Rems-Murr-Sport

Württembergliga: So schnitten die Kreis-Teams ab

WestnerL2
Die SF Schwaikheim (links Simon Bayha, rechts Denis Gabriel) und der VfL Waiblingen (beim Wurf Luis Westner) gehörten zu den besten Teams in dieser Württembergliga-Saison. © Ralph Steinemann

Eine tolle Saison ist es für die Handballer in der Württembergliga gewesen. Die SV Remshalden steigt als Staffelmeister auf, auch die SF Schwaikheim als Dritter und der VfL Waiblingen als Vierter übertrafen ihre Ziele. Wie erhofft den Klassenverbleib, wenn auch etwas glücklich, sicherte Aufsteiger TSV Alfdorf/Lorch. Leicht hinter den Erwartungen zurück blieb der TV Bittenfeld II.


In der Vorsaison war die SVR in der Relegation am direkten Wiederaufstieg gescheitert. Jetzt ist das Team zurück in der Baden-Württemberg-Oberliga. Remshalden dominierte die Staffel Nord und sicherte bereits fünf Spieltage vor Schluss die Staffelmeisterschaft und den direkten Aufstieg. Zwar schaffte es Remshalden am Ende nicht, sich im Kampf gegen den Süd-Meister TV Weilstetten auch noch den Titel des württembergischen Meisters zu holen (27:38-Klatsche auswärts, 30:24-Sieg zu Hause). Aber geschenkt: Die SVR hat eine überragende Runde gespielt (wir haben ausführlich berichtet). In der Baden-Württemberg-Oberliga wird sie mit neuem Trainer antreten. Nachfolger von Alexander Schurr, der zum Drittligisten SV Kornwestheim wechselt, wird Frederick Griesbach, zuletzt Coach des A-Jugend-Bundesligisten JH Flein-Horkheim und Spieler beim TSB Horkheim in der 3. Liga.


„Es ist perfekt gelaufen, das hätte ich nicht erwartet.“ So fasst SF-Trainer Heiko Burmeister die Saison zusammen. „Meine Zielsetzung war, nicht abzusteigen, der Verein wollte einen einstelligen Tabellenplatz und die Mannschaft Platz sieben.“ Und was ist nach holprigem Start herausgesprungen? Der dritte Rang – nach Platz elf in der Vorsaison. Ein entscheidender Faktor war Neuzugang Denis Gabriel, der zum zweitbesten Torschützen der Staffel Nord avancierte. „Aber vor allem hat er menschlich gut reingepasst“, so Burmeister. Der Spieler sei kein Alleinunterhalter gewesen.

Auch mit Rückschlägen wurde das Team fertig. Bereits im ersten Spiel zog sich Marvin Itterheim einen Kreuzbandriss zu und fiel für den Rest der Saison aus. Der Linkshänder Timo Leonhardt, eigentlich auf Rechtsaußen beheimatet, füllte zusammen mit Timo Wissmann die Lücke im rechten Rückraum, während Dominik Starz jetzt auf der Außenposition erfolgreich war. Ein besonders Lob richtet Burmeister an Torhüter Dennis Kellner. „Er hat sich in der Saison sehr gesteigert.“ Mit 34 Prozent gehaltener Siebenmeter waren Kellner und sein Kollege Kevin Barth Ligaspitze. Am wichtigsten aber sei der Ehrgeiz der Mannschaft gewesen, so Burmeister. „Wir hatten eine sehr hohe Trainingsbeteiligung.“

In der kommenden Saison wird es nur wenige personelle Wechsel geben. Marc Jung hört auf, dafür kehrt Simon Lorenz aus Kornwestheim zurück. Eine große Lücke hinterlässt Dennis Kellner, der für ein halbes Jahr in die USA geht. Bis er zurückkehrt, wird der erfahrene Keeper Stefan Doll (43, kommt vom Landesligisten SV Ludwigsburg/Oßweil) aushelfen.


Mit Tim Baumgart und Patrick Rothe ein neues Trainerteam, dazu rund zehn neue Spieler – was war vom VfL, der in der Vorsaison Neunter geworden war, zu erwarten? Das wusste auch Baumgart nicht so recht. Als „kleine Wundertüte“ bezeichnete er seine Mannschaft, das Ziel lautete vage, im oberen Mittelfeld zu landen. Doch das Team übererfüllte die Erwartungen. Es gelang eine ausgezeichnete Runde, die auf Platz vier endete. „Das hätten wir vor der Saison sofort unterschrieben.“ Allerdings verweist Baumgart, ganz ehrgeiziger Trainer, darauf, dass sogar noch mehr drin gewesen wäre. Aus den letzten drei Saisonspielen holte das Team nur einen Punkt, mit den abschließenden Partien gegen die HSG Schönbuch (27:27) und den Tabellenletzten TV Flein (31:39) waren die Coaches nicht zufrieden. „Schwaikheim hätten wir gerne noch hinter uns gelassen.“

