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Tabellenführer ohne Mannschaft?

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Vorne rechts Bjoern nicht oe Muelder nicht ue TSV Haubersbronn gegen links Nr17 Alkay Appilic SV Winnenden. © ZVW

Mit elf Punkten Vorsprung führt die SV Winnenden die Fußball-Kreisliga B III an. Doch ob das zur Meisterschaft reicht, ist fraglich. Denn am Sonntag haben Trainer Mario Palomba und 16 Spieler dem Verein mitgeteilt, dass sie nicht mehr für die Winnender spielen werden. Abteilungsleiter Alexander Jänel widerspricht. Nur sechs Spieler würden sich zurückziehen.

„Irgendwann verliert man mal die Lust“, sagt Mario Palomba. Obwohl es sportlich bestens läuft, habe sich vom Verein niemand um die Mannschaft gekümmert. „Wir haben keine Unterstützung. Ich musste meine Spieler sogar bitten, selbst schwarze Hosen und Stutzen mitzubringen, damit wir spielen können.“

Er habe mit den Spielern alles alleine regeln müssen. Auf den Sportplatz sei von Verein und Abteilung selten jemand gekommen. Auch Abteilungsleiter Alexander Jänel habe sich zunehmend zurückgezogen, sich immer weniger engagiert. Zudem gebe es „finanzielle Probleme“.

All dies habe am Sonntag nach dem Vorbereitungsspiel beim TSV Strümpfelbach dazu geführt, dass Trainer und 16 Spieler aus dem 18 Kader (zwei fehlten bei dem Gespräch) beschlossen haben: „Wir treten nicht mehr an.“ Palomba: „Ich habe das dann Abteilungsleiter Jänel mitgeteilt.“

Der bestätigt den Anruf, kann sich aber nur an sechs Spieler erinnern, die nicht mehr auflaufen wollen. Und: „Ich halte das nicht für so dramatisch.“ Er habe noch ein paar Spieler „in der Hinterhand“ und auch aus der AH könnten welche aushelfen. Er ist sicher: Die SV Winnenden tritt auch zu den Rückrundenspielen an.

Ob’s aber auch zur fast schon sicheren Meisterschaft reicht? Jänel: „Das wissen wir in vier Monaten.“

Die SV Winnenden ist 1990 entstanden, als FC und TSV fusionierten. Es sollten bessere Zeiten anbrechen für den Klub in einer der großen Städte des Kreises. Der Aufstieg in die Landesliga war geplant. Doch es ging nach unten. Bis 2007 hielt sich die SVW noch in der Bezirksliga, seit 2012 spielen die Winnender in der untersten Klasse.

Alexander Jänel ist seit 2007 im Verein, war Spieler, Trainer und schließlich auch Abteilungsleiter. Ende März/Anfang April wird er sich bei der Abteilungsversammlung nicht mehr zur Wahl stellen. Er startete mit großem Engagement und ebensolchen Plänen. Zunehmend allerdings hatte man den Eindruck, dass er sich in der Abteilung (und auch vom Verband) alleine gelassen fühlte.

„Es ist nicht einfach, in Winnenden Abteilungsleiter zu sein“, sagt er. „Und die Bereitschaft, ehrenamtlich etwas zu tun, ist nicht mehr so wie vor 20, 25 Jahren.“ Er habe sich deshalb sicher auch in den letzten Wochen nicht mehr ganz so stark eingebracht. Dass die Mannschaft aber gänzlich allein gelassen worden sei, stimme nicht. Und finanzielle Probleme gebe es auch keine.

Die Mannschaft werde auf jeden Fall im ersten Punktspiel des Jahres am 28. Februar gegen ASGI Schorndorf II auflaufen. Mit welchen Spieler das letztlich sein wird? Ob nur sechs oder tatsächlich 16 nicht mehr zur Verfügung stehen?

Nach schwachen Spielzeiten in der Kreisliga B I (Plätze 14, fünf und acht) schienen die Winnender diesmal in der B III auf Aufstiegskurs zu sein. Nach diesem Aderlass aber wird es schwer sein, den Kurs fortzuführen.