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Viola Brand: WM-Medaille im dritten Anlauf

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Vizeweltmeisterin Viola Brand. © Steinemann / ZVW
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Anspruchsvoll und ästhetisch zugleich: Viola Brand auf dem Rad. © Fotkunst Elbe

Trotz verletzungsbedingt nur drei Wochen Vorbereitungszeit ist die Kunstradfahrerin Viola Brand aus Schorndorf-Miedelsbach in Stuttgart Vizeweltmeisterin geworden. Damit gab’s für die 22-Jährige vom RSV Unterweissach im dritten Anlauf endlich die erhoffte Medaille. Doch dabei soll’s nicht bleiben: Mit neuer Kür will Brand bald den Sprung ganz nach oben schaffen.

Video: Viola Brand ist Vize-Weltmeisterin im Kunstradfahren 2016.

Was hatte sich Viola Brand da regelmäßig anhören müssen, wenn sie vor Wettkämpfen vom Hallensprecher vorgestellt wurde: „Ich bin angekündigt worden mit: ,Sie hat schon zwei WM-Teilnahmen.‘ Das hat mir wehgetan.“ Denn es klang so, als sei die Miedelsbacherin bei den Meisterschaften unter ferner liefen gelandet. Dabei war sie Vierte und Fünfte geworden, und das gelingt auf diesem Niveau keiner, die nichts auf der Pfanne hat. Schon deshalb ist der Vizeweltmeister-Titel im Einer der Frauen eine Genugtuung. Und umso mehr, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen dieser Erfolg zustande kam.

Niederschmetternde Diagnose: Drei gebrochene Mittelfußknochen

Im Mai 2016 schienen die Träume, sich überhaupt für die Heim-WM in der Stuttgarter Porsche-Arena zu qualifizieren, jäh geplatzt zu sein. Viola Brand stürzte beim Maute-Sprung, einer Übung, bei welcher der Fahrer aus dem Stand vom Sattel mit einem Satz auf dem Lenker landet. Die Diagnose war niederschmetternd. „Drei Mittelfußknochen waren gebrochen.“ Die Verletzung heilte lange nicht.

Die Konkurrenz in Deutschland ist riesig, nur die beiden Besten lösen das Ticket zur WM. Wegen ihrer Verletzung war die Miedelsbacherin auf Rang sechs abgerutscht. Doch sie kämpfte sich zurück. „Ich bin viermal in Folge persönliche Bestleistung gefahren.“ Brand triumphierte damit ebenso oft über ihre Dauerkonkurrentin Lisa Hattemer (Gau-Algesheim), wie sie verlor. Beide sicherten sich mit Weltklasseleistungen die WM-Teilnahme.

Gedämpfte Erwartungen für die WM

Dennoch waren die Erwartungen gedämpft. Wie sollte Brand nach ihrer Verletzung bei den Titelkämpfen ein Wörtchen im Medaillenkampf mitreden? „Normalerweise hat man vier Monate für die Vorbereitung. Ich habe erst drei Wochen vor der WM erstmals wieder alle Übungen meiner Kür gemacht.“ Eigentlich hatten die Athletin und ihre Trainerin, Mutter Heike Brand, auch eine neue Kür mit höheren Schwierigkeitsgraden ausgearbeitet. Doch daran war nicht zu denken. „Ich konnte nur die alte fahren. Das hat ganz gut geklappt.“

Kann man so sagen: Brand holte in Stuttgart mit 178,42 Punkten hinter Hattemer (182,29) Silber, Dritte wurde die Slowakin Nicole Frybortova (168,13). Nur weil Brand ein Sturz unterlaufen war – an einer Stelle, an der mehrere Fahrer stürzten, was, so die Sportlerin, auf eine Unebenheit im Belag hindeuten könnte – kam sie nicht an ihre Bestleistungen von über 180 Punkten heran. Gold wäre möglich gewesen, die Leistung hat nicht ganz gepasst, aber egal: Angesichts ihrer Leidensgeschichte ist Brand mit dem Vizetitel sehr zufrieden.

Der Mentaltrainer ist für Brand eine wichtige Bezugsperson

Einen entscheidenden Anteil am Erfolg habe ihr Stuttgarter Mentaltrainer Frank Stockmann, sagt sie. „Wir telefonieren viel und packen negative Gedanken an der Wurzel. Er hat eine besondere Gabe, einen zu beruhigen.“ Auch der Vorteil, in Stuttgart quasi Lokalmatadorin zu sein, habe sich positiv ausgewirkt. „Die komplette Kunstradszene und viele Freunde waren vor Ort. Das war ein großer Ansporn.“

Ein „Etappenziel“ nennt Viola Brand, die an der Uni Hohenheim Ernährungsmanagement und Diätetik studiert, die WM-Silbermedaille. Irgendwann in den kommenden Jahren will sie Gold holen. Mit neuer Kür und neuen Übungen wie dem Sattel-Lenker-Handstand. Der Ehrgeiz ist also ungebrochen, auch während der Verletzungszeit habe sie nie wirklich ans Aufhören gedacht: „Dafür liebe ich den Sport zu sehr. Ich mach’ ihn, seit ich sechs bin, er gehört einfach zu mir.“ Und der Weltmeistertitel wäre die Krönung.

Nächste Aufgaben

Für Viola Brand, die 20 Stunden pro Woche trainiert, wird es nach dem Nationalkader-Lehrgang am Wochenende über die Weihnachtstage etwas ruhiger. „Aber wirklich Pause hat man letztendlich nie.“

Im Februar 2017 stehen die Kreis- und Bezirksmeisterschaften auf dem Programm.