Dass das nicht gelang, ist jedoch nur ein kleiner Wermutstropfen. Besonders positiv in dieser Saison: Obwohl es aufgrund des personellen Umbruchs zu Beginn nicht gut lief, konnte das Team ruhig weiterarbeiten. Noch in der Hinrunde begannen die Automatismen zu greifen. „Und die Rückrunde war sehr, sehr stark. Die Entwicklung gibt uns und dem Verein recht. Niemand hat den Kopf verloren.“ Die Mannschaft sei nicht von Einzelspielern, sondern vom Teamwork geprägt gewesen. „Darauf haben wir in der Vorbereitung sehr viel Wert gelegt. Das zahlt sich irgendwann aus.“

Diesmal wird es in Waiblingen keine Runderneuerung geben. Nur Marco Melo verlässt den VfL, er geht als Spielertrainer zurück zum TSV Urach. Zwei Neuzugänge stehen fest: Sascha Laurenz kommt vom Drittligisten TSB Horkheim, als Perspektivspieler wurde Talent Oliver Klingler von der SV Remshalden II verpflichtet.


In der Vorsaison war der TVB II Fünfter geworden, diesmal wollte er sich noch weiter vorne platzieren. Das Ziel wurde zwar verfehlt, die Bittenfelder landeten auf Rang sechs. Dennoch ist Trainer Thomas Randi damit „nach dem Verlauf der Saison sehr zufrieden“. Das Team war sehr schwach in die Württembergliga-Runde gestartet, verspielte mehrmals zum Teil deutliche Führungen und kassierte knappe Niederlagen. „Im Training war allen eine gewisse Verunsicherung anzumerken. Aber es gab keine Reibereien.“ Geholfen habe auch, dass die Mannschaft und das Trainerteam (Randi sowie Roland Wissmann) stets die Rückendeckung des Vereins gespürt hätten.

Dieses Vertrauen zahlte der TVB II zurück. „Wir sind langsam besser geworden, und in der Rückrunde lief es dann so, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Wenn es läuft, läuft’s – die selbstbewusst gewordenen Bittenfelder nutzten den Rückenwind und gewannen nun auch Spiele, in denen sie lange hinten gelegen waren. „Am Ende sind wir mit einem positiven Gefühl aus der Runde gegangen.“

Die Bittenfelder haben zwei Abgänge zu verzeichnen. Maximilian Schmid-Ungerer wechselt zum Baden-Württemberg-Oberligisten TSV Deizisau, Torhüter Max Baldreich zieht es zum Bittenfelder Ligakonkurrenten TSV Schmiden. Dafür kehren Keeper Daniel Sdunek und Martin Kienzle vom Drittligisten TGS Pforzheim nach Bittenfeld zurück. Dritter Neuzugang ist Außenspieler Giuseppe Galluccio vom Bezirksligisten HSG Freiberg-Benningen-Hoheneck. Fest in den Württembergliga-Kader rücken werden außerdem Hagen Schnetzer und Lukas Hochwimmer aus der eigenen A-Jugend.


Als Aufsteiger gestartet, hätte der TSV eigentlich als Drittletzter in die Relegation müssen. Doch dann entschied der Handball-Verband Württemberg anders und das Team blieb doch ohne weitere Partie in der Liga. „Das war ominös, weil die Nachricht erst vier Tage vor dem ersten Relegationsspiel kam“, sagt Trainer Daniel Wieczorek. Doch freilich nahm das Team den unverhofften direkten Klassenverbleib dankbar entgegen. „Das ist für die Nerven schonender gewesen.“

Die waren schon im Vorfeld der Saison belastet genug. Wegen des Zusammenschlusses mit dem TSV Lorch gab es Ärger, der Alfdorfer Aufstiegstrainer Michael Rill trat zurück. Wieczorek, der Alfdorf schon früher gecoacht hatte, sprang in die Bresche und gab als Saisonziel aus, 20 Punkte zu holen. 19 sind es geworden. Angesichts dessen, dass die Alfdorfer zwischendurch eine Negativserie von neun Pleiten in Folge schlucken mussten, „bin ich mit dem Ausgang nicht unzufrieden“. Andererseits wäre der Klassenverbleib schon früher möglich gewesen. „In ein paar Spielen, die wir verloren haben, hätten wir punkten können.“

Wieczorek sagt, in der kommenden Saison werde es wieder gegen den Abstieg gehen. Ziel sei es, mehr Punkte zu holen als diesmal. Im Kader wird es Veränderungen geben. Dominik Sos wechselt zum TSB Schwäbisch Gmünd, Daniel Rauch zum SV Fellbach, Marco Dutenstädter zu seinem Heimatverein SG Weissach im Tal, David Pistorius, der ausgeholfen hat, geht zurück in den Handball-Ruhestand. Neuzugänge sind Jan Spindler (HSG Winzingen-Wißgoldingen-Donzdorf, Württembergliga Süd) und – „ein alter Weggefährte von mir“ (Wieczorek) – Julian Diederich aus der 3. Liga Süd (HC Oppenweiler Backnang).