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Von Usain Bolt inspiriert, nun zur EM

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Neim Nguemning schaffte bei der U-18-Europameisterschaft in Ungarn leider nicht seine persönliche Bestweite. © Ralf Görlitz

Fasziniert sah Neim Nguemning als Siebenjähriger, wie Usain Bolt bei den Olympischen Spielen in Peking zu drei Goldmedaillen samt Weltrekorden sprintete. Davon inspiriert begann der Junge beim VfL Waiblingen mit der Leichtathletik. Nun, mit 17 Jahren, wird er für Deutschland bei der U-18-EM in Ungarn antreten. Zwar nicht als Läufer, aber als Dreispringer.

Weil man sich seinen Namen merken sollte, hier zunächst einmal die korrekte Aussprache: Nem Gemning. Ganz einfach. Seine Eltern stammen aus Kamerun, er wurde in Stuttgart geboren. Nguemning besucht das Salier-Gymnasium in Waiblingen und wird im kommenden Jahr Abitur machen. Die Doppelbelastung mit dem Leistungssport, viermal zwei Stunden wöchentliches Training plus regelmäßige Wettkämpfe, macht ihm nichts aus. „Ich habe kein Problem mit der Schule und es bisher geschafft, mit wenig Lernen sehr gute Resultate zu erzielen. Mein Ziel ist es, einen Abischnitt besser als Note zwei zu schaffen. Aktuell bin ich auf einem guten Weg.“ Er erzählt das nur, weil er von dem Pressefritzen danach gefragt wird, überheblich wirkt der 17-Jährige in keiner Weise. Stattdessen redet er immer und immer wieder davon, dass er sich verbessern will. Sportlich, aber auch in anderen Bereichen.

Dieser Anspruch zeichnet ihn aus. Und ist ein entscheidender Faktor für seinen raketenhaften Aufstieg unter den Talenten im Weit- und Dreisprung. Erst vor knapp zwei Jahren spezialisierte er sich mehr und mehr auf diese Disziplinen, in diesem Zeitraum steigerte er sich im Dreisprung um 3,28 Meter. Freilich spielte das Wachstum dabei eine große Rolle, aber auch das akribische Training. „Ich war viel im Kraftraum und habe an der Technikausführung und an der Schnelligkeit gearbeitet.“

Rang drei der europäischen U-18-Bestenliste

Die EM-Norm von 14,80 Metern erfüllte er Mitte Juni mit seiner Siegweite von 14,88 Metern bei den baden-württembergischen U-18-Meisterschaften in Ulm. Beim Nominierungswettkampf in Schweinfurt, einer internationalen Gala, setzte der Erste der nationalen Bestenliste noch einen drauf: Nguemning gewann mit der erneuten Bestleistung von 15,15 Metern und sicherte sich eines von zwei deutschen EM-Tickets.

In der europäischen U-18-Bestenliste schob sich der Waiblinger damit auf Rang drei. Dennoch schielt er nicht auf eine Medaille bei den Dreisprung-Europameisterschaften am Donnerstag, 5., und Freitag, 6. Juli, in Györ. Schließlich habe er noch keine internationale Erfahrung. In Ungarn gelte es vor allem, diese zu sammeln und sich weiter zu verbessern. „Es wäre auf jeden Fall schön, das Finale der besten zwölf und dann das der besten acht zu erreichen.“

„Für ein gutes Ergebnis muss man auch kleine Fehler vermeiden“

Dreisprung ist vor allem technisch eine große Herausforderung. „Aber deshalb macht es auch mega Spaß.“ Beim ersten Sprung (Hop) landet der Athlet auf demselben Fuß wie beim Absprung, beim zweiten (Step) auf dem anderen. Es folgt der Sprung in die Sandgrube (Jump). „Für ein gutes Ergebnis muss man auch kleine Fehler vermeiden. Bei schlechter Technik bekommt man schnell Schmerzen oder Verletzungen.“ Davon ist Neim Nguemning bislang verschont geblieben.

Das führt er auch auf die ausgezeichnete Mehrkampf-Grundlagenausbildung seiner Heimtrainerin Kathrin Staudenmaier zurück, mit der er heute noch zusammenarbeitet. Ebenso eng sei das Verhältnis zu Nachwuchs-Landestrainerin Jennifer Hartmann am Stützpunkt in Stuttgart, wo Nguemning inzwischen die meisten Einheiten absolviert. „Aber dem VfL Waiblingen habe ich praktisch alles zu verdanken.“ Der Verein habe sich nicht nur um Unterkünfte für Wettkämpfe gekümmert, sondern ihn auch finanziell unterstützt und ihm flexible Trainingszeiten geboten.

Ziel: Olympische Spiele

Bereits 2014 kam Nguemning aufgrund seiner Sprungstärke in den baden-württembergischen F-Kader. Zwar sei er auch sehr gut im Sprint gewesen – er wollte ja dem Vorbild Usain Bolt nacheifern. Doch habe er irgendwann gemerkt, „dass die Chancen im Sprung für mich größer sind“. 2015 kam es zu einer entscheidenden Begegnung. Beim deutschen Mehrsprung-Cup in Hannover wurde Nguemning auf Anhieb Dritter im Fünfsprung. Gesehen wurde das vom früheren Dreisprung-Weltmeister Charles Friedek. Er riet dem Jugendlichen, es bald in dieser Disziplin zu versuchen.

Und nun fährt der Waiblinger also zur EM. Doch dabei soll es nicht bleiben. Sowohl im Drei- als auch im Weitsprung „ist meine Technik noch sehr ausbaufähig“. Und damit auch weitenmäßig noch viel Luft nach oben. Am 27. und 28. Juli will er in Rostock deutscher Jugendmeister werden. Denn ein nationaler Titel fehlt bislang noch. Und langfristig? „Mein größtes Ziel ist es, an Olympischen Spielen teilzunehmen.“ Nichts weniger sollte sich ein hochtalentierter Leichtathlet vornehmen.


U18-Europameisterschaft: Sendetermin

Am Donnerstag (05.07.) tritt Neim Nguemning im ungarischen Györ bei der Qualifikation im Dreisprung an. Übertragen wird es ab etwa 19.30 Uhr auf Eurosport 2 oder im Livestream auf der Event-Homepage.

Nach dem Abitur

Neim Nguemning will im kommenden Jahr nach dem Abitur am Waiblinger Salier-Gymnasium auf jeden Fall studieren. Was, weiß er noch nicht genau, „aber nichts, was mit Rechnen zu tun hat“.

Wenn es möglich ist, hat der Waiblinger vor, für längere Zeit ins Ausland zu gehen. Am liebsten nach Frankreich, Kanada oder in die USA. Auch ein Auslandsstudium zieht er in Betracht.