beiden Top-Teams zum Ende der Hinrunde regelmäßig Punkte liegen ließen, nutzten die Verfolger die Gunst der Stunde und verkürzten Woche um Woche den Abstand nach oben.

Der große Gewinner der letzten Wochen ist definitiv der TSV Nellmersbach (mittlerweile fünfter Platz). Er avancierte von der Negativüberraschung der bisherigen Saison (wieder) zu einem der heißesten Anwärter auf den Titel, indem er innerhalb von lediglich drei Spieltagen den Abstand auf die Tabellenspitze von zehn auf vier Punkte verkürzte. Möglich machten das auch die beiden Erfolge in den direkten Duellen gegen eben Allmersbach und Remshalden.

Hochspannung im Kampf um die Meisterschaft ist garantiert

Neben Nellmersbach und den beiden Hauptprotagonisten der Vorrunde komplettieren zwei weitere Teams die Top-Fünf, die vermeintlich im neuen Jahr um den Titel spielen werden: Waiblingen und Unterweissach. Der FSV Waiblingen spielte ebenfalls eine sehr konstante Vorrunde und befand sich immer in Lauerstellung zur Tabellenspitze. Am vergangenen Wochenende gewann er mit 2:1 gegen die SG Schorndorf. Aufgrund der Niederlage der SV Remshalden im ZVW-Topspiel schob sich Waiblingen an ihr vorbei und steht jetzt punktgleich mit Allmersbach auf Platz zwei der Tabelle, hat aber bereits ein Spiel mehr auf dem Konto. Auch der SV Unterweissach nutzte aus, dass sich die beiden vorderen Teams gegenseitig die Punkte wegnahmen. Er gewann mit 4:2 beim SSV Steinach und steht jetzt punktgleich mit Nellmersbach vier Punkte hinter Allmersbach auf Platz vier. Fünf Teams an der Tabellenspitze, die lediglich vier Punkte voneinander trennt: Die Rückrunde verspricht Hochspannung im Kampf um die Meisterschaft.

Und wie erfolgreich waren unsere Tipps?

Kreisliga B4: TV Stetten II - SC Urbach II 5:3 - unser Tipp war: 2:1

Kreisliga B1: SV Plüderhausen - TSG Buhlbronn 6:1 - unser Tipp war 2:2

Bezirksliga: SV Allmersbach 3:2 - unser Tipp war: 3:2 Fazit: Ob wir auch diesen kuriosen Spielverlauf vorausgesagt hätten...