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TV Stetten: Alte helfen den Jungen aus der Krise

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Julian Beckler (Mitte zwischen Philip Lagelsdorfer, links, und Tobias Bloching vom VfR Birkmannsweiler) kehrte vom VfL Winterbach zum TV Stetten zurück und ist mitverantwortlich für den Aufschwung. Nun allerdings ist er verletzt – und dabei nicht der Einzige im Stettener Team. © Ralph Steinemann

Fast hätte es der TV Stetten auf Platz drei in der Fußball-Kreisliga A I geschafft – allerdings nur in der Rückrundentabelle. Das 1:2 gegen Hößlinswart hat die Statistik etwas getrübt, mit den Resultaten im Jahr 2017 aber kann der TVS sehr zufrieden sein. Der Grund dafür liegt in der Winterpause.

Die Stettener korrigierten eine Entwicklung aus dem Sommer. Erfahrene Spieler hatten aufgehört oder waren in die zweite Mannschaft abgewandert, junge Spieler sollten in deren Rolle hineinwachsen. Nico Hinderer (32), der die Mannschaft im dritten Jahr gemeinsam mit Philipp Lang (34) trainiert, war deshalb klar gewesen, „dass es eine schwere Saison wird“.

Junge Spieler entwickeln sich gut, aber brauchen Zeit 

Er ist mit der Entwicklung der jungen Spieler zwar zufrieden, „aber sie brauchen Zeit“. Und sie haben Leistungsschwankungen, die sich – wenn’s beim Rest des Teams auch nicht läuft – besonders stark auswirken. So reichte es in der Vorrunde nur zu zwölf Punkten.

„Im Schnitt haben wir mit zehn Leuten trainiert.“

Der Hauptgrund dafür sei die schlechte Vorbereitung im Sommer gewesen. Hinderer: „Im Schnitt haben wir mit zehn Leuten trainiert.“ Immer wieder hätten Spieler verletzt, berufsbedingt oder wegen Urlaubs gefehlt.

Spieler sind wieder eingestiegen 

Mittlerweile ist alles anders. In den sieben Spielen der Rückrunde holten die Stettener bereits elf Punkte. Das liegt daran, dass Spieler wie Steffen und Michael Bürkle und Christian Rödig, die kürzertreten wollten, wieder eingestiegen sind, Tim Kopp kam aus Waiblingen zurück, Julian Beckler vom VfL Winterbach. Hinderer: „Julian ist für uns Gold wert.“ Fünf Treffer erzielte er bereits. „Den hätten wir gerne in der Hinrunde schon gehabt.“ (Siehe auch Marathon-Mann Julian Beckler). Vor allem wenn er zusammen mit Stefan Schuster stürmt, „da haben wir ‘ne ganz andere Qualität auf dem Platz“.

Trainerkollege in Korea 

Doch auf die muss Hinderer für den Rest der Saison verzichten. Schuster fällt wegen einer Schultereckgelenkssprengung komplett aus, auch Beckler steht vorerst nicht zur Verfügung. Im Spiel bei der SG Weinstadt sind sie jedoch nicht die einzigen Ausfälle. Steffen und Michael Bürkle (Gelb-Rot) sind gesperrt, Ronny Werner und Volker Bischoff privat verhindert. Hinderers Trainerkollege Philipp Lang ist seit zwei Wochen beruflich in Korea und kommt erst am Samstag zurück. Hinderer: „Wir werden einige Spieler aus der zweiten Mannschaft hochnehmen müssen.“

Im Spiel gegen die SG heißt es kämpfen 

Dennoch ist er sicher: „Wir können die SG schlagen. Aber da müssen wir alles in die Waagschale werfen.“ Das heißt: kämpfen. Doch darin sieht der Coach ohnehin eine Stettener Stärke. Er und Lang hätten deshalb versucht, auch noch „mehr spielerische Elemente einzubringen“. Die Mannschaft habe sich hier auch weiterentwickelt. Der Erfolg der ersten beiden Jahre unterstreicht dies.

Nicht auf den vierten Platz schauen

Unter den beiden ehemaligen Verbandsligaspielern (SV Fellbach) steigerte sich der TVS. Die zuvor abstiegsgefährdete Mannschaft kletterte zunächst auf Platz sieben, die folgende Saison beendet sie auf Rang fünf. Für 2016/17 war Platz vier bis sieben angepeilt worden. Auf Rang vier will Hinderer jetzt trotz des Aufschwungs nicht schauen. Wichtigstes Ziel sei der Klassenverbleib, denn zur nächsten Saison rücken „einige vielversprechende Jugendliche“ nach oben. Und die sollen nicht in der Kreisliga beginnen müssen.

Lang und Hinderer hören nach der Saison auf

Klar ist mittlerweile aber, dass der TV Stetten ohne Hinderer und Lang in die Saison 2017/18 gehen muss. Aus beruflichen Gründen, so Hinderer, sei der Aufwand nicht mehr machbar. Zumindest in nächster Zeit.

Der Marathon-Mann Julian Beckler

Nico Hinderer (32) und Philipp Lang (34) sind „alte Kumpels“. Aus beruflichen Gründen und der daraus resultierenden zeitlichen Belastung wechselten sie als Spieler vom SV Fellbach (Verbands- und Landesliga) zum B-Ligisten Stuttgart 96 und danach als Trainer nach Stetten. Nun hören beide zum Saisonende auch gemeinsam auf.

Julian Beckler hatte beim VfL Winterbach bereits angekündigt, nicht mehr aktiv einzugreifen, weil er sich auf seinen ersten Marathon vorbereiten wollte. Termin eins musste er wegen einer Krankheit absagen. Im Winter wechselte er zu seinem Heimatverein zurück, stellte sich als Spieler zur Verfügung – und verletzte sich. Marathon-Termin zwei Mitte April ist in Gefahr.

Der TV Stetten konnte in den vergangenen Jahren immer auf seine Heimstärke bauen. In der Saison 2016/17 aber holte er gerade mal acht Punkte auf eigenem Platz. Warum? „Ich habe dafür keine Erklärung“, sagt Trainer Nico Hinderer